Im Hintergrund sieht man die russische Maschine, die die Diplomaten nach Hause holte.
Im Hintergrund sieht man die russische Maschine, die die Diplomaten nach Hause holte. dpa/Bernd von Jutrczenka

Die Maschine mit der Kennung RSD88 landete klammheimlich am BER und wurde, damit es nicht auffällt, am früheren Terminal des Flughafens Berlin-Schönefeld still und leise zwischengeparkt. Mit einer Iljuschin IL 96-300 (Russland nutzt zehn davon als Regierungsmaschinen) hat Putin die 40 ausgewiesenen Diplomaten und ihre Familien aus Berlin heimgeholt.

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Noch in der Nacht am Moskauer Regierungsflughafen Wnukowo gestartet, landete die Regierungsmaschine mit der Aufschrift „Rossija“ früh am Morgen um 6.48 Uhr am BER. Normalerweise hätte wegen der Sanktionen gegen Russland keine russische Maschine in den EU-Luftraum fliegen dürfen, doch für RSD88 gab es eine Sondergenehmigung. „Wir haben ein starkes, auch durch die öffentliche Sicherheit begründetes Interesse, dass diese Menschen schnell und verifizierbar auch das Land verlassen“, sagt eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes und bestätigt den Flug.

Auch Putin nutzt die IL 96-300 als fliegende Kommandozentrale

Die IL 96-300 ist 55 Meter lang und kann bis zu 300 Passagiere transportieren. Gebaut wird sie in Woronesch, sechs dieser Maschinen (Il 96-300PU) wurden als Präsidentenmaschine gebaut. Mit einer 14 Tonnen schwere Kommunikationseinheit an Bord, die Putin von hier aus im Kriegsfall auch das Kommando über die nuklearen Waffen der Streitkräfte ermöglichen würde.

Ein Reisebus mit russischen Botschaftsmitarbeitern wird von Polizeifahrzeugen auf dem Flughafen Berlin Brandenburg eskortiert.
Ein Reisebus mit russischen Botschaftsmitarbeitern wird von Polizeifahrzeugen auf dem Flughafen Berlin Brandenburg eskortiert. dpa/Bernd von Jutrczenka

Laut Spiegel war die „Operation Ausreise“ penibel geplant. So handelte Russland aus, dass das Gepäck der vermeintlichen Diplomaten und ihrer Familien direkt an die Maschinen gebracht und nicht kontrolliert wird. Man geht davon aus, dass die russischen Geheimdienstler Spionagematerial und Technik mit nach Hause nehmen wollten.

Nach knapp drei Stunden Flug landete die Maschine wieder in Moskau-Wnukowo

Um 11.09 Uhr hob RSD88 wieder von Schönefeld ab, um 15.01 Uhr landete die Maschine nach einem knapp dreistündigen Flug in Moskau-Wnukowo.

Am Montag hatte die Bundesregierung die Diplomaten zu unerwünschten Personen erklärt, die nun kurz vor Ende der Frist das Land verließen. Die Russen hatten fünf Tage Zeit, Deutschland zu verlassen. Heute lief die Frist ab. „Wir haben 40 Personen ausgewählt, die wir den russischen Nachrichtendiensten zurechnen“, sagt Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD). Nach Einschätzung aus Sicherheitskreisen führt die erzwungene Ausreise der Diplomaten zu einer erheblichen Schwächung der nachrichtendienstlichen Möglichkeiten Russlands in Deutschland.

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Parlamentarier mehrerer Fraktionen waren nach der Bundestagswahl vor möglichen Anwerbeversuchen russischer Spione, die sich für Informationen aus dem politischen Raum interessieren, gewarnt worden. Der Verfassungsschutz steht ebenso in ständigem Kontakt mit den Unternehmen der sogenannten kritischen Infrastruktur, zu denen etwa Stromversorger und Telekommunikationsunternehmen gehören.