Während der Pandemie schossen überall Testcenter aus dem Boden. Nicht alle arbeiteten seriös. AP/Sohn

Nicht getestet, aber trotzdem kassiert: Mit Corona haben sich viele Ganoven gesundgespritzt. Überall schossen Testcenter aus dem Boden und zogen damit auch Kriminelle an. Allein in Berlin kassierte eine Bande mit 18 Testcentern, falschen Zahlen und Betrug ab und kassierte rund neun Millionen Euro. Kein Einzelfall. Bundesweit haben Behörden mindestens 642 Verfahren wegen Abrechnungsbetrugs bei Corona-Testzentren eingeleitet.

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Das ergab eine bundesweite Umfrage des Handelsblatts unter Staatsanwaltschaften und Landeskriminalämtern. Mehr als die Hälfte der Fälle kommen aus Berlin, wo das Landeskriminalamt (LKA) 347 Verfahren einleitete. In Berlin verhaftete die Polizei Ende März einen 46-Jährigen. Er soll Chef einer Bande sein, die mit 18 Testcentern abkassierte, auch seine 44-jährige Schwester wurde festgesetzt. Die Polizei durchsuchte zahlreiche Wohnungen und Teststationen in ganz Berlin und beschlagnahmte Vermögen.

Berliner Bande transferiert ergaunerte Millionen in die Türkei

Der Vorwurf der mutmaßlichen betrügerischen Abrechnungen von neun Millionen Euro mit der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin bezieht sich auf den Zeitraum von Mai 2021 bis Februar 2022. Pro Tag wurden über die Testcenter also etwa 30.000 Euro zu viel abgerechnet. Mehr als sechs Millionen Euro soll die Bande bereits auf das Konto eines Komplizen in der Türkei überwiesen haben.

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Vielfach stehen die Ermittlungen demnach noch ganz am Anfang, weshalb sich auch der Gesamtschaden durch Testbetrug noch nicht beziffern lässt. Doch allein in fünf Verfahren in Bochum, Offenburg, Freiburg und Mannheim beträgt der mutmaßliche Schaden dem Bericht zufolge 49,5 Millionen Euro.

In Baden-Württemberg ist die Fallzahl laut LKA dreistellig. Das Stuttgarter Gesundheitsministerium zeigte sich demnach besorgt, dass „halbseidene Betreiber bis hinein ins kriminelle Milieu“ Teststellen betrieben und rechnet mit einer hohen Dunkelziffer in Großstädten.

Kriminelle Testcenter: Banken melden Geldwäscheverdacht

Bayerns Justizministerium teilte mit, im Freistaat seien 60 Ermittlungen wegen mutmaßlichem Testbetrug eingeleitet worden. Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) nannte es einen „Skandal, wenn hier betrogen wird“, gerade, weil es „um die Gesundheit von Menschen geht“.

Für die Prüfungen der Abrechnungen von Testzentren sind die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) der Länder zuständig. Die KV Niedersachsen teilte dem Handelsblatt mit: „Die allermeisten Anbieter von Teststellen erfüllen ihre Aufgabe ordnungsgemäß.“ Bei manchen Auffälligkeiten handle es sich auch um schlichte Eingabefehler.

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Häufig werden laut Handelsblatt Ermittlungen gegen Betreiber von Testzentren eingeleitet, weil Banken einen Geldwäscheverdacht melden. Auch Hinweise aus der Bevölkerung führten demnach zu Verfahren. Mehrere Behörden berichteten, dass Menschen per E-Mail negative Ergebnisse erhalten hätten, noch während sie in der Schlange vor der Teststation warteten.