Eine Wiesenweihe hat eine Eidechse in einer Wiese im Oderbruch nahe Mallnow im Landkreis Märkisch-Oderland erbeutet. Die stark gefährdeten Vögel sind nach einer 5000 Kilometer langen Reise in ihr altmärkisches Brutgebiet zurückgekehrt. 
Eine Wiesenweihe hat eine Eidechse in einer Wiese im Oderbruch nahe Mallnow im Landkreis Märkisch-Oderland erbeutet. Die stark gefährdeten Vögel sind nach einer 5000 Kilometer langen Reise in ihr altmärkisches Brutgebiet zurückgekehrt.  Patrick Pleul/dpa

Im letzten Jahr wurden Matthias und Doreen mit Sendern ausgestattet und dann ihrem Schicksal überlassen. Würden es die Wiesenweihen schaffen, nach ihrer Winter-Auszeit in Afrika wieder nach Deutschland  zurückzukehren? Wiesenweihen sind stark gefährdet, jedes Paar zählt. In Brandenburg lebten sie in den 70er-Jahren auf den ehemaligen Niedermooren und Luchgebieten in den Kreisen Havelland, Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming. Seit Ende der 1990er-Jahre nutzen sie Ackerflächen, wo ihre Nester aufwendig von Ehrenamtlichen geschützt werden. 

Etwas weiter südlich, in Sachsen-Anhalt, hat der BUND eine Website eingerichtet, auf der die Position eines Trackers an beringten Vögeln angezeigt wird. So lässt sich genau verfolgen, wohin die stark gefährdeten Vögel jedes Jahr zum Überwintern ziehen. 

Keine Daten von Hilde und Hendrik 

Die beiden Wiesenweihen Matthias und Doreen sind gerade wieder in Deutschland eingetroffen, wie der Bund für Umwelt und Naturschutz in Sachsen-Anhalt am Freitag mitteilt.

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Vom dritten im Bunde – Hendrik – gebe es dagegen schon seit Ende März keine neuen Daten. Wiesenweihe Hilde ist sogar seit dem letzten September vom Radar verschwunden. Das deute darauf hin, dass sie die Reise nicht überstanden haben.

Als gefährlichster Teil der Route gilt die Sahara-Überquerung. Dort lassen viele Vögel ihr Leben, wenn das Wetter nicht mitspielt. Üblicherweise rasten Wiesenweihen nach der mühsamen Wüstenquerung bis zu drei Wochen in Nordafrika, bevor sie sich auf den restlichen Zugweg über das Mittelmeer, durch Spanien und Frankreich bis in die Brutgebiete begeben.

Greifvögel mit Sendern fliegen 5000 Kilometer weit 

Auf der Website des BUND wurde zwar noch etwas Hoffnung verbreitet: Dass keine Daten vorlägen, hieße nicht, dass die Vögel gestorben seien. Es sei auch möglich, dass die Sender, die sie tragen, einen Fehler haben oder die Vögel sich in einem Gebiet aufhalten, in dem es keinen Empfang gibt. Dass Hilde und Hendrik wieder auftauchen, ist dennoch unwahrscheinlich. 

Die tragbaren Sender der Vögel liefern Daten zu Position, Flughöhe und Geschwindigkeit der Tiere und wurden ihnen südlich von Salzwedel angelegt. Diese Daten werden über das Mobilfunknetz weitergeleitet und geben so einen detaillierten Einblick in die Routen der Vögel.

Wiesenweihe im Anflug auf ihr mit einem Zaun geschütztes Nest.  
Wiesenweihe im Anflug auf ihr mit einem Zaun geschütztes Nest.   imago/blickwinkel

Demnach wählten die beiden Männchen Matthias und Hendrik zunächst den Weg nach Süden ins Thüringer Becken, bevor sie sich trennten und individuelle Routen durch Europa und Afrika wählten. Doreen habe Anfang August 2022 ihren Brutplatz verlassen und sei via Tschechien und Algerien in den Niger geflogen. Zuvor hatten Doreen und Hendrik 2022 zusammen gebrütet.

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Hilde war im Frühherbst im Zerbster Ackerland besendert worden, seit vergangenem September fehlt aber von ihr jede Spur. Matthias bekam als Jungvogel den Sender verpasst. Er hat es zurück nach Deutschland geschafft. Und das ist ein Glück. 

450 Brutpaare in Deutschland 

Denn die Wiesenweihe gehört zu den seltensten Vogelarten in Deutschland und in Europa. Sie ist nach den Roten Listen der Bundesrepublik Deutschland und der Länder vom Aussterben bedroht bzw. stark gefährdet. Im Altmarkkreis wurden seit 2004 Schutzprojekte nach dem Vorbild anderer Bundesländer wie Bayern und Nordrhein-Westfalen umgesetzt.

Ziel des Projekts ist es, junge Wiesenweihen vor Erntearbeiten zu schützen. Ein Großteil der Bruten würde vernichtet werden, da die Jungvögel zur Erntezeit meist noch nicht flügge sind. Daher werden die Nester nun mit einem Zaun geschützt. Auch in Brandenburg gibt es Ehrenamtliche, die die Bruten aufspüren und mit Landwirten sprechen, um die seltenen Vögel zu schützen. 2022 bekamen die Vogelschützer dafür sogar den Brandenburger Naturschutzpreis. 

In Sachsen-Anhalt brüten 30 bis 40 Paare im Jahr,  in Brandenburg sind es noch weniger. 1996 war gar keine Brut von Wiesenwehen im Land mehr nachgewiesen worden. Danach nahm der Bestand stetig zu. Insbesondere das „Feldmausjahr“ 2005 wirkte sich laut Nabu positiv aus. 2005/2006 wurden bereits 38–45 Brutpaare gemeldet, aktuell geht man schätzungsweise von 25–35 Brutpaaren in Brandenburg aus, von denen sich aktuell etwa die Hälfte in den Landkreisen Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark befindet. Die Erhaltung dieser kleinen Population wäre ohne aktive Horstschutzmaßnahmen für die Ackerbrüter nicht zu erreichen gewesen, so der Nabu.