Dieter „Maschine“ Birr: Er gehört zu den Ostrockern, die so einige Geheimnisse aus ihrer Karriere verraten. Foto: dpa

Sie sind Legenden, schrieben erfolgreich ostdeutsche Musikgeschichte. Aber nicht nur das eint die Rocker von Karat, Silly, Puhdys und vielen anderen Bands. Sie alle haben auch so ihre Geheimnisse, die die Stars bisher noch erfolgreich für sich behielten. Nun werden sie gelüftet. Im Buch „Das vermutlich allerletzte Ostrockbuch“ des Berliner Musikjournalisten Christian Hentschel (53), das am 23. November erscheint.

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Aber der KURIER darf bereits exklusiv einige Geheimnisse der Ostrocker verraten: So wie das von Dieter „Maschine“ Birr. Er erzählt unter anderem, warum Rammstein-Sänger Till Lindemann plötzlich von einem Puhdys-Album verschwinden musste.

Rammstein-Sänger: Till Lindemann ist bekennender Puhdys-Fan. Seine Aufnahme mit Maschine ist heute ein begehrtes Sammlerstück. Foto: dpa

Es gibt wohl kaum einen Ostrocker, den Hentschel nicht kennt. Schließlich belebte der Journalist vor Jahren die DDR-Kultzeitschrift „Melodie & Rhythmus“, ist seit 2014 Mitherausgeber des Musikmagazins „Schall“. Unter den 14 Musikbüchern, die er herausbrachte, sind Biografien von City, Keimzeit – und den Puhdys. Kein Wunder, dass Ex-Frontmann Dieter Birr keine Geheimnisse vor dem Autor hat. Es wird ein langes, offenes Interview, das Maschine für Hentschels neues Ostrock-Buch (Verlag Neues Leben, 20 Euro) gibt.

Darin kommen auch die Duette zur Sprache, die Birr auf seinen Soloalben mit Stars wie Julia Neigel, Heinz Rudolf Kunze, Toni Krahl oder Wolfgang Niedecken sang. Auch zu Puhdys-Zeiten gab es berühmte Partner am Mikro: Schauspieler-Legende Mario Adorf und Till Lindemann. Der Rammstein-Sänger, bekennender Puhdys-Fan, und Maschine. Im Februar 2000 erschien das Album „Wilder Frieden“, auf dem die beiden Stars den Song „Wut will nicht sterben“ sangen. Die Platte ist heute ein gefragtes Sammlerstück. Denn das Puhdys-Album gibt es nur noch in der Version ohne den Rammstein-Sänger.

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Das Geheimnis darum lüftet Maschine jetzt fast 20 Jahre später. „Das Duett mit Till ist ja eine echte Rarität. Ich hatte ihn damals gefragt, und er sagte spontan zu, sozusagen ein kurzer Dienstweg“, sagt Birr. „Ich dachte, wenn der Song nicht weiter ausgekoppelt wird, werden die Wellen nicht so hoch schlagen. Aber dann hat BMG davon eine Single herausgebracht, und nun musste der weitere Vertrieb gestoppt werden. Rammstein waren bei einem anderen Label, die Plattenfirmen hätten sich vorher auf einen Deal einigen müssen. So gab es das Album ,Wilder Frieden‘ in der Version mit Till nur eine Woche lang. Ich musste die Gesangsparts von ihm noch einmal selbst einsingen, seitdem gibt es den Song ,Wut will nicht sterben‘ nur mit meiner Stimme.“ Mit anderen Worten: Maschine hat den Rammstein-Sänger quasi weggesungen.

Und der Rocker lüftet noch ein Geheimnis in dem Buch: Bald gibt es einen neuen Song, auf dem auch Maschine zu hören sein wird. „Stark wie ein Löwe“ heißt er, bei dem unter anderem auch Matthias Reim und City-Sänger Toni Krahl mitsingen. Mit von der Partie sind auch Musiker der Metal-Bands Helloween und Crematory sowie eine Violinistin von der Süddeutschen Philharmonie. „Das gefällt mir, dass hier Leute aus sehr verschiedenen Genres zusammenkommen“, sagt Maschine. „Völlig egal, ob Heavy Metal, Rock, Klassik, Pop oder meinetwegen auch Schlager – es gibt keine Schranken. Es geht allein um einen guten Song und eine gute Sache …“ Denn mit den Einnahmen des Liedes wollen die Künstler die Deutsche Kinderkrebsnachsorgeklinik in Tannheim (Baden-Württemberg) unterstützen.

Am 23. November erscheint „Das vermutlich allerletzte Ostrock-Buch“ von Christian Hentschel im Verlag Neues Leben (20 Euro). Cover: Verlag Neues Leben

Buchautor Hentschel schafft es, Maschine ein weiteres Geheimnis zu entlocken: nämlich, dass Birr beim Songschreiben in der Corona-Zwangspause alles andere als kreativ war. Wie viele Lieder in diesem Jahr entstanden sind? „Eigentlich nur eins“, gibt der Sänger zu. Normalerweise kennt Maschine keine Ruhe. Wenn er nicht auftritt, dann arbeitet er an neuen Liedern. So ist man es eigentlich von ihm gewohnt. „Aber irgendwie fehlte die Motivation“, sagt Birr. „Wenn ich weiß, das und das Album oder die und die Tournee steht an, dann bin ich bei der Sache, dann dreht sich alles um die Musik.“

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Doch in diesem Corona-Jahr war alles anders. Die geplante Rock-Legenden-Tour mit Silly, Julia Neigel und City fiel aus, soll 2021 nachgeholt werden. Zum Glück hatte Birr mit seinem Programm „Maschine intim – Lieder für Generationen“, das er mit Silly-Gitarrist Uwe Hassbecker (59) bestreitet, einige Auftritte. Ansonsten habe er das gemacht, was wohl alle in Corona-Zeiten machen würden, meint Maschine. „Mal aufgeräumt, Sachen sortiert und Gartenarbeit. Durch Corona bin ich ein richtiger Gärtner geworden …“