Räumpanzer und ein Wasserwerfer der Polizei fahren durch die Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain. dpa/Andreas Rabenstein

Der Konflikt um die „Rigaer Straße 94“ spitzt sich zu: Nach ersten Schätzungen der Polizei griffen etwa 200 Vermummte die Einsatzkräfte am Mittwochvormittag mit massiven Steinwürfen von Dächern und Straße an. Zudem errichteten Vermummte Barrikaden an drei Stellen auf der Rigaer Straße und zündeten sie an, sagte Polizeisprecherin Anja Dierschke.

Teilweise mussten sich Polizisten anfangs zurückziehen. Im Internet schrieben sie: „Die Verteidigung der Rigaer94 hat begonnen.“ Und weiter: „In dieser Minute wird die Straße verbarrikadiert und eine autonome Zone eingerichtet, um die Rote Zone des Senats zu verhindern. Kommt schnell vorbei.“

60 Einsatzkräfte verletzt

60 Beamte wurden laut Polizei verletzt. Später löschte sie die Feuer mit einem Wasserwerfer, mit dem Räumfahrzeug räumte sie Barrikaden weg. Am Nachmittag kontrollierte die Polizei die umliegenden Dächer, um sicherzugehen, dass von dort keine gelagerten Steine herabfallen.

Um 12 Uhr mittags stiegen in der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain dicke Rauchschwaden auf, groß, schwarz und mächtig steht die Wolke über dem Kiez. Das Feuer lodert auf der Kreuzung vor dem jahrelang besetzten Haus, das vor einigen Monaten mit einem massiven Polizeieinsatz geräumt wurde.

In der Rigaer Straße brennen Barrikaden. BLZ/Jens Blankennagel

Die Straße ist bereits von der Polizei abgesperrt. Dutzende Mannschaftswagen mit Blaulicht blockieren jeden Verkehr. Schaulustige stehen überall und sehen zu. Dann knallt es, es klingt wie Silvesterböller, die gezündet werden. Ein Hubschrauber kreist über dem Kiez. 

Barrikadenreste – qualmender Schrott, den die Chaoten zusammengetragen und angezündet hatten. BLZ/Jens Blankennagel

Um 12.10 Uhr ist das erste Feuer gelöscht nur noch kleine Rauchwolken steigen auf. Die Straße ist nass, auf der Kreuzung liegt ein Haufen von Fahrrädern und anderen Gegenständen, die angezündet wurden und noch immer qualmen.

Polizisten mit Helmen sperren die Straße ab und lassen niemanden durch. Überall Pflastersteine auf der Straße. Laute Musik dröhnt aus einem Haus. Der Löschpanzer wendet und löscht per Wasserwerfer weitere kleine Feuer.

Auf Fotos waren brennende Gegenstände, Rauchschwaden, Holzgerüste, Stacheldraht und Autoreifen auf einer Kreuzung am Haus zu sehen. Die Polizei bestätigte das Feuer und kündigte einen Einsatz zusammen mit der Feuerwehr an.

Sieben Autos angezündet

Die linksradikalen Bewohner und ihre Unterstützer hatten seit längerem heftigen Widerstand gegen die Brandschutzprüfung durch Eigentümer-Vertreter am Donnerstag angekündigt. Die Polizei bereitete sich auf einen großen Einsatz vor und verhängte von Mittwochnachmittag bis Freitagabend eine Sperrzone mit einem Demonstrationsverbot. Zugang zum abgesperrten Bereich haben nur Anwohner.

Am Montagnachmittag wurden sieben Autos in Berlin-Marzahn angezündet. Ein Zeuge sah „etwa sieben bis acht“ vermummte Menschen, die auf Fahrrädern flohen. Ein Teil der Autos gehörte zu einer Firma, die sich mit Brandschutz beschäftigt. Ein Brandschutzexperte dieser Firma wird bei der Begehung am Donnerstag begleitend dabei sein.

Vor einer Woche griffen unbekannte Täter Feuerwehrleute und Polizisten nachts an dem Haus massiv mit Steinwürfen an. Verletzt wurde niemand. Fahrzeuge von Polizei und Feuerwehr wurden beschädigt. Nach dem Einsatz fand die Polizei mehr als 50 Pflastersteine auf der Straße.