Der Angeklagte Philipp B. (19) in Berlin vor Gericht. 
Foto: Olaf Wagner

Als Krankenschwester Lisa U. (32) aus dem Fahrstuhl trat, blitzte eine Klinge auf. Drei Stiche – beinahe tödlich. Es soll Philipp B. (19) gewesen sein. Er habe sich „abreagieren“ wollen. Ein Milchgesicht mit schmalen Schultern. Die dunklen Haare sorgfältig nach vorn gekämmt. Mit gefalteten Händen und gesenktem Kopf saß Philipp B. nun vor Gericht.

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Die Anklage lautet auf versuchten Mord. Es war 21.45 Uhr, als Lisa U. (Name geändert) am 10. August aus dem Fahrstuhl im 7. Obergeschoss des Mehrfamilienhauses an der Palisadenstraße (Friedrichshain) trat. Sie war so gut wie zu Hause, stand vor der Wohnungstür. Doch B. soll „plötzlich und unerwartet von hinten“ angegriffen haben.

Blutüberströmt lag die 32-Jährige im Flur

Eine Frau, zu der er in keinerlei Beziehung stand, eine ihm völlig Fremde. Motiv laut Anklage: „An dem willkürlich erkorenen Opfer wollte er seine Aggressionen wegen familiärer und partnerschaftlicher Streitigkeiten abreagieren.“ Lisa U., Mutter eines kleinen Kindes, war völlig arglos.

Der Täter brachte sie zu Boden. Es gelang ihr noch, die Arme vor ihrem Körper zu verschränken. Sie schrie um ihr Leben. B. aber soll gnadenlos zugestochen haben. Die Anklage: „Mit Vehemenz und schneller Folge geführte Stiche gegen Oberkörper und Kopf.“

Blutüberströmt lag die Krankenschwester im Flur, als ihr Ehemann die Tür aufriss. Der Angreifer, der ihr das Messer gerade erneut in den Körper rammen wollte, floh. Der Ehemann und Nachbarn hinterher. Der Täter aber entkam. Die junge Mutter überlebte nur knapp.

Stich in den Hals

Ein langer Stich in ihren Hals - Millimeter an der Vene vorbei. Verletzt auch die Lunge. Die Staatsanwältin: „Die Frau musste notoperiert und intensivmedizinisch behandelt werden.“ Drei Tage später klickten für Philipp B. die Handschellen. Das war in der Wohnung seiner Mutter – nicht weit entfernt vom Tatort.

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Ein Teenager, der bis dahin nicht kriminell aufgefallen war. Er hatte bis kurz vor der Bluttat eine Freundin. Und er hatte auf der Suche nach einer Ausbildung ein Praktikum in einem Krankenhaus absolviert.

Er soll am Tatabend zunächst allein in einem Park gesessen, mit einer Bierdose in der Hand gegrübelt und mit seinem Leben gehadert haben. Er sei dann zum Haus von Lisa U. gegangen. Ein harmlos wirkendes Bürschchen. Er habe der Frau aus dem Nebenaufgang noch freundlich die Tür aufgehalten, sei mit in den Fahrstuhl gestiegen. War er der feige Angreifer, der Lisa U. beinahe tötete? Heute will er vor dem Landgericht aussagen. KE.