Die Gäste von Hertha und den Harlekins Berlin 98 vor dem Einlass ins Olympiastadion. Volkmar Otto

Für Luis war es ein besonderer Moment. Monatelang musste der 17-jährige Junge während seiner Krebstherapie in der Klinik funktionieren. Am Freitagabend durfte er zum ersten Mal nach langer Zeit wieder ein Fußballstadion von innen sehen und das Spiel Hertha gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth hautnah miterleben.

Ermöglicht hatten ihm diesen Besuch der Verein Kolibri, Hertha BSC und die Ultragruppe Harlekins Berlin 98. Außer Luis waren auch noch andere Kinder, die im Helios-Klinikum Berlin-Buch onkologisch behandelt werden, eingeladen mitzukommen. Der Anlass war eine riesige Geldspende in Höhe von 61.000 Euro, die Kolibri in der ersten Halbzeit symbolisch überreicht wurde und die den schwer kranken Kindern zugutekommen soll.

„Ich freue mich sehr, dass ich endlich wieder raus kann und nicht mehr permanent drinnen sein muss“, sagt Luis. Das lange Anstehen am Eingang des Olympiastadions fällt dem Jungen noch schwer. Auch als es ein Missverständnis wegen seines Corona-Tests gab, ohne den er nicht hinter die Absperrung gekommen wäre, gerät er unter Stress.

Luis, über dessen tragisches Schicksal der KURIER bereits berichtete, hat schon viel durchgemacht. Er musste wegen eines Tumors im Oberschenkelknochen mehrere Chemotherapien über sich ergehen lassen und erhielt ein künstliches Kniegelenk.

Traurig: Etliche Kinder konnten sich das Spiel nicht anschauen

Das Glück, wie Luis sich das Spiel anschauen zu können, hatten etliche Kinder der Kinderonkologie leider nicht. Sie durften nicht mitkommen, weil ihre Blutwerte so schlecht waren und ein Besuch im Stadion zu risikoreich für sie gewesen wäre. Zu ihnen zählt auch Matti. „Er sollte heute Abend ein Trikot überreicht bekommen. Von seinem Lieblingsspieler Kevin-Prince Boateng. Mit der Nummer 27. Schade, dass Matti nicht dabei sein kann“, bedauert Andreas Landgraf von Kolibri. Der Verein unterstützt krebskranke Kinder und auch ihre Eltern.

Bevor die Kinder ihre Ränge suchen, stehen sie noch an einer Imbissbude an. Currywurst mit Pommes darf bei einem Hertha-Spiel natürlich auch nicht fehlen. Nach eineinhalb Stunden können sie das Stadion endlich betreten. Unter den Gästen ist auch Dr. Patrick Hundsdörfer, Chefarzt der Kinderonkologie in Buch. „Für die Kinder ist es eine Belohnung und Anerkennung für die schweren Zeiten, die sie durchgestanden haben. Sie bekommen somit ein Stück von ihrem normalen Leben zurück“, sagt er dem KURIER.

Volkmar Otto
Chefarzt der Kinderonkologie im Helios-Klinikum in Berlin-Buch, Dr. Patrick Hundsdörfer, war am Freitagabend auch im Stadion dabei.

Ein paar Plätze von seinem behandelnden Arzt entfernt sitzt Luis. Er wirkt jetzt wesentlich entspannter als am Eingang. Sport ist immer ein Teil seines Lebens gewesen. Den will er auch nach Beendigung seiner Therapie wieder aktiv betreiben. „Ich habe Handball im Verein gespielt und werde versuchen, langsam wieder einzusteigen. Meine Mannschaft steht zum Glück voll hinter mir“, erzählt er. Nach dem Hertha-Spiel will er sich an diesem Wochenende auch noch ein Handballspiel live ansehen.

In der Halbzeit des Spiels gegen Fürth, das für die Herthaner zunächst etwas schleppend verläuft, gibt es dann das außergewöhnliche Geschenk. Auf dem Spielfeld bekommt Kolibri-Mitarbeiter Andreas Landgraf von Paul Keuter, Mitglied der Geschäftsleitung, und von einem der Initiatoren der Harlekins Berlin 98, einen symbolischen Scheck in Höhe von 61.000 Euro überreicht.

„Es ist die größte Spende, die wir in unserer Vereinsarbeit jemals erhalten haben“, sagt Landgraf erfreut. Das Geld soll den krebskranken kleinen Patienten zugutekommen. „Wir wollen von den Mitteln Weihnachtsgeschenke für die Kinder finanzieren und für den Physiotherapiebereich im Helios-Klinikum neue Sportgeräte anschaffen, an denen die Kinder ihren Muskelaufbau wieder stärken können“, so Landgraf weiter.

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Der 17-jährige Luis sitzt gemeinsam mit seinem Vater auf der Tribüne.

61.000 Euro-Spende ist aus einer digitalen Crowdfunding-Aktion entstanden

Die großzügige Finanzspritze ist aus einer digitalen Crowdfunding-Aktion von Hertha und der Ultragruppe in der Pandemie heraus entstanden. Ursprünglich hatten die Harlekins Berlin 98 die Spendenkampagne „Spendet Becher – Rettet Leben“ gegründet, um damals ihren an Krebs erkrankten Freund und Hertha-Fan Benny zu helfen, der leider verstarb. Doch sie erhielten die Kampagne bei und unterstützen damit weiterhin soziale Projekte der Stadt.

Weil die Stadien in der Corona-Krise lange Zeit geschlossen waren, entstand das digitale Spenden-Projekt von Hertha, in das auch die Erlöse von 2552 verkauften symbolischen Dauersammlerkarten von 18,92 Euro pro Stück einflossen. „Die 61.000 Euro sind eine Rekordsumme. So viel ist bei einer Spendenaktion noch nie zustande gekommen“, sagt Hertha-Sprecherin Theresa Hentschel-Boese dem KURIER.

Als am Ende des Spiels auch noch Hertha mit 2:1 gegen Fürth siegte, waren alle glücklich. „Es war ein ereignisreicher Abend, den ich so schnell nicht vergessen werde und für den ich mich herzlich bedanken möchte“, sagt Luis zu Kolibri-Mitarbeiter Andreas Landgraf. Der tapfere Junge konnte bei diesem Stadion-Besuch neue Kräfte sammeln und möchte anderen schwer kranken Kindern noch eine wichtige Botschaft ans Herz legen: „Bitte gebt eure Träume nicht auf. Egal in welcher schlimmen Situation ihr steckt. Kämpft immer weiter.“

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Paul Keuter, Mitglied der Geschäftsleitung von Hertha, und einen der Initiatoren von Harlekins Berlin 98, überreichen Kolibri-Mitarbeiter Andreas Landgraf den symbolischen Scheck.