Seit zehn Tagen dürfen Restaurants wieder öffnen. Wie liefen die ersten Tage? 

Foto: Gerd Engelsmann

Seit zehn Tagen dürfen Restaurants wieder zu Tisch bitten. Wer einen Sitzplatz bekommt, sieht maskierte Kellner, sitzt mit Mindestabstand zu seinen Tischnachbarn – und muss sich spätestens um 22 Uhr auf den Heimweg begeben. Gastronomen ziehen im KURIER Bilanz nach der Wiedereröffnung nach dem Lockdown.

„Von Beginn an ist eine rege Buchungssituation eingetreten, viele Stammgäste haben uns wieder besucht“, sagt Jeannine Kessler. Die Geschäftsführerin des Restaurants „Horváth“ in Kreuzberg, das sie mit ihrem Mann und Sternekoch Sebastian Frank betreibt, blickt erfolgreich auf die ersten Tage zurück: „Die Gäste haben sich sehr gefreut, dass sie wieder bei uns essen können. Dementsprechend haben sie unser Restaurant mit einem Gefühl von Freude betreten, was uns wiederum ein gutes Gefühl gegeben hat. Man spürt, dass die Leute nach draußen wollen.“

Jeannine Kessler vom Restaurant „Horváth“ freut sich, dass sie endlich wieder Gäste begrüßen darf. Foto: White Kitchen

Dieser Drang scheint so groß zu sein, dass Kessler eine Auflage vor Herausforderungen stellt: „Wir hatten ein bisschen Mühe, die Gäste, die ess- und trinkfreudig waren, um 22 Uhr aus dem Restaurant zu bitten. Sie waren in so guter Stimmung.“ Ansonsten seien die neuen Hygiene-Regeln kein Problem: „Das macht man zwei bis drei Mal, dann geht das in Mark und Bein über. Besorgt ist keiner unserer Gäste. Mit den Maßnahmen, die wir durchführen, vermitteln wir ein sicheres Gefühl.“

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Etwas anders wirken sich die Regeln auf das Restaurant „Schüsseldienst“ von Christian und Felix Mielke in Schöneberg aus: „Wir freuen uns, dass wir unseren Gästen zumindest im Außenbereich wieder Plätze anbieten können“, sagt Koch Felix. „Weil wir einen sehr kleinen Innenraum haben und dort die Vorlagen für den Mindestabstand nicht gut einhalten können, konzentrieren wir uns auf den Außenbereich und das Take-away-Geschäft.“ Auch wenn die Gäste sich freuten, dass der „Schüsseldienst“ wieder da ist, hat sich unternehmerisch etwas verändert: „Unsere Stoßzeiten lagen schon vor der Krise im Mittagsgeschäft. Seitdem wir wieder öffnen dürfen, bieten wir unser Essen auch wieder abends an. Die Auslastung ist dort jedoch noch nicht hoch“, sagt Mielke.

Felix Mielke kocht ab sofort wieder im "Schüsseldienst" in Schöneberg auf. Foto: Selina Schrader

Jonathan Kartenberg, der die Restaurants „Irma la Douce“ und „eins44“ führt, hat sich in letzterem in Neukölln zur Wiedereröffnung für ein neues Konzept entschieden: „Wir sind jetzt sieben Tage die Woche für unsere Gäste da und arbeiten mit einer wöchentlich wechselnden Menükarte. In erster Linie sind uns nun unsere Berliner Gäste wichtig, die nach der langen Zeit zu Hause einfach eine schöne Zeit bei uns erleben sollen. Wirtschaftlich bringt es mir am Ende des Tages gerade allerdings wenig. Ich habe meine Restaurants nicht nur wegen unserer Gäste, sondern auch meinen Mitarbeitern zuliebe geöffnet. Ganz wichtig ist mir, dass wir uns an die Vorschriften der Bundesregierung halten und alle Gastronomen an einem Strang ziehen. Wir wollen auf jeden Fall einen zweiten Shutdown vermeiden!“

Den Überlebenskampf müssen vor allem Bars und Kneipen vorerst weiter führen. Stadtweit fanden am Montag vor über 20 von ihnen Demos für einheitliche Bestimmungen bei der Öffnung in der Gastronomie statt. Vor der Bierstube „Zum Freiaplatz“ in Lichtenberg sagt Chefin Viola Kaulizh:„Wir brauchen einen Lichtblick, irgendetwas muss passieren. Herr Müller und der Senat machen nichts und lassen uns einfach zappeln. Deswegen gehen wir auf die Straße.“