Sommer in Berlin! Und die Temperaturen steigen weiter. imago/Jochen Eckel

Es ist völlig anders gekommen, als es die Langfristprognosen vorhergesagt hatten. Statt einem „normalen“, gefühlt zu kühlen Monat, erleben wir einmal mehr einen viel zu heißen Juni. So viel steht fest: Nach den ersten neun Tagen ist der Monat bereits 3,7 Grad wärmer als das Klimamittel – „eine deutlich Abweichung nach oben“, kommentiert Wetterexperte Dominik Jung (wetter.net). Besorgniserregend ist dies aber vor allem im Zusammenhang mit einem anderen Problem: Schon wieder kündigt sich ein Dürremonat an. Denn das Niederschlagssoll ist bislang erst zu 24 Prozent erfüllt. „Im Mittel fielen in Deutschland 21 Liter Regen pro Quadratmeter“, so Jung. Aber hatte es nicht auch örtlich sogar Gewitter mit Starkregen gegeben? „Die ganzen Sturzfluten waren eben sehr lokal“, ordnet der Wetterexperte dies ein. Auf die gesamte Fläche Deutschlands berechnet, fallen diese Ereignisse kaum ins Gewicht.

Außerdem: Es hat sich nun ausgewittert. Vielerorts fiel ohnehin nicht ein Tropfen, und nun hat Hoch Xenia die Unwetterlage verdrängt, bringt stattdessen viel Sonne und Wärme. Und kommende Woche werden wir auch noch einen satten Schwall heiße Saharaluft abbekommen! „Der Juni läuft sich weiterhin heiß“, konstatiert der Wetterexperte. Inzwischen haben übrigens auch die Langfristmodelle ihre Berechnungen deutlich nach oben korrigiert, erwarten nicht nur einen zu heißen Juni, sondern einen zwei Grad zu heißen Juli. Steuern wir auf neue Hitzerekorde zu?

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Bis zu 40 Grad heiße Sahara-Luft drängt nach Berlin, aber schafft sie es zu uns?

Dabei sind die Höchstwerte von 25 Grad und mehr für einen Juni gar nicht so außergewöhnlich. Bemerkenswerter findet Wetterexperte Jung die Nachtwerte, die auch jetzt schon recht hoch sind. Unangenehm wurde es vor allem dort, wo schwüle Luftmassen auf den Kreislauf drückten. Und auch für die Natur war der wenige Regen keine Erleichterung: „Sturzfluten haben mehr Schaden angerichtet als Nutzen gebracht“, erklärt Dominik Jung. Aber nun bleibt es auch erst einmal überwiegend trocken. Gewitter bleiben die Ausnahme.

Doch dann wird es spannend: Nächste Woche soll heiße Luft Mitteleuropa erreichen. Die Ausgangslage ist spektakulär: Im Süden Spaniens kratzen die Höchstwerte bereits an der 40-Grad-Marke! „Diese Hitze strömt dann weiter nach Mitteleuropa. Sie kommt direkt aus der Sahara.“ Nur, wie warm oder gar heiß es nächste Woche genau werden wird, darüber sind sich die Modelle noch unsicher. So viel ist gewiss: „Ein Hoch ist da und bringt Sonne. Es kommt nur auf die genaue Lage des Hochs an.“ Die spannende Frage: „Bringt es uns eher kühlere Luftmassen aus Norden oder doch die heißen Luftmassen aus Südeuropa? Das ist ein echter Wetter-Krimi“, so Diplom-Meteorologe Jung.