Kampfmittelräumer der Polizei graben den Waffenschatz am Senftenberger Schloss aus. dpa/Momo Katz

Viele von denen, die durch die Lost Places (Ruinen, aufgegebene Fabriken, alte Kasernen) von Brandenburg streifen, träumen davon, auch mal über einen vergessenen Schatz zu stolpern. Auf eine große Sammlung alter Waffen ist man jetzt bei Grabungen am Schloss Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) gestoßen. Fündig wurden allerdings keine Lost-Places-Jäger, sondern Bauarbeiter und Archäologen. Ein großes Schild warnt nun vor dem Betreten des Geländes: „Kampfmittelräumung: Betreten verboten!“

Lesen Sie auch: Freitagmorgen, 10 Uhr: Ehemaliger Lebensgefährte schneidet sechsfacher Mutter in Pankow die Kehle durch +++ Polizei fasst ihn drei Stunden später>>

Ein eigentlich unscheinbarer Hügel neben einer schwarzen Granit-Gedenkstele für einen Wilhelm Zimmermann (Inschrift: Gefallen für sein Vaterland am 24. August 1870). Wohl im deutsch-französischen Krieg, in dem von 1870 bis 1871 über 190.000 Soldaten starben.

Als Bagger die Erde neben der Stele abtrugen, stießen die Bauarbeiter zuerst auf eine alte Mauer, die zugeschüttet worden war.  Am Fuße des Bauwerks dann der unglaubliche Fund. Historische Säbel, Schwerter und Degen, weit mehr als 100 Gewehre aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, Granaten, Panzerfäuste, Maschinengewehre und Munition.

Bei der Vorbereitung von Bauarbeiten haben Archäologen diese Waffensammlung entdeckt

Nach Angaben des Bombenentschärfers Enrico Schnick ist das offenbar der bisher größte Fund dieser Art in Brandenburg, berichtet der RBB. Bei der Vorbereitung von Bauarbeiten haben Archäologen diese Waffensammlung entdeckt. Der Fund sei am Dienstag gemeldet worden, anschließend habe der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) die Munition zur Vernichtung abtransportiert.

Die Fortsetzung der archäologischen Arbeiten werde nun von einer Spezialfirma abgesichert und vom KMBD begleitet, erklärt der Zentraldienst der Polizei.

Die Gewehre, die am Donnerstag ausgegraben wurden. dpa/Momo Katz

Für den Landkreis ist der Fund „überraschend“ und in einem „unerwartetem“ Umfang, zumal bereits Untersuchungen auf dem Gelände stattgefunden hätten, wie Sprecherin Nora Bielitz berichtet. „Die Dolche und Säbel hat das Museum in sein Depot übernommen.“ Sie werden jetzt gereinigt und möglicherweise künftig im Museum ausgestellt, wie der RBB berichtet.

Am Donnerstag suchten die Kampfmittelspezialisten weiter und fanden etwa 100 Gewehre – teils vor dem Jahr 1900 datiert, wie der Landkreis mitteilt.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges verschanzten sich hier Kämpfer von Hitlerjugend und Volkssturm

Das Schloss Senftenberg diente während des Zweiten Weltkrieges als Militärunterkunft. Das Gelände, das zum Ende des Krieges nur noch durch einzelne Kämpfer der Hitlerjugend und des Volkssturms besetzt war, wurde damals kampflos der sowjetischen Armee übergeben. Ob sich die deutschen Kämpfer aus Angst vor Sanktionen der Waffen entledigten oder die Rote Armee diese entsorgte, sei noch nicht abschließend beantwortet.

Neben den militärischen Funden verbarg der Boden einige weitere Schätze. Archäologen konnten neben Keramiken, Töpfen, Uniformteilen und einem Steigbügel auch einen kunstvollen, dreiarmigen Kronenleuchter bergen. Die zivilen Stücke wurden dem musealen Depot des Landkreises übergeben.

Lesen Sie auch: Weil alles immer teurer wird: Der Gebraucht-Kauf boomt! Wo man kaufen kann, wie man richtig spart>>

Die Grabungsarbeiten durch den KMBD sollen in den kommenden Tagen fortgesetzt werden. Erst nach Freigabe durch die Kampfmittelräumer könnten archäologische Arbeiten für die Voruntersuchung weiter durchgeführt und beendet werden. Die Bauarbeiten wurden zunächst für die Dauer von zwei Wochen gestoppt.