Die Maskenpflicht gilt in Berlin und Brandenburg auch weiterhin für Busse und Bahnen. dpa/Jörg Carstensen

Irgendwie klingt das unlogisch, oder? In Fußballstadien grölen dicht an dicht Zehntausende ohne Mund-Nasen-Schutz, und auch in Geschäften ist das Tragen der Maske nicht mehr Pflicht. In Bussen und Bahnen des Verbunds Berlin-Brandenburg aber bleibt es bei der alten Regel. Darum ändert sich hier erst mal nichts an der Maskenpflicht.

Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) hat die Verlängerung der Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr gegen Kritik aus der Opposition verteidigt. Nonnemacher verwies am Montag bei einer Sondersitzung des Landtags-Gesundheitsausschusses auf den Verkehrsverbund mit Berlin.

„Da waren zielführend auch die Diskussion und die Abstimmung mit Berlin“, sagte die Ministerin. Das Kabinett hatte die Maskenpflicht für Gesundheits- und Sozialeinrichtungen und den öffentlichen Nahverkehr sowie die Testpflicht für Beschäftigte in Gesundheits- und Sozialeinrichtungen um vier Wochen bis zum 23. Juni verlängert.

Die AfD-Landtagsabgeordnete Birgit Bessin forderte von Nonnemacher eine wissenschaftliche Begründung für die FFP2-Maskenpflicht. „Wir kennen wieder volle Stadien und volle Geschäfte“, sagte Bessin. Außerdem sei die Zahl neuer Corona-Infektionen und neuer Krankenhauspatienten mit Covid-19 rückgängig.

Maskenpflicht für öffentliche Busse und Bahnen nicht logisch

Die Ministerin sagte: „Wir wissen: Bei engem Kontakt ist das Risiko von Übertragung deutlich erhöht.“ Ab Mittwoch sei mit dem Start des 9-Euro-Tickets zudem zusätzlich zum üblichen Pendlerverkehr mit einer stärkeren Nutzung des Nahverkehrs zu rechnen.

BVB/Freie-Wähler-Fraktionschef Péter Vida hält eine Maskenpflicht für öffentliche Busse und Bahnen nicht für logisch. Er verwies darauf, dass Busse in ländlichen Gebieten nicht immer dicht mit Fahrgästen besetzt sind und brachte ein Beispiel: „Dann steigen die aus dem Bus aus, gehen in eine Sporthalle und sitzen dort dann Schulter an Schulter zweieinhalb Stunden bei einem Sport-Event“, sagte Vida.

Nonnemacher entgegnete, es sei bei einem Verkehrsverbund schwierig, für jede Zugstrecke eine Regelung zu treffen. Die Frage sei, ob es einen Flickenteppich mit zu vielen Ausnahmen oder einen gemeinsamen Grundkonsens gebe.

Der Ausschuss stimmte mit der Mehrheit der Koalitionsfraktionen für die Verlängerung der Corona-Regeln, AfD und Freie Wähler votierten dagegen, die Linke enthielt sich.

Die Maskenpflicht und der Sardinenbüchsen-Effekt

Finanzministerin Katrin Lange (SPD) kritisierte in einem Interview das 9-Euro-Ticket der Bundesregierung. „Wo der tiefere Sinn darin liegt, mit einem 9-Euro-Ticket den in Ballungsräumen sowieso schon oft überlasteten Regionalverkehr jetzt vollends in Sardinenbüchsen zu verwandeln, erschließt sich mir nicht“, sagte sie der Märkischen Allgemeinen (Montag) in Potsdam. „Das Ticket bringt auch den Menschen auf dem Lande kaum etwas, wo es sowieso schon weniger Verkehr gibt.“

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Warum die dienstwagenprivilegierte Ministerin ausgerechnet einen Tag vor Einführung gegen das populäre 9-Euro-Ticket stänkert, erschließt sich niemandem wirklich. Das Sardinenbüchsen-Argument ließe sich schließlich auch auf Sport-Großveranstaltungen anwenden. Das aber macht Katrin Lange eben nicht. Aber wer A sagt, muss auch B sagen, sonst haut die Argumentation nicht hin.