Modelle zeigen Kreationen für Frühjahr/Sommer 2020 der Designerin Hoermanseder im SEZ auf der Berliner Modewoche. Die Modemesse Premium kehrt nach Berlin zurück. dpa/Jens Kalaene

Berlins Ex-Regierender Michael Müller (SPD) wird sich schütteln vor Frust. Seine Partei-Genossin und jetzige Regierende Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey, holt die Modemesse Premium zurück nach Berlin. Der Müller-Senat musste das Flaggschiff der Fashion Week einst ziehen lassen, weil sich die Veranstalterin an der Spree nicht mehr wohlfühlte.

„Das Format Fashion Week wird neu gedacht werden müssen“, sagte die Geschäftsführerin der Premium Group, Anita Tillmann im Juni 2020. „Man kommt nicht sofort auf Frankfurt, aber es ist der beste Platz“, so Tillmann. „In einer so großen Stadt, die strukturell so aufgestellt ist wie Berlin, da kriegst du kein Wir-Gefühl hin. Und das ist anders in Frankfurt. Du hast 15 Minuten vom Flughafen zum Messegelände. Du hast einen internationalen Flughafen, bist schnell aus Paris da, schnell aus Mailand. Ohne Umsteigen. Und du kannst die Stadt ganz anders einbinden, ganz anders eventisieren.“ Patsch! Das war nun wirklich eine Klatsche für Michael Müllers damaligen Senat. Und jetzt bekommt er gleich die nächste.

Historische Mode kann sie: Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey holt die Modemesse Premium zurück nach Berlin. imago/Ralf Müller

Die Modemesse Premium kehrt nämlich nach einem zwischenzeitlichen Wechsel nach Frankfurt zurück in die Hauptstadt! Mit der Rückkehr des Messeveranstalters Premium Group habe Berlin einen wichtigen Partner wieder zurückgeholt, hieß es am Montag beim Senat. Die Premium Group bestätigte der Deutschen Presse-Agentur die Pläne. Es sei eine komplette Rückkehr vorgesehen. Was für ein Einstand für Berlins neue Regierende Franziska Giffey.

Berlin wird mit der Premium ein wichtiger Messestandort bleiben

In Berlin sind die Veranstaltungen vom 7. bis 9. Juli auf dem Messegelände rund um den Berliner Funkturm und den Sommergarten geplant. „Berlin ist die Metropole für die Kultur- und Kreativwirtschaft und Europas größte Start-up-Szene“, sagte Franziska Giffey in einer Mitteilung.

Wirtschaftssenator Stephan Schwarz sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Rückkehr der Premium Group sei ein wichtiger Impuls nicht nur für die Messe, sondern auch für die Kreativwirtschaft in Berlin, die eine wichtige Rolle in der Stadt spiele. „Und Mode ist ein Taktgeber für das kreative Berlin.“

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Den Umbruch in der Messelandschaft sieht Schwarz als Chance: „Berlin wird ein wichtiger Messestandort bleiben, aber das Geschäft wird sich verändern, und die Formate werden digitaler werden“, sagte der Senator. „Insofern freuen wir uns, dass mit der Premium Group ein Veranstalter in die Stadt zurück kommmt, der genau das kann: kreative Formate ausrichten.“

Die Menschen wollen gerade nach der Pandemie auch Live-Events wie die Premium

Die Gefahr, dass sich Messen in Zukunft weitgehend ins Digitale verlagern und Besucher ausbleiben, sieht Schwarz nicht, im Gegenteil: „Es gibt ein unglaubliches Bedürfnis von Menschen, sich wieder zu sehen“, so der Wirtschaftssenator. „Wenn man attraktive, kreative Angebote macht, wird das am Ende auch dem Tourismus, der Hotellerie und den Kulturbetrieben mehr zugute kommen als vorher.“ Beides bieten zu können, Messeangebote in bekannter Form, aber digital unterstützt, das mache einen Messestandort attraktiv, ist Schwarz überzeugt.

Anita Tillmann von Premium Group sieht das ähnlich. Klassische Messeformate seien nicht mehr zeitgemäß. Und digitale Angebote hätten viele Vorteile. Aber die Menschen wollten gerade nach der Pandemie auch Live-Events, Möglichkeiten, bei denen alle zusammenkommen.

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Die Premiere der Modemesse in Frankfurt war im vergangenen Jahr pandemiebedingt nur digital möglich. Zuvor war überraschend bekannt geworden, dass Berlin mehrere Modemessen an Frankfurt verliert.

Für die Rückkehr in die Hauptstadt gibt es laut Tillmann mehrere Gründe. Einer sei das klare Commitment des neuen Senats. „Und das unternehmerfreundliche, offene Willkommen“, sagte sie. „Das hat uns schon stark überzeugt. Wir sind relativ schnell inhaltlich zusammengekommen.“ Patsch! Den Ex-Regierenden Michael Müller dürfte es grausen, wenn er das hier liest.

Berlin kann das egal sein, denn mitten in der Corona-Pandemie bekommt Berlin das Herzstück seiner Fashion Week zurück.