Mücken sind doof. Aber: Warum eigentlich? Das schildert KURIER-Autor Florian Thalmann in seiner Wut-Rede auf Mücken. imago/Panthermedia

Ich schreibe sehr gern über Tiere jeglicher Art – und als aufmerksame Leser meiner Kolumne wissen Sie, dass es nur wenige Tiere gibt, die ich überhaupt nicht leiden kann. Spinnen gehören dazu und Schlangen, wobei ich selbst diese, wenn uns eine Glasscheibe trennt, auf eigenartige Weise faszinierend finde. Doch es gibt eine Sorte Tiere, für die ich nur Verachtung übrighabe: Mücken! Ich bin relativ sicher, dass Sie jetzt andächtig nicken. Wer nicht? Gibt es jemanden, der Mücken mag?

Lesen Sie dazu jetzt auch: Rammstein, Pet Shop Boys und Cro: Wir müssen reden! So viele Konzertbesucher haben eine echte Macke – aber warum? >>

Mücken bringen mich wirklich zur Verzweiflung. Und das aus mehreren Gründen. Gerade jetzt, wenn der Sommer – sozusagen – mit Fäusten um sich schlägt, gehen mir die Tierchen gehörig auf die Nerven. Als Mensch, der gern draußen unterwegs ist, ist die aktuelle Zeit die schlimmste. Ich bin sehr oft in Wald und Heide, gehe dem Geocaching nach, einer Art Schnitzeljagd im Freien, bei der man auch gern mal im Unterholz nach Schätzen sucht. Und egal, wo ich bin: Wenn ich nach Hause komme, bin ich voller Quaddeln.

Lesen Sie auch: Vorsicht, Hitzewelle: Auch Hunde können einen Sonnenbrand bekommen – was unseren Haustieren hilft>>

Einmal im Wald und schon voller Quaddeln: Danke, ihr Mücken!

Erst letzte Woche wieder: Ich fuhr mit dem 9-Euro-Ticket nach Fürstenwalde an der Spree – und dann mit dem Fahrrad zurück bis Hangelsberg. Ein paar Kilometer durch bewaldetes Gebiet, am Wasser entlang, hier und da mal absteigen, um einen versteckten Schatz zu finden, einmal kurz auf einer Bank sitzen und eine Bifi naschen – davon habe ich seit einer Woche was. Juckende Pusteln überall. Ja, natürlich, es gibt Schlimmeres. Trotzdem geht es mir gehörig auf die Ketten.

Das macht Freude! Wer einem solchen Mückenschwarm begegnet, hat danach für mehrere Tage Freude. imago images/Arnulf Hettrich

Oder vor ein paar Wochen: Ich war in einem kleinen Waldstück in Friedrichsfelde unterwegs, finde einen meiner Geocaches, trage meinen Namen ein – und spüre plötzlich ein Stechen, mitten auf der Stirn. Eine fette Mücke war es. Und sie machte mir ein herzallerliebstes Geschenk: Ein dicker, roter Punkt prangte mitten auf der Stirn. Den wunderschönen Frauen in Indien steht das, mir leider absolut nicht.

Jetzt auch lesen: Spannende Studie: So viel kosten Haustiere wirklich! Sind Hunde oder Katzen teurer? Und: So können Sie beim Haustier viel Geld sparen >>

Oder neulich: Morgens um 8 Uhr war ich am Spreeufer nahe des Hauptbahnhofs, saß auf einer Bank, trank einen Kaffee, plötzlich zwei Stiche am Bein, ein Rinnsal Blut sogar! Die riesigen roten Flecken ließen mich sogar googeln, wann man mit einem außer Kontrolle geratenen Mückenstich zum Arzt gehen sollte. Inzwischen geht die Farbe aber zurück. Ihr Mücken, was soll das? Warum, zur Hölle, tut ihr uns das an?

Und: Nicht mal in der eigenen Wohnung ist man sicher. Die Biester kommen rein, entspannen sich eine Runde, verstecken sich irgendwo, clever, wie sie sind. Und dann, zur Schlafenszeit, geht’s los. Wir alle kennen das Geräusch, das eine Mücke macht, wenn sie langsam dem Ohr immer näher kommt. Und dann geht sie los, die wilde Jagd im Schlafzimmer. Weil man genau weiß: Kriegt man sie nicht, lässt man ihr über Nacht freie Hand, dann werden die kommenden Tage nicht angenehm.

Welche Funktion haben Mücken? Und: Sind Mücken wichtig?

Nun ist es ja so, dass es bei jeder Tierart eine Funktion gibt, die sie erfüllt. Nichts ist ohne Nutzen auf dieser, unserer Welt. Aber Mücken? Ja, auch die! Laut Nabu sind sie wichtig für das Ökosystem, weil sie eine wichtige Nahrungsquelle für andere Tiere sind. „Beispielsweise sind Spinnen, Fische, Amphibien, Libellen und Vögel auf das Vorkommen von Mücken angewiesen“, heißt es. Prima, ihr Mücken! Wie fühlt es sich an, nur als Futter für andere auf der Welt zu sein? Da kann man ihre Freude am Piesacken anderer beinahe verstehen.

Jetzt auch lesen: Schreiben Sie mal eine Karte! Warum es so schön ist, endlich wieder Post im Briefkasten zu haben >>

Vor allem die Asiatische Tigermücke breitet sich immer weiter aus. obs/Hermes Arzneimittel GmbH

Aber: Was tun? Ich habe viel probiert. Mückensprays für draußen, von unterschiedlichsten Herstellern. Die wirken zwar, doch immer nur kurz: Wer unterwegs ist, der schwitzt – und dann ist die Wirkung des Sprays schneller verflogen, als man „Mückenstich“ sagen kann. Und: Mücken-Armbänder. Die sind aus Plastik, gekringelt, knallbunt und riechen nach Zitrone. Der Grund ist Citronella, ein ätherisches Öl, das angeblich Mücken vertreiben soll. Funktioniert, aber auch nur so lala: Der Arm, an dem ich es habe, bleibt ohne Stiche, doch der Rest des Körpers nicht. In einer Packung sind 14 Stück, das reicht nicht, um alles einzuwickeln.

Lesen Sie dazu jetzt auch: Koala-Kacke und empfindsame Schweine: Hier lernen Sie Spannendes aus der Welt der Tiere! >>

Es hilft nur, lange Sachen zu tragen, was im Sommer auch keine wahre Freude ist. Zwar stechen Mücken durchaus auch durch die Kleidung hindurch, aber etwas reduzieren lässt sich die Anzahl der Stiche schon. Und was die Wohnung betrifft: Die einzige Methode, mit der ich bisher Erfolg hatte, sind Insektenschutzgitter an den Fenstern. Mein absoluter Geheimtipp ist allerdings jener für danach: Zumindest bei mir hilft zuverlässig eine Salbe namens Fenistil – sie nimmt den Juckreiz und die Rötung. Damit war zumindest mein roter Punkt auf der Stirn nach Stunden völlig weg.

Was hilft gegen Mücken? Verraten Sie es mir!

Wie kämpfen Sie gegen die Blutsauger? Haben Sie Geheimtipps, wie man mit den Biestern richtig umgeht? Schreiben Sie mir an wirvonhier@berlinerverlag.com. Ich werde jedenfalls ein Stoßgebet zum Mücken-Gott schicken – und hoffen, dass er mich den restlichen Sommer in der Natur unbeschadet überstehen lässt. Vor allem die neuartigen Tigermücken dürfen gern einen großen Bogen um mich machen.

Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com