Refail A. (26, r.) fuhr betrunken und ohne Führerschein:
Am Bahnhof Zoo in Berlin überrollte er drei Obdachlose.
Refail A. (26, r.) fuhr betrunken und ohne Führerschein: Am Bahnhof Zoo in Berlin überrollte er drei Obdachlose. Pressefoto Wagner

Drei Obdachlose überlebten den SUV-Crash nur knapp: Refail A. (26) verlor die Kontrolle über den schweren Wagen. Er hatte keinen Führerschein, Alkohol im Blut, Wut im Bauch.

Genau zwei Jahre später das Urteil: ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung. Der Richter: „Schuldig der vorsätzlichen Gefährdung des Straßenverkehrs, der fahrlässigen Körperverletzung, des Fahrens ohne Fahrerlaubnis.“

Für zwei Jahre verhängte das Amtsgericht eine Führerschein-Sperre. Außerdem wurde A. für drei Jahre einem Bewährungshelfer unterstellt. An einen der Verletzten soll er insgesamt 3600 Euro zahlen. Weitere Auflage: „100 Stunden gemeinnützige Arbeit innerhalb von sechs Monaten.“

Der 26. Juli 2020. Sonntagfrüh. Es war nicht viel los auf den Straßen. Ein Filmteam packte am Bahnhof Zoo ein. Um 7.20 Uhr tauchte ein Mercedes Benz GLK 220 auf – 2,4 Tonnen schwer, 170 PS stark. Refail A. am Steuer. Er kam aus der Joachimsthaler und wollte in die Hardenbergstraße.

Der Raser krachte auf den Gehweg mit den schlafenden Obdachlosen

Der Richter: „Mit nicht angepasster Geschwindigkeit fuhr er auf die Kreuzung. 65 bis 68 Stundenkilometer waren zu viel für die Kurve.“ A. habe sich wegen seiner Alkoholisierung verschätzt.

Er verlor die Kontrolle über den Wagen, streifte einen Schildermast, prallte gegen einen daran befestigten Mülleimer, krachte auf den Gehweg mit den schlafenden Obdachlosen. Drei Passanten rannten weg, stürzten zwar und erlitten Abschürfungen, konnten sich aber gerade noch in Sicherheit bringen.

Zwei auf dem Boden liegende Männer wurden überrollt. Der dritte Mann wurde durch die Wucht des Aufpralls aus seinem Rollstuhl geschleudert, bevor auch er überfahren, unter dem Auto eingeklemmt wurde. Alle drei Opfer erlitten diverse Knochenbrüche, zwei von ihnen auch Wirbelfrakturen. Einem Obdachlosen (36) musste ein Bein amputiert werden.

Während Helfer um das Leben der Schwerverletzten kämpften, saß A. wimmernd im Auto. Vor Gericht legte er ein Teilgeständnis ab. Er gab zu, dass er mit seiner damaligen Freundin die Nacht vor dem Unfall durch Bars gezogen war.

Mit mindestens einem Promille Alkohol im Blut sei der Raser abgedüst

Der Richter: „In der dritten Bar ging dann ein richtiger Streit los.“ Sie wollte sich nach dreiwöchiger Beziehung trennen. Der Zoff ging in ihrer Wohnung weiter – „sie warf mit Gläsern, er trat gegen die Badezimmertür“. Dann schnappte er sich Autoschlüssel, die in ihrer Wohnung lagen.

Der Richter: „Wütend und erregt stieg er in der Tiefgarage in das Auto.“ Es war wohl der Wagen ihres Vaters. Mit mindestens einem Promille Alkohol im Blut sei er abgedüst, verursachte den Unfall – „aus völlig nichtigem Anlass“.

Lesen Sie auch: Vorwurf der Vetternwirtschaft: RBB-Intendantin lud neunmal Geschäftspartner zu sich nach Hause ein. Kosten pro Person: bis zu 56,53 Euro brutto – ohne Getränke>>

Der Angeklagte – keine Arbeit, kein erlernter Beruf – aus Neukölln hatte im Prozess teilweise gestanden. Er bedauerte: „Es tut mir aus tiefstem Herzen leid. Ich wollte niemand verletzen. Ich bin nicht der Typ, der anderen Menschen Schlechtes möchte.“ Er könne sich nicht verzeihen, „dass der Herr meinetwegen ein Bein verloren hat“.

Zwei Jahre Haft auf Bewährung hatte der Ankläger gefordert, der Verteidiger plädierte auf drei Monate auf Bewährung. A. schrammte an Knast vorbei. Auf Bewährung entschied das Gericht nur, „weil der Angeklagte nicht vorbestraft und teilgeständig ist, bereut“.