Ein Wolfsrudel nimmt Witterung auf. Imago/Linke

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat sich angesichts zunehmender Schäden durch Wolfsrisse für eine Bejagung der Tiere in bestimmten Regionen ausgesprochen. Dabei gehe es nicht darum, den Wolf auszurotten, teilt die Ministerin der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ mit. „Aber wenn wir die Weidetierhaltung in einigen Regionen nicht aufgeben wollen, müssen wir handeln.“

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Der Deutsche Bauernverband sieht wegen der steigenden Wolfspopulation die Weidetierhaltung in Deutschland in Gefahr. Die von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) vorgelegte jüngste Statistik zeichne das Ende der Weidehaltung vor, heißt es in einer in Berlin veröffentlichten Mitteilung. Der Wolfsbestand müsse endlich reguliert werden.

3444 Schafe wurden 2020 von Wölfen getötet

Laut der jüngsten Statistik zu wolfsverursachten Schäden im Jahr 2020 wurden laut DBBW 3959 Weidetiere in Deutschland von Wölfen getötet, darunter 3444 Schafe. Die Zahl der aufgrund eines Wolfsangriffs getöteten, verletzten oder vermissten Nutztiere stieg demzufolge um 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Klöckner verwies auf den hohen Anstieg und fragte: „Wo endet das, wenn wir jetzt nicht eingreifen?“ Dort, wo viele Wölfe lebten und der Bestand nicht gefährdet sei, müsse jetzt dringend ein regionales Bestandsmanagement her, forderte die Agrarministerin. Bislang dürfen nur solche Wölfe geschossen werden, die mehrfach nachweislich Schutzmaßnahmen überwunden und beispielsweise Schafe getötet haben.

In der Zeit von 2000 bis 2019 stieg die Zahl der Rudel und Paare im Schnitt um 28 Prozent pro Jahr. Nach den jüngsten Daten der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf lebten in der Saison 2019/2020 in Deutschland 128 Rudel, 35 Wolfspaare und zehn Einzeltiere mit eigenem Territorium. Mehr als 20 Prozent der Fläche Deutschlands sind inzwischen Wolfsland.

Brandenburg ist das Bundesland mit den meisten Wölfen. Nach Zählung des Naturschutzbundes (Nabu) sind von den bundesweit 128 Rudeln derzeit 47 in dem Land ringsum Berlin heimisch. Auf Platz 2 ist Sachsen mit 28 Rudeln. Ein Rudel umfasst die Elterntiere und die Jungtiere der ersten zwei Jahre, also meist vier bis zehn Tiere. Nun beklagt der Brandenburger Jagdverband, dass die streng geschützten Raubtiere zu viele Nutztiere fressen.

Jagdverband: Wie viele „Opferlämmer“ sind noch nötig, bis es rechtliche Änderungen gibt?

Die Jäger beziehen sich dabei auf die dokumentierten Wolfsrisse des Jahres 2020, die vom Brandenburger Landesamt für Umwelt aktualisiert und veröffentlicht worden sind. In einer Mitteilung des Jagdverbandes hieß es im Februar: „Mit Schrecken stellt man hier fest, dass sich die Anzahl der Risse in nur einem Jahr von 417 auf 813 Tötungen nahezu verdoppelt hat; vor zehn Jahren waren es noch 86 Fälle.“

„Der Schutz der Weidetiere durch angemessene Maßnahmen ist ein Mittel der Wahl, um Wolfsübergriffe zu begrenzen. Verhindert werden sie damit nicht, wie die Rissstatistik zeigt“, sagte Dirk-Henner Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbandes. Er fragt, wie viele „Opferlämmer“ noch nötig seien, bis es rechtliche Änderungen gibt.