Am Wochenende feiert das Theaterstück Harry Potter und das verwunschene Kind in Hamburg Premiere - und Sebastian Witt spielt Ron Weasley. zVg/Jochen Quast, zVg/Manuel Harlan

Es ist die aufwändigste Theaterproduktion, die seit langem auf einer deutschen Bühne zu sehen sein wird – und die schon jetzt, Tage vor dem Start, alle Rekorde bricht: Am kommenden Wochenende feiert in Hamburg die Show „Harry Potter und das verwunschene Kind“ Premiere. Ein Ausflug in die Welt der Zauberer, der neue Maßstäbe setzt. Mittendrin im Magier-Spektakel ist ein Berliner: Sebastian Witt (32) schlüpft in die Rolle des Ron Weasley. KURIER sprach mit ihm.

Die Freude ist groß: Endlich wird es in Hamburg magisch – und das mit einer Verzögerung von mehr als anderthalb Jahren. Denn: Für „Harry Potter und das verwunschene Kind“ wurde extra ein ganzes Theater umgebaut. Und schon vor der geplanten Premiere im März 2020 waren knapp 300.000 Tickets verkauft. Doch dann kam Corona – und das Theater schloss.

Die Corona-Absage war für die Darsteller ein „Schlag in die Magengrube“

„Es hat sich angekündigt, denn wir hatten bereits Voraufführungen mit halber Zuschauerzahl gespielt“, sagt Sebastian Witt, der zum Ensemble des Stückes gehört. „Aber die Absage war dann doch ein Schlag in die Magengrube. Eine Premiere ist ja die Belohnung für eine monatelange Arbeit.“ Doch nun, anderthalb Jahre später, kann Witt endlich abtauchen in die Welt der Magie.

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Der 32-Jährige Berliner steht als erwachsener Ron Weasley auf der Bühne, in der Schulzeit Harry Potters bester Freund. „Das Stück ist das größte Projekt, bei dem ich bisher mitgemacht habe“, sagt der Schauspieler dem KURIER. „In den vergangenen 20 Jahren ist die Harry-Potter-Welt zu einem großen Stück Popkultur geworden. Ein Teil davon zu sein ist sehr aufregend!“

Sebastian Witt schlüpft im Stück Harry Potter und das verwunschene Kind in die Rolle des erwachsenen Ron Weasley. Foto:zVg/Jochen Quast

Witt wurde 1989 in Berlin geboren. Nach der Schule studierte er an der Ernst-Busch-Schule. Eigentlich habe er damals Regisseur werden wollen, sagt er. „Aber ich hielt Schauspiel für cleverer, weil in jeder Produktion ja nur ein Regisseur gebraucht wird, aber mehrere Schauspieler“, sagt er und lacht. Nach der Ausbildung stand er in zahlreichen Inszenierungen auf der Bühne, unter anderem am Berliner Ensemble und im HAU – TV-Zuschauer kennen Witt aus „SOKO Wismar“.

Die Geschichte beginnt 19 Jahre nach dem letzten Potter-Buch

Als die Nachricht kam, dass das Zauber-Stück einen deutschen Standort bekommt, bewarb er sich für den Cast. „Das erste Harry-Potter-Buch habe ich als Jugendlicher verschlungen, die Filme sah ich später dutzende Male“, sagt er. Nach dem Vorsprechen bekam er die Rolle des Ron Weasley. „Ein sehr lustiger Charakter, der zu mir passt. Er ist ein Familienmensch, ist jemand, der gern Scherze macht, um die Stimmung aufzulockern. Das sind Punkte, die ich an der Figur sehr interessant finde.“

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Die Geschichte des Stückes setzt neunzehn Jahre nach dem letzten Potter-Buch an, damals retteten Harry und seine Freunde Ron und Hermine die Welt der Zauberer vor dem Bösen. Doch nun, da ihre Kinder Schüler des Zauber-Internats Hogwarts werden, ist die Schlacht nicht gewonnen – denn die dunklen Mächte drohen erneut, die Welt der Magie zu beherrschen...

Am Anfang von „Harry Potter und das verwunschene Kind“ brechen die Hauptfiguren nach Hogwarts auf. Foto: zVg/Manuel Harlan

Während der Proben galt es, in die Welt der Magie abzutauchen. Zauberstab-Kämpfe, Besenflüge: Das Stück bietet allerlei Szenen, bei denen die Kinnladen der Zuschauer nach unten klappen. Und die nicht verraten werden dürfen: Im Londoner West End bekommt jeder Besucher nach der Vorstellung einen Ansteckbutton mit der Aufschrift „Keep the secrets“ – „Behalte die Geheimnisse für dich“. Nur so viel: „Ich musste natürlich zaubern lernen“, sagt Witt. „Die Proben waren in Teilen sehr technisch, denn es gibt Illusionen, die minutiös geplant sind. Es ist toll, die staunenden Zuschauer zu sehen, wenn man weiß, wie die Dinge funktionieren.“

Sebastian Witt zog für die Rolle im Stück von Berlin nach Hamburg

Aber: Für Witt, der seinen Lebensmittelpunkt für die Show vorläufig nach Hamburg verlagerte, ist der Job auch anstrengend. Denn das Stück besteht aus zwei Teilen. Während an manchen Tagen nur der erste gezeigt wird, kommen an Wochenenden beide hintereinander auf die Bühne, eine Gesamtdauer von knapp sechs Stunden. „Da merkt man dann schon, was man geleistet hat. Aber es macht auch viel Spaß, eine Geschichte in so einem kompletten Bogen zu spielen.“

Die erwachsenen Versionen von Hermine Granger, Harry Potter und Ron Weasley im Stück Harry Potter und das verwunschene Kind. Foto: Manuel Harlan

Dass all das nach der Corona-Pause noch saß, ist dabei beinahe magisch. Aber: „Es fühlte sich an wie ein Lied, das man lange nicht gehört hat – und das man trotzdem noch mitsingen kann“, sagt Witt. „Als wir wieder mit den Proben begonnen haben, kamen die Erinnerungen Stück für Stück zurück.“ Man kann nur hoffen, dass nicht auf die Bremse getreten werden muss. Schließlich steigen die Zahlen. „Aber daran will ich im Moment nicht denken. Ich freue mich einfach auf die Premiere und versuche, mich darauf zu konzentrieren“, sagt Witt.

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Ab dem 5. Dezember dürfen die Besucher – nach einigen Voraufführungen – offiziell die Welt der Zauberer bereisen. Vorerst gilt im Zuschauerraum die 2G-plus-Regel. Bleibt nur eine Frage offen: Was würde der Berliner Bühnen-Magier machen, wenn er wirklich zaubern könnte? „Es ist vielleicht nicht so spektakulär, aber ich würde gern den Accio-Zauberspruch beherrschen“, sagt er. „Damit kann man Gegenstände zu sich fliegen lassen und muss nie wieder nach etwas suchen. Das ist schon praktisch!“