Ziel der Bande waren immer ältere Menschen. dpa

Der falsche Kommissar legte vor echten Richtern ein Geständnis ab: Simon K. (19) mischte bei Betrügern mit, die ältere Menschen um ihr Erspartes brachten.

Ein blasses Jüngelchen. Sohn aus gutem Hause - auf die schiefe Bahn geraten. Seit zweit Monaten sitzt K. in Haft. Jetzt schämt er sich für sein Verhalten: „Ich wollte es nicht, es tut mir leid.“

Simon K. (19) wurde an drei Tagen der „Kommissar von der Notrufzentrale“.

Eine Reise in die Türkei im letzten Herbst. Alles sei gekommen durch einen Kumpel, der plötzlich viel Geld hatte. Die Unterkunft dann in der Nähe von Istanbul. K.: „Eine große Wohnung über zwei Etagen.“ Jedes Zimmer ausgestattet mit Bett, Schreibtisch und Laptop zum Telefonieren. Über das Telefonbuch seien Namen gesucht worden, die auf ältere Menschen schließen lassen.

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Zwei erwachsene Männer und jüngere Leute sollen sich laut K. in der Wohnung aufgehalten haben: „Ein Erwachsener gab mir einen Text, den ich vorlesen sollte.“ Er habe nicht mit so etwas gerechnet. „Ich dachte, ich mache Urlaub.“

Die Kammer und der Verteidiger, der Angeklagte hat sich nicht vorführen lassen. Pressefoto Wagner

Er wurde an drei Tagen der „Kommissar von der Notrufzentrale“. K.: „Ich sollte bei längeren Gesprächen bestätigen, dass die Leute tatsächlich von der Polizei angerufen wurden.“ Eine Lüge, die zum miesen Schwindel gehörte. Er habe es maximal 20 Mal gemacht.

Auf dem Telefon-Display sehen Opfer sogar den Polizei-Notruf 110 – auch das gefälscht.

Die Anklage geht von einer „hierarchisch strukturierte Bande“ und „ausgeklügelten Taten“ aus. Opfern wurde vorgegaukelt, dass ein Einbruch bevorstehe, sie ihre Wertsachen zur Abholung angeblich durch Polizisten bereitstellen sollen. Auf dem Telefon-Display sehen Opfer sogar den Polizei-Notruf 110 – auch das gefälscht.

Skrupellose Betrüger. Doch in Berlin stieß die Bande in mehreren Fällen auf Senioren, die auf der Hut waren. Wie Anni A. (78). Bei ihr rief ein Kommissar an – „seine Stimme, es schmolz so hin, er hat sehr gut gesprochen, so einfühlsam.“ Dann sollte sie die 110 wählen. Ein Herr von der „Notrufzentrale“ meldete sich. Der Druck würde erhöht.

Fast hätte die Rentnerin zumindest etwas Geld bereitgelegt. Die Zeugin: „Aber dann war doch innerlich ein klares Nein.“ Sie ärgere sich allerdings, dass sie sich auf ein so langes Gespräch eingelassen habe – „jetzt bin ich hellhörig und konsequent“.

Viel Glück hatte Heinz H. (76). Er und seine Frau packten Schmuck und eine Münzsammlung im Wert von rund 70.000 Euro in zwei Taschen, stellten sie auf Anweisung in einem Gebüsch ab. Doch die echte Polizei war den Tätern bereits auf der Spur, brachte die Beute zurück. Fortsetzung: Mittwoch. KE.