Die Angeklagte soll mehr als eine halbe Million Euro verzockt haben, so die Staatsanwaltschaft. 
Die Angeklagte soll mehr als eine halbe Million Euro verzockt haben, so die Staatsanwaltschaft.  Pressefoto Wagner

Sie galt als verlässlich, man vertraute ihr, gewährte Zugriff auf die Firmenkonten – ein fataler Fehler. Als Buchhalterin zweigte Nicole Z. (40) jahrelang Geld ab.

Von 573.500 Euro bei 991 Taten ging die Anklage aus. Verhandelt wurde dann über 665 Fälle, bei denen sie knapp 375.000 Euro in die eigene Tasche gesteckt und verjubelt hatte. Die anderen Fälle wurden eingestellt.

Graues Jäckchen, weiße Bluse, dezent geschminkt – korrekt und freundlich wirkte das Auftreten der Ex-Buchhalterin nun im Prozess wegen Untreue. Doch sie hatte ein Geheimnis, für das sie immer mehr Geld einsetzte: „Stress in der Firma versuchte ich mit Computerspielen zu kompensieren.“ Wie dem Spiel „Game of Thrones“.

Eine fanatische Zockerin – „zuletzt drei bis vier Stunden am Tag und die Wochenenden komplett“. Statt mit Kollegen über die Probleme in der Firma zu sprechen, habe sie sich in eine virtuelle Welt gebeamt. Sie investierte in fantastische Abenteuerspiele, entwickelte ihre eigenen Helden – und eine Spielsucht, so der Verteidiger.

Buchhalterin hatte uneingeschränkten Zugriff auf die Bankkonten

Sie war in einem deutschen Ableger einer internationalen Gruppe tätig, hatte es zur Senior Finance Managerin gebracht, war hauptverantwortliche Buchhalterin. Die Anklage: „Als solche hatte sie uneingeschränkten Zugriff auf die Bankkonten.“

Der Firma ging es 2016 nach dem Verlust des größten Kunden wirtschaftlich nicht gut. Die Angeklagte: „Das löste Stress und Überforderung bei mir aus.“ Die Kontrolle von Zahlungen sei eigentlich über die Geschäftsführung gelaufen. Doch es habe für sie nicht wirklich Kontrollen gegeben.

Sie zockte ab per Online-Banking. Die Anklage: „Zur Verschleierung nutzte sie als Verwendungszweck Angaben von Sozialversicherungs- oder Krankenkassenzahlungen.“ Außerdem nutzte sie eine Firmenkreditkarte, um ihr Privatkonto zu füttern.

Bis zu 17.320 Euro auf einen Schlag überwies sich die damalige Zockerin. Die Angeklagte: „Es gab Monate, da sind bis zu 30.000 Euro ins Spielen gegangen.“ Sie habe schließlich „komplett den Überblick verloren“. Sie sei in eine dramatische psychische Krise geraten, habe sich selbst in eine Klinik einweisen lassen.

„Ich begriff, dass mich das alles zerstört“, so die Buchhalterin

Die Ex-Buchhalterin: „Ich begriff, dass mich das alles zerstört.“ Mit der Selbstreflexion kam große Reue. Sie offenbarte ihre Taten gegenüber einer Geschäftsführerin der Firma, will den Schaden nach Kräften verringern und monatliche Raten zahlen.

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Wo die halbe Million Euro Firmengeld geblieben ist? Die Angeklagte: „Fast alles ins Spiel geflossen.“ Sie habe sich keine außergewöhnlichen Dinge geleistet – „bin maximal einmal im Jahr verreist“. Wie es ihr heute gehe? „Nach der Therapie weiß ich: Spielen liegt in meiner Entscheidung.“ Sie sei nun standhaft, arbeite seit zwei Jahren in einem anderen Unternehmen.

Der Staatsanwalt: „Die Rahmenbedingungen in der Firma haben ihr die Taten leicht gemacht.“ Er plädierte auf Bewährung – „ich habe ein gutes Gefühl, dass es sich nicht wiederholen wird“. Das Urteil: Wegen Untreue ein Jahr und neun Monate Haft auf Bewährung, außerdem Einziehung von Wertersatz in Höhe von 374.693 Euro.