Berlin: Demonstranten gegen Israel. AP Photo/Michael Sohn

Bei einer pro-palästinensischen Demonstration mit nach Polizeiangaben rund 3500 Teilnehmern ist es zu massiven Ausschreitungen gekommen. Aus den Reihen der Demonstranten, die sich angesichts der Gewalteskalation im Nahen Osten zu dem Protest versammelt hatten, wurden Steine und Flaschen auf die Polizei geschleudert, auch Feuerwerkskörper flogen gegen die Sicherheitskräfte.

Demonstranten schlugen auf Polizisten ein. Die Polizei setzte Pfefferspray ein. Ob Demonstrationsteilnehmer festgenommen wurde, konnte ein Polizeisprecher zunächst nicht bestätigen.

Demo wegen Verstößen gegen Corona-Hygieneregeln aufgelöst

Die Polizei hatte den Protest wegen des Verstoßes gegen die Corona-Hygieneregeln für aufgelöst erklärt. Da sich Demonstrationsteilnehmer nicht an die Anordnung hielten, schritten die Beamten auf der Sonnenallee in Neukölln gegen sie ein. Aus der Demonstration wurden Rufe wie „Kindermörder Israel“, „Frauenmörder Israel“ und „Free Palestine“ laut.

Zuvor war eine andere Demonstration mit rund 120 Teilnehmern vom Hermannplatz zum Rathaus Neukölln friedlich verlaufen. Gefordert wurde in einem Aufruf der Kampf für „ein freies Palästina, vom Jordan bis zum Mittelmeer“, also auf dem heutigen Staatsgebiet Israels. Insgesamt waren 360 Polizisten im Einsatz.

Am späteren Nachmittag begann eine weitere Demonstration im Stadtteil Kreuzberg, deren Teilnehmerzahl bezifferte die Polizei auf etwa tausend.

Vor dem Hintergrund des eskalierenden Konflikts zwischen Israel und der Hamas erinnerten die Demonstranten an die „Nakba“ (deutsch: Katastrophe). Am 15. Mai gedenken die Palästinenser damit der Vertreibung und Flucht Hunderttausender im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948. In den vergangenen Tagen gab es in Deutschland wiederholt anti-israelische Proteste. In mehreren Städten wurden israelische Flaggen angezündet.

Hamas feuert seit Montag Raketen auf Israel

Trotz internationaler Vermittlungsversuche hält die schwerste Gewalteskalation seit Jahren zwischen Israel und militanten Palästinensern im Gazastreifen an. Seit Montag werden Raketen auf Israel abgefeuert. Die israelische Armee greift ihrerseits Ziele im Gazastreifen an, darunter ein unter Wohngebieten errichtetes Tunnelsystem der radikalislamischen Hamas.

Die evangelische und die katholische Kirche in Berlin und Brandenburg verurteilten unterdessen Angriffe auf jüdische Einrichtungen in Deutschland als „unerträglich“. Es sei nicht hinnehmbar, dass Synagogen und jüdische Einrichtungen bedroht, verunglimpft und angegriffen würden, erklärten der evangelische Landesbischof Christian Stäblein und der katholische Erzbischof Heiner Koch gemeinsam. In den vergangenen Tagen hatte es in mehreren Städten in Deutschland antisemitische und anti-israelische Demonstrationen gegeben.