Aufbruchstimmung. Walter Momper, Regierender Bürgermeister von West-Berlin, hält am 12. November 1989 auf dem Potsdamer Platz eine Rede. Anlass ist die Öffnung eines neuen Grenzübergangs. Der Mann links neben ihm Erhard Krack, Oberbürgermeister von Ost-Berlin. Foto: dpa picture alliance/ddrbildarchiv/Gerhard Murza

Zeitgleich standen sie an der Spitze des geteilten Berlins, vom 11. bis zum 24. Januar 1991: Walter Momper war Regierender Bürgermeister von West-Berlin, Thomas Krüger kommissarischer Oberbürgermeister von Ost-Berlin. Kennengelernt hatten sie sich 1988. Als SPD-Spitzenkandidat traf Momper den damaligen Bürgerrechtler Krüger privat. Damals glaubten beide nicht daran, dass ein Jahr später die Mauer fallen könnte. In unserem Interview erzählen sie, wie sie die „Wendezeit“ erlebten und ob es etwas zu bedauern gibt.

Herr Momper, haben Sie eigentlich noch Ihren legendären roten Schal und tragen Sie ihn?

Walter Momper: Ich habe ihn noch, trage ihn nicht mehr, weil er so abgeschabt ist. Aber er ist schön – mit einer grünen Stickerei: „Der Senat tanzt“. Ich habe ihn vom Wirt der Gaststätte Joe am Wedding aus Anlass des Wahlsieges von Rot-Grün im Januar 1989 geschenkt bekommen. Den habe ich immer noch und halte ihn in Ehren. Ein Museum wollte ihn auch schon haben, aber den bekommen sie nicht, solange ich noch lebe. Aber neben dem Original gibt es noch 30 weitere rote Schals.

Herr Krüger, müssen Sie sich eigentlich immer noch nackt ausziehen, wie 1994 auf einem Plakat im SPD-Bundestagswahlkampf, um zu zeigen, dass Sie eine ehrliche Haut sind?

Thomas Krüger: Nein, aber jeder zweite Taxifahrer kann sich daran noch erinnern. Das wird mich wohl mein Lebtag verfolgen.

Momper: Alle können sich an deine Nacktheit erinnern, nicht nur die Taxifahrer.

Krüger: Ja, ich habe mit dem Plakat damals in meinem Wahlkreis eine erstaunliche Publizität erzielt. Das war für mich ein Zeichen, dass es ein guter Wahlkampf war.

Nackte Tatsachen. Thomas Krüger stellt sich 1994 unbekleidet zur Bundestagswahl. 1000 Wahlplakate hängen in den Ost-Berliner Bezirken Friedrichshain und Lichtenberg. Krüger ist zu dieser Zeit Senator für Familie und Jugend in Berlin. Foto: dpa picture alliance/ZB/Hubert Link

Wie kam es damals dazu, dass Sie blankgezogen haben?

Krüger: Das war ein Zufall. Punks aus Kreuzberg haben die Fotos geschossen. Wir haben viel improvisiert. Und irgendwann hieß es: Ausziehen! Und da habe ich gesagt: Okay, solange das nicht das Wahlkampfposter wird, gönnen wir uns den Spaß! Das ist es dann aber geworden. Bereut habe ich es nie. Für einen Ossi, der FKK gewöhnt ist, war das kein Problem.

Herr Krüger, Sie sind in der DDR aufgewachsen, waren Bürgerrechtler und am 7. Oktober 1989 Mitbegründer der SDP, der Sozialdemokratischen Partei in der DDR. Herr Momper, Sie waren zu der Zeit Regierender Bürgermeister West-Berlins. Wann sind Sie zwei sich das erste Mal über den Weg gelaufen?

Krüger: Schon vorher. Das war im Herbst 1988. Walter war Spitzenkandidat für die Berliner SPD und wir hatten ihn nach Ost-Berlin eingeladen. Es war ein Abend mit Künstlern und Bürgerrechtlern in einer Wohnung.

Momper: Ein Abend, den ich nie vergessen werde. Schriftstellerin Monika Maron nahm mich in die Mangel. Sie behandelte mich wie einen Sohn eines großen SED-Bonzen. Sie fragte mich immer, was ich zu dem und jenem dachte.

Krüger: Ja, für uns Ostler war das damals schon ein Highlight, einen Spitzenkandidaten aus dem Westen bei uns zu haben und ihm auf den Zahn zu fühlen. Wir Bürgerrechtler kannten die politische Lage über die „Abendschau“ und haben natürlich mit Rot-Grün in West-Berlin sympathisiert, obwohl wir dem Bündnis eigentlich keine Chancen eingeräumt hatten. Es kam dann anders.

Magazincover: Berliner Verlag, Titelfoto: Horst von Harbou/Deutsche Kinemathek
Berliner Geschichte

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Haben Sie 1988/89 daran gedacht, dass die Mauer fallen könnte?

Momper: 1988 noch nicht, da war das weit weg. Es gab zwar immer Spekulationen, dass Erich Honecker durch Egon Krenz ersetzt werden könnte. Als ich Ende Juni 1989 allerdings im Fernsehen die Bilder von Gyula Horn und Alois Mock sah, dem ungarischen und dem österreichischen Außenminister, die an der Grenze symbolisch ein Loch in den Stacheldraht schnitten, da habe ich plötzlich alles für möglich gehalten. Vor allem, weil gleichzeitig erklärt wurde, man werde nicht mehr auf Flüchtende schießen. Mitte August verstärkte sich dieser Eindruck, als Otto Habsburg (damals für die CSU Mitglied des Europäischen Parlaments, Anm. d. Red.) das Paneuropäische Picknick auf der österreichisch-ungarischen Grenze organisierte. Da gingen Hunderte DDR-Flüchtlinge einfach so über die Grenze. Als ich das im Fernsehen sah, war ich völlig baff.

Krüger: Es gab schon ein paar Indikatoren, dass sich die Unzufriedenheit zu organisieren begann: 1988 gab es die Diskussion um das Magazin „Sputnik“. Das war eigentlich eine Mainstream-Zeitschrift, die aber ein bisschen Glasnost und Perestroika enthielt. In Betrieben haben sich Menschen beschwert, dass das Heft nicht mehr zu erwerben sei. Hinzu kam im Frühjahr 1989 die gefälschte Kommunalwahl, wir hatten damals nachgezählt, der opulente Sieg der SED stimmte einfach nicht. Wichtig waren auch der 4. Juni in Polen, wo es erstmals einen runden Tisch mit Beteiligung der Opposition gab, sowie das Tian'anmen-Massaker in Peking. Damals diskutierten wir Bürgerrechtler oft, was erwartet uns jetzt in der DDR: die polnische oder die chinesische Lösung? Ein weiterer Indikator war das Gipfeltreffen der Partei- und Regierungschefs in Bukarest im Juli. Dort setzte der damalige russische Präsident Gorbatschow durch, dass kein Land im Ostblock sich länger in die inneren Angelegenheiten der Bruderstaaten einmischen solle. Das war das Ende der Panzerdiplomatie von Moskau. Bei dieser Konferenz musste Erich Honecker vorzeitig abreisen, weil er eine Gallenkolik bekam. Er war dann bis Herbst außer Gefecht gesetzt, und daraus entstand ein Regierungsvakuum.

Außerdem nahmen die Flüchtlingszahlen aus der DDR weiter zu.

Davor hatte ich am meisten Angst, dass es zu einem Bürgerkrieg ausartet, das wäre ein Blutbad in Berlin geworden.

Walter Momper

Momper: Das ging im August 1989 richtig los. Bis zu 3000 Menschen flüchteten damals täglich über Ungarn und Polen aus der DDR. Es war nur noch eine Frage der Zeit, dass die Flüchtlinge in Deutschland über die Grenze gehen. Wir haben damals alle Vorkehrungen getroffen und die Polizei in West-Berlin ein Planspiel machen lassen, was passiert, wenn so und so viele DDR-Bürger das Brandenburger Tor stürmen. Es hätten 700 gereicht. Schießen von unserer Seite aus verbot sich von selbst. Doch wie würde die SED reagieren? Davor hatte ich damals am meisten Angst, dass es zu einem Bürgerkrieg ausartet, das wäre ein Blutbad in Berlin geworden.

Die DDR war damals alarmiert.

Momper: Natürlich. Manfred Stolpe (damals stellvertretender Vorsitzender des Bundes der Evangelischen Kirchen der DDR, Anm. d. Red.) hatte uns im August erzählt, die Staatssicherheit habe darüber nachgedacht, die Demonstration am Staatsfeiertag, dem 7. Oktober, bei dem 100.000 FDJler (Mitglieder des Jugendverbands Freie Deutsche Jugend, Anm. d. Red.) marschiert waren, auf den Nachmittag vorzuverlegen, um die Lage besser beherrschen zu können. Ein Fackelzug im Hellen war unsinnig, also hat man davon wieder Abstand genommen.

Ab September 1989 liefen die Montagsdemonstrationen in Leipzig, bei denen allwöchentlich mehr Menschen gegen das Regime auf die Straße gingen. War es für Sie damals klar, dass es friedlich bleibt?

Krüger: Zu dem Zeitpunkt war für mich klar, dass die Staatsmacht nicht mehr funktioniert. Die Truppen hatten sich längst verweigert, auf das eigene Volk zu schießen.

Foto: Volkmar Otto
Walter Momper (75)

... studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Volkswirtschaft. Dem Abgeordnetenhaus in West-Berlin gehörte er ab 1975 an. In seine Amtszeit als Regierender Bürgermeister 1989 bis 1991 fielen die friedliche Revolution in der DDR und die deutsche Wiedervereinigung. Im Jahr 2010 verabschiedete er sich aus der Politik. Mit seiner Firma entwickelt er seitdem Projekte für Bauträger.

Herr Momper, Sie haben sich vor dem Mauerfall, am 29. Oktober, mit Politbüro-Mitglied Günter Schabowski getroffen, dem Sekretär für Informationswesen, der am 9. November bei seiner legendären Pressekonferenz die Reiseregelung verlas, die zum Fall der Mauer führte. Wie kam das Treffen zustande?

Momper: Manfred Stolpe hatte mich mitgenommen; er wollte mit der neuen Führung reden. Aber statt Egon Krenz (Nachfolger Erich Honeckers als SED-Generalsekretär und Staatsratsvorsitzender der DDR, Anm. d. Red.) kam Schabowski, und der dachte wohl, dass ich auch dabei sein sollte. Schabowski erzählte aus dem Leben in der DDR, aus seiner Zeit als Erster Sekretär und davon, wie er immer Engpässe ausgleichen musste. Er hat manchmal einen vollen Tag damit verbracht, eine Schraube S16 in der DDR zu organisieren. Gelästert hat er auch – über Politbüro-Mitglied Harry Tisch, der immer betrunken gewesen sei und dummes Zeug geredet habe. Schabowski hat uns auch erzählt, dass dieser eine Satz im Kommentar im „Neuen Deutschland“, in dem zum ersten Mal überhaupt von DDR-Flüchtlingen die Rede war – „Weinen wir denen keine Träne nach“ –, von „Onkel Erich“ (Honecker, Anm. d. Red.) mit Bleistift handschriftlich in die Korrekturfahne reinredigiert worden war. Zum Schluss erzählte Schabowski eher beiläufig, dass es eine Reisefreiheit geben wird. Ich habe danach gleich einen Urlaubsstopp in unseren Behörden für alle leitenden Beamten ausgerufen. Das war ungewöhnlich.

Foto: Volkmar Otto
Thomas Krüger (61)

... studierte nach einer Ausbildung zum Facharbeiter für Plast- und Elastverarbeitung Evangelische Theologie. Von 1990 bis 1991 war er Stadtrat für Inneres in Ost-Berlin und 1991 kommissarischer Oberbürgermeister, danach Senator für Familie und Jugend und Bundestagsabgeordneter. Seit 1995 ist er Präsident des Deutschen Kinderhilfswerks und seit 2000 Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung.

Krüger: Man muss ein paar Jahre zurückgehen. Es gab einen gravierenden Einschnitt, als die Russen 1983 die Erdöl-Trasse dichtgemacht hatten. Vorher war es so, dass die DDR das abgezapfte sowjetische Öl auf Tanker verladen hat, um es in Rotterdam zu verkaufen, um Devisen zu kriegen. Daraufhin haben die Russen gesagt: Ihr habt sie nicht mehr alle! – und dann haben sie den Hahn abgedreht. Das war einer der ersten Sargnägel, weil auf der ganzen Halbfabrikationsebene, die auf Erdöl angewiesen war, Produktionslücken entstanden.

Herr Momper, Sie haben sich nach dem Gespräch auf einen möglichen Mauerfall vorbereitet, haben unter anderem organisiert, dass es für jeden DDR-Bürger Begrüßungsgeld gibt.

Momper: Ja, das habe ich. Das Begrüßungsgeld ging uns damals nach dem 9. November dann allerdings schnell aus, und die Amerikaner mussten von Frankfurt am Main aus sieben Tonnen Frischgeld einfliegen. Schwierig war auch, ob die BVG alle transportieren kann. Wir rechneten mit 500.000, es kamen dann weit mehr als eine Million am Tag. Aber auch das haben wir gemeistert.

Wie waren die Reaktionen aus Bonn? Haben die daran geglaubt?

Momper: Nein, die haben es bis zum Schluss nicht für möglich gehalten. Politisch fühlten wir uns der DDR sehr nahe, während in Westdeutschland die Distanz ja eher sehr groß war. Das zeigte sich auch später bei den jungen Politikern, die sich nicht vorstellen konnten, dass es eine Wiedervereinigung geben kann.

Der Mauerfall war für uns der größte Unfall. Ich stand erst einmal unter Schock und war enttäuscht.

Thomas Krüger

Und Sie, Herr Krüger, glaubten Sie an eine Wiedervereinigung?

Krüger: Die Bürgerrechtsbewegung war damals stark im Aufwind, und wir glaubten, dass wir aus der DDR ein demokratisches Land machen könnten. Der Mauerfall war für uns der größte Unfall. Ich stand erst einmal unter Schock und war enttäuscht. Zumal ich es anfangs gar nicht glauben wollte, als ich es hörte. Ich war damals Praktikant beim Kunstdienst der Evangelischen Kirche und wir haben am 9. November einen Videoworkshop veranstaltet. Wir haben unten im Französischen Dom gesessen und heiß diskutiert. Dann kam ein Mitarbeiter der Ständigen Vertretung, der sagte uns: Die Mauer ist auf! Wir haben lediglich entgegnet: Das kannste deinem Frisör erzählen, wir haben hier zu tun. Ich bin nach Hause nach Lichtenberg gefahren und habe geschlafen.

Wann sind Sie rübergefahren?

Krüger: Erst am nächsten Tag habe ich Freunde in Kreuzberg besucht. Außerdem wollte ich unbedingt in meinem Personalausweis einen Stempel vom Checkpoint Charlie haben. Am Wochenende spielten die Philharmoniker für alle, wir Ossis durften umsonst in das Konzert. Das war schon ein wahnsinniges Erlebnis.

Ihre Nacht an der Mauer ist legendär, Herr Momper.

Momper: Ich war erst bei einer Preisverleihung, „Goldenes Lenkrad“, im Springer-Haus. Es verdichtete sich, dass die Mauer geöffnet wird, das habe ich dort auch gesagt, bin aber ausgelacht worden. Als es dann so passierte, habe ich ein Interview gegeben und bin zur Mauer an der Invalidenstraße gefahren. Das waren Momente, die ich nie vergessen werde.

30 Jahre sind seitdem vergangen, die Euphorie von damals wandelte sich schnell in Frust um. Viele ostdeutsche Bürger fühlen sich nach wie vor wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Woran liegt das?

Krüger: Diese Transformationserfahrung hat viele geprägt und viele Verluste gefordert, auch weil die Potenziale, die es in der DDR gab, nicht hinreichend ausgeschöpft worden sind. Viele fühlen sich daher heute noch als Menschen zweiter Klasse und vor allem kulturell nicht wertgeschätzt. Das zeigt sich dadurch, dass 50 Prozent der Ostdeutschen sagen, die DDR war kein Unrechtsstaat. Sie sagen das nicht zuletzt, um ihre eigene Biografie nicht abzuwerten. „Unrechtsstaat“ wird hier nicht politisch, sondern kulturell definiert. Sie empfinden eine kulturelle Erhebung des Westens gegenüber dem Osten.

Sehen Sie das auch so, Herr Momper?

Momper: Ja, genau so.

Am Ende. Ein Arbeiter auf einem Hochhaus in Ost-Berlin beginnt mit dem Abbau des Staatswappens der DDR. Die Volkskammer hat am 31. Mai 1990 beschlossen, das Emblem von allen öffentlichen Gebäuden zu entfernen. Der Abriss der Berliner Mauer beginnt zwei Wochen später. Foto: imago images/imagebroker

Ging vielleicht alles zu schnell? Der Beitritt der DDR zu BRD erfolgte nach Artikel 23 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland. Die Alternative wäre gewesen: Ausarbeitung einer neuen Verfassung nach Artikel 146. War es damals die richtige Entscheidung oder eine vertane Chance?

Krüger: Historisch gesehen war der Weg nach Artikel 23 GG der schnellstmögliche. Das „internationale Fenster“ hätte sich schnell schließen können, wie der Putsch in Moskau gezeigt hat. Aber es war eine Entscheidung mit einer Hypothek. Die Menschen in der DDR haben nicht nur den beschwerlicheren Weg deutscher Nachkriegsgeschichte gehen müssen, sondern auch den größten Teil der Transformationslasten nach 1990 zu tragen gehabt. Mit den Folgen werden die nächsten Generationen noch zu tun haben.

Momper: Das Grundgesetz hatte sich bewährt und da wäre es einfach unsinnig gewesen, eine neue Verfassung zu verabschieden.

Zwei letzte Fragen: 100 Jahre Weltstadt Berlin – was schätzen Sie an der Stadt?

Momper: Ihre Offenheit, ihre Weltläufigkeit, ihre überwiegend liberalen Einwohner und in dieser schönen und vielfältigen Stadt so leben zu können, wie man möchte.

Krüger: Ihre Widerborstigkeit und Kantigkeit. Berlin ist nicht aufpoliert und glatt rasiert, eher eine Tabula rasa, ein unbeschriebenes Blatt Papier, das dazu einlädt, sich einzuschreiben und Spuren zu hinterlassen oder auch nicht. Berlin hat einen unverwechselbaren Sound, um es mit Peter Fox zu sagen: „Guten Morgen Berlin / Du kannst so hässlich sein / So dreckig und grau / Du kannst so schön schrecklich sein / Deine Nächte fressen mich auf / Es wird für mich wohl das Beste sein / Ich geh nach Hause und schlaf mich aus / Und während ich durch die Straßen laufe / Wird langsam Schwarz zu Blau“.

Was wünschen Sie der Stadt für die Zukunft?

Momper: Weiterhin offen und liberal, so großstädtisch und noch sozialer zu werden, als sie es schon ist.

Krüger: Unendliche Gelassenheit und ein Herz für alle hier Gestrandeten und Marginalisierten, ohne die die Stadt ein Nichts wäre. „Und niemals vergessen! Eisern Union!“ (1. FC Union Berlin, Anm. d. Red.)