Milan Peschel, ein echter Berliner: Inzwischen nervt ihn aber vieles an der Stadt. Imago/Zeitz

Er ist ein Urberliner, der Schauspieler Milan Peschel. Geboren am 17. Januar 1968 in Ost-Berlin, wie Wikipedia schreibt. Die Betonung liegt auf Ost. Trotz aller Filmerfolge (u.a. mit Daniel Brühl, Alexander Scheer, Frederick Lau, Matthias Schweighöfer): Hier im Osten ist er nie weggezogen, hier ist er zu Hause. Doch, mit dem, wie sich Berlin entwickelt, hat er zunehmend Probleme. Mit Hipstern, ausuferndem Kapitalismus, zu vielen Autos, zu teuren Mieten, zu wenig sozialem Miteinander, wie er in einem Fragebogen in der Berliner Zeitung verrät. 

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Gewohnt hat Milan Peschel bisher in Friedrichshain, Lichtenberg, Mitte und Prenzlauer Berg. Schlagzeilen machte er vor zehn Jahren, als er und seine Nachbarn sich gegen die Räumung ihrer Wohnungen in einem Mehr-Generationen-Haus in der Pasteurstraße im Bötzowviertel wehrten. Letztlich mussten sie weichen, für die Erweiterung einer Schule. Peschel blieb in Prenzlauer Berg, zog mit seiner Frau Magdalena und den beiden Kindern in eine Wohnung am Helmholtzplatz. „Das Problem ist aber: Wir müssen jetzt ungefähr das Dreifache an Miete zahlen“, erzählte er zwei Jahre später.

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Was Milan Peschel an Berlin nervt: „Hipster und erfolgreiche Menschen all over“

Und so ist es kein Wunder, was den 54-Jährigen am meisten an Berlin nervt: „Hipster und erfolgreiche Menschen all over. Zu wenig soziales Neben- und Miteinander.“ So richtig cool findet er Berlin nicht mehr: „Leider muss man aber sagen: Cooler als Berlin war vor allem Berlin selbst – in den 80er- und 90er-Jahren. In Ost und West“, erklärt er in der Berliner Zeitung.

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Auch im „Tatort“ war Milan Peschel schon siebenmal zu sehen: Hier in der Folge „Querschläger“. NDR/Christine Schroeder

Sein Forderungskatalog, damit Berlin leben- und liebenswert bleibt: „Bezahlbare Mieten. Bezahlbare Innenstadt. Nicht nur für wohlhabende Menschen. Viel weniger Autoverkehr. Tempo 30. Keinerlei Werbung im öffentlichen Raum. Mehr Großzügigkeit in allen Bereichen. Dann kommen auch Freundlichkeit, Interesse und Aufmerksamkeit füreinander wieder.“

Der Ost-Berliner hasst die Kathedralen des globalen Kapitalismus

Der beste Stadtteil ist für Milan Peschel im Moment Oberschöneweide, „weil da die Blasen noch am kleinsten sind und ich den Eindruck habe, dass noch nicht alles aufgeteilt beziehungsweise verkauft ist“. Der Schauspieler mag die (noch) ruhigen Ecken in Prenzlauer Berg, die Gegend nördlich der Wichertstraße, „die Ecke Kuglerstraße, Varnhagenstraße, Rodenbergstraße“.

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Da, wo es im neuen Berlin teuer, hip und schickimicki ist, wird man Milan Peschel eher nicht treffen. So zieht ihn aber „zum Beispiel nichts in den neuen Apple-Store am Hackeschen Markt (oder ähnliche Kathedralen des globalen Kapitalismus). Wenn ich kotzen will, betrinke ich mich lieber mit Freunden oder Kollegen“.

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