Die jugendlichen Darsteller des Musikvideos wollen auf Diskriminierung von behinderten Menschen aufmerksam machen. Privat

Jugendliche ziehen vom Rosa-Luxemburg-Platz zum Alexanderplatz und haben ihre Gesichter unter Clown- und Tiermasken verborgen. Ein Junge im Rollstuhl hält einen Baseballschläger in den Händen und haut damit einen vollen Kaffeebecher von einer Sitzbank. Die Szene wirkt agressiv und sie soll es auch bewusst sein. Denn die Produzenten des neuen Musikvideos „Wenn du glotzt“, wollen zum Ausdruck bringen, wie die Gefühlswelt von jungen Menschen aus den Fugen gerät, wenn sie wegen ihrer Behinderung auf der Straße angestarrt werden. 

Sie wollen laut sein und sich Lauft machen 

„Sie wollen sich endlich Luft machen und einmal laut sein dürfen, um von der Gesellschaft gehört zu werden“, erklärt Songwriter und Moderator Dada Peng (47). Sie sind 11 junge Menschen im Alter von 11 bis 24 Jahren und die Hauptprotagonisten, denn sie haben alle eines gemeinsam: Die Jungen und Mädchen tragen ein schweres Schicksal. Die meisten haben selbst eine lebensverkürzende Krankheit oder deren Geschwister. Dada Peng engagiert sich seit 20 Jahren im Hospizbereich. Gemeinsam mit der „Grünen Bande“, der Jugendclub des Bundesverbandes Kinderhospiz hat Dada Peng mit seiner Initiative für Sterbende und ihre Freunde „Superhelden fliegen vor“ mit der jungen Punkrockband Rock Zone (Finalisten von The Voice Kids) gerade eine Single produziert und dazu das passende Musikvideo gedreht. Die Musik ist seit Freitag über verschieden Streamingdienste im Internet erhältlich.

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Marlon ist einer der Protagonisten im Video. Er leidet seit seinem 12. Lebensjahr an einer chronischen Erkrankung, weshalb er auf den Rollstuhl angewiesen ist.

Einer der Berliner Protagonisten ist Marlon. Er leidet seit seinem 12. Lebensjahr an einer chronischen Erkrankung und ist der junge Mann, der im Video im Rollstuhl mit einem Baseballschläger unterwegs ist. Ihm sei wichtig, dass man behinderten Menschen im Alltag nicht mit Mitleid begegnet, sondern auf Augenhöhe. „Häufig bemerke ich, dass wir auf eine Art und Weise behandelt und wahrgenommen werden, die ich als gutmütig herabsetzend empfinde und die für mich ein Zeichen für systematische Diskriminierung sind“, berichtet der junge Mann. Sein dringender Appell an Politik und Gesellschaft: „Ich wünsche mir, dass behinderte Menschen endlich die gleichen Bildungschancen erhalten und ihre Potenziale erkannt und gefördert werden.“

Kein barrierefreies Lokal gefunden 

Ähnliche Erfahrungen haben auch andere Protagonisten aus dem Video gemacht, schildert Dada Peng. Eines von vielen Beispielen: „Ein Junge, Felix heißt er, erzählte, dass er ein Eis gegessen hatte und dabei von einem Passanten fotografiert wurde. Offenbar weil er wegen seiner Behinderung auf ihn exotisch wirkte“. Eine Erfahrung hat auch den Songwriter mitten beim Dreh am Rosa-Luxemburg-Platz bis heute sehr mitgenommen. „Wir wollten uns in einem Lokal aufwärmen, weil es draußen so kalt war. Doch wir haben ewig gesucht, bis wir endlich ein barrierefreies gefunden haben, in das auch die Jugendlichen im Rollstuhl gelangen konnten“, erzählt er. Dieses Erlebnis sei schon sehr entwürdigend gewesen.

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In dieser Szene schlägt Marlon mit einem Baseballschläger einen vollen Kaffeebecher um.

Um die Menschen mehr für Andersartigkeit zu sensibilieren, starteten sie im Sommer ihr Projekt. „Es geht nicht nur um schwerkranke Kinder, sondern auch um dicke Menschen und Menschen mit Kopftuch. Wir wollen uns mit ihnen verbrüdern und sie sollen nicht länger angestarrt werden“, so Dada Peng. In dem sozialkritischen Song heißt es unter anderem: „Und macht mich einer blöd an, dann entschuldigt, wenn ich frag: Glotzt Du so blöde eigentlich immer? Hast Du von meinem Leben auch nur einen kleinen Schimmer? Wenn nein, dann sei doch mal so frei und lies im Grundgesetz den Artikel 3.“ Denn sie wollen nicht länger benachteiligt werden.