Der angeklagte Mariusz T. (41) hält sich auf der Anklagebank einen Ordner vor sein Gesucht. Pressefoto Wagner

Er war ihr Pfleger, Ilse W. (92) vertraute ihm. Nun steht Mariusz T. (41) wegen Mordes vor Gericht. Eine unfassbare Tat: Er soll die hochbetagte Seniorin sexuell attackiert und tödlich misshandelt haben.

Die Anklage lautet auf Mord, Vergewaltigung mit Todesfolge und Misshandlung von Schutzbefohlenen. Mariusz T. ist ein bulliger Typ. Der Schädel kahlrasiert. Er stammt aus Polen. Mariusz T. zum Richter: „Ledig, Beruf habe ich nicht erlernt, habe aber Abitur und Kurse gemacht.“ Einen zum Gabelstaplerfahrer, einen zweiten zum Altenpfleger.

Er war bei einer größeren polnischen Firma beschäftigt, die deutschlandweit Pflegepersonal vermittelte. Im November 2020 hatte T. bei Ilse W. (Name geändert) begonnen. Sie sei mit seiner Arbeit zufrieden gewesen, hieß es am Rande des Prozesses. Er zog bei ihr ein. Eins-zu-Eins-Betreuung.

Sohn der Getöteten ertappte den Pfleger in flagranti

Im Juni aber stürzte Ilse W. und erlitt einen Oberschenkelhalsbruch. Zu der Zeit war Mariusz T. gerade in seinem Heimatland – wohl wegen eines Todesfalls. Eine andere Pflegekraft ist für ihn eingesprungen. Am Vormittag des 12. Juli wurde Ilse W. aus dem Krankenhaus entlassen. Ein Sohn brachte die Seniorin in ihre geliebte Wohnung in Charlottenburg. Endlich wieder die gewohnte Umgebung. Sie war noch so froh.

12. Juli 2021: Die Leiche von Ilse W. wird von der Gerichtsmedizin abgeholt. Pudwell

Pfleger T. war laut Anklage ebenfalls wieder in der Wohnung in der Schlüterstraße nur knapp 100 Meter entfernt vom Kurfürstendamm. Als der Sohn der Rentnerin ging, um Einkäufe zu erledigen, soll T. über die 92-Jährige hergefallen sein. Die Anklage: „Er zwang sie zum Geschlechtsverkehr.“ Er habe sie brutal gepackt, ihr Mund und Nase zugehalten. „Sie verstarb an den erlittenen Misshandlungen“, so der Staatsanwalt.

Der Sohn der Getöteten soll Pfleger T. in flagranti ertappt haben. Fassungslos und schockiert verschloss er die Wohnungstür und alarmierte die Polizei. Für Pfleger T. klickten am Tatort die Handfesseln.

Für den Staatsanwalt steht fest: „Die Misshandlungen sind zu Lebzeiten zugefügt worden.“ Das gehe aus rechtsmedizinischen Erkenntnissen hervor. Der mutmaßliche Mörder hörte die Vorwürfe zunächst schweigend. Er will sich zu einem späteren Zeitpunkt äußern.

Sein Verteidiger ergriff das Wort: „Ich habe Zweifel an seiner Schuldfähigkeit, was passiert sein soll, ist nicht normal.“ Alkohol und andere Substanzen könnten im Spiel gewesen sein. Der Anwalt hält für möglich: „Dass er komplett nicht wusste, was er tat.

Der Prozess wird am 6. Januar 2022 fortgesetzt.