Die freie Journalistin Eleonora Roldán Mendívil (31) sitzt in ihrer Wohnung fest – Quarantäne. Sie berichtet über ihre Situation. Bei uns ist jetzt auch Corona- Alarm! Mein Partner ist Lehrer an einer Sekundarschule. Am Montag hat sich eine Kollegin mit Corona-Verdacht krank gemeldet. Am Dienstag kam dann ihr Test-Ergebnis „positiv“.

Nach Krisenbesprechung im Kollegium rief er aufgrund von geringfügigen Symptomen in unserer Hauspraxis an und wurde angewiesen, zum Testen zu kommen. In zwei, drei Tagen sollte das Ergebnis vorliegen – das Labor an der Charité sei überlastet. Wir haben uns dann vorsichtshalber mit unserem Mitbewohner in Selbstquarantäne begeben. Bei meinem Partner und mir haben sich leichte Symptome gezeigt: stärkere Niedergeschlagenheit, Müdigkeit, bei ihm leichte Kopf- und Gliederschmerzen, bei mir leichter Husten.

Bis zum Testergebnis wollten wir jedoch sicher gehen und zuhause bleiben. In Familien- und Freundeschats haben wir uns lustige Videos zum Virus angeguckt. Wir waren uns sicher, dass der Test negativ zurück kommen würde.

Am Freitag dann der Anruf vom Labor. Der Test von meinem Freund ist positiv. Nach anfänglich ungläubigem Lachen haben wir drei uns daran gemacht, alle Menschen und Orte abzutelefonieren, die wir seit dem 3. März gesehen oder besucht haben – dem Tag, an dem mein Partner das erste Mal mit der infizierten Kollegin gesprochen hatte.

Keine Durchkommen bei den Corona-Hotlines

Nach vier Stunden hatten wir alle Menschen und Orte erreicht, die wir erreichen wollten. Seitdem haben wir einen Chat geöffnet mit knapp 50 Menschen – zu rund 40 hatten nach dem 3. März Kontakt.

Bei den offiziellen Corona-Hotlines und den Gesundheitsämtern kamen wir – auch nach Stunden Warteschleife – lange nicht durch. Wir waren beide ja noch arbeiten nach dem 3. März – unter anderem war ich als Politische Bildnerin noch in einer Kreuzberger Grundschule und in einer Sekundarschule im Prenzlauer Berg. Und am Samstag waren mein Partner und ich im Schöneberger Havanna Club.

Keiner von uns dreien wurden bis jetzt untersucht. Es heißt, da unsere Symptome sehr gering bis nicht existent sind, würde sich das medizinische Personal um die akuten Fälle zuerst kümmern. Unser Mitbewohner und ich sind noch nicht mal getestet worden. Es könnte sein, dass wir erst zum Ende der Quarantäne getestet werden, bevor wir dann am 26. März hoffentlich wieder raus dürfen. Alles Konsequenzen eines zusammengesparten Berliner Gesundheitssystems.

Auch was genau Quarantäne heißt ist uns unklar: Mit dem Hinweis, dass dies seine ganz persönliche Empfehlung sei, sagte unser Hausarzt, wir könnten ruhig spazieren gehen, sollen nur genügend Abstand halten. Unser Netzwerk ist sehr solidarisch. Wir haben bereits drei Mal Einkäufe vor die Tür gestellt bekommen. Wir kommunizieren nur durch verschlossene Tür und lachen über die Situation.

Jetzt heißt es: Abwarten und Ruhe bewahren. Wir versuchen Routinen auszutüfteln, um nicht komplett vor Youtube oder Netflix hängen zu bleiben. Ich habe zum Beispiel bereits zwei Graphic Novels gelesen