Im Bugatti Chiron Sport stellte der Tscheche Radim Passer einen Geschwindigkeitsweltrekord auf. Youtube

Es ist eine irre Geschichte, die in ganz Europa für Aufsehen sorgte. Ein Milliardär aus Tschechien rast mit seinem Super-Flitzer über eine deutsche Autobahn, beschleunigt bis auf Tempo 417 km/h. Mit Kameras an Board filmt er seine waghalsige Aktion, stellt sie ein halbes Jahr später stolz ins Netz. Klar, dass da auch schnell die Polizei draufkam. Aber war dieser Weltrekord wirklich schneller, als die Polizei erlaubt? Nein, heißt es jetzt von der Staatsanwaltschaft. Das Verfahren wurde eingestellt.

Mit dem Stärksten, den er in seiner Garage hat, hatte Radim Passer im Sommer letzten Jahres den Geschwindigkeitsrekord gebrochen, den er auch zuvor schon selber gehalten hat. Im Bugatti Chiron Sport fuhr er einen Abschnitt der deutschen Autobahn 2 zwischen Berlin und Hannover im normalen Verkehr mit einer Geschwindigkeit von 417 km/h.

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Irre Rekord-Fahrt im Bugatti Chiron

Kein Wunder: Der superteure Wagen (drei Millionen Euro, 1500 PS) geht ab wie Schmidts berühmte Katze. Für die Beschleunigung von 200 auf 300 km/h braucht er weniger als zehn Sekunden.

imago/Sebastian Geisler
Bugatti Chiron bei 420 km/h begrenzt

Angetrieben wird der Bugatti Chiron von einem Achtliter-16-Zylinder mit vier Turboladern, den auch der Veyron Supersport nutzt, der aber für den Chiron modifiziert wurde und leistungsstärker ist. 1500 PS leistet der Wagen und braucht laut Hersteller von null auf 100 km/h nur 2,4 Sekunden. Er ist auf 420 km/h begrenzt, könnte aber theoretisch noch schneller fahren und fast 500 km/h erreichen. Damit ist der Chiron das stärkste Serienauto der Welt.

Die Fahrt fand im Juli vergangenen Jahres auf dem Autobahnabschnitt der A2 bei Ziesar statt. Drei breite Fahrspuren liegen nebeneinander, der rund zehn Kilometer lange Abschnitt ist fast gerade und leicht abfallend, sodass man sehr gut weit voraussehen kann. Auch die Uhrzeit ist mit Bedacht gewählt. Um 4.50 Uhr in der Früh ist es im Sommer hell genug für eine gute Sicht, aber noch nicht so voll auf der Straße. So lautet zumindest die Argumentation des Fahrers, der mit seinen erreichten 417 km/h auf einer öffentlichen Straße einen Weltrekord aufstellte.

Doch nur wenig später hieß es, es sei ein Verfahren gegen den Tschechen eingeleitet worden. Dem Raser war ein verbotenes Rennen im Sinne einer Einzelfahrt vorgeworfen worden. Nach dem Strafgesetzbuch ist auch ein sogenanntes Alleinrennen strafbar, wenn sich der Fahrer „mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen“.

Staatsanwaltschaft spricht 417-km/h-Raser frei

Doch nun die Erleichterung beim Auto-Freak aus dem Nachbarland: Alle drei Tatbestandsvoraussetzungen liegen aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht vor, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Stendal in Sachsen-Anhalt sagte. Es habe umfassende Prüfungen des Vorfalls gegeben, eine Befragung des Beschuldigten sei nicht nötig gewesen.

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In dem Autobahnabschnitt gilt keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Laut der Straßenverkehrsordnung dürfe man aber nur so schnell fahren, wie es die Sicht- und Wetterverhältnisse und die persönlichen Fähigkeiten von Fahrzeug und Fahrzeugführer zuließen, sagte der Sprecher. In dem Video seien aufgrund der gewählten Strecke, der frühen Uhrzeit und Jahreszeit sehr gute Verkehrsverhältnisse erkennbar. Es gebe zudem keinerlei Hinweise auf eine unsichere Fahrweise.