Fühlt sich heute topfit: Maria Rombach (96) gehörte zu den ersten Berlinern, die vor einem Jahr die Impfung gegen Corona bekamen. Anja Müller/Agaplesion-Bethanien-Diakonie

Es gab so viele wichtige Tage in ihrem Leben. Die Geburt ihrer Tochter war so einer. Und der 27. Dezember 2020, als Maria Rombach (96) aus dem Pflegeheim Agaplesion-Bethanien-Sophienhaus in Steglitz als eine der ersten Berliner die Impfung gegen Corona bekam. Ein Tag, den die Senioren nicht vergessen wird.

Es herrschte damals ein großer Auflauf im Haus. Zwei Impfmobile mit Bundeswehrsoldaten, medizinischen Betreuern und einem Arzt fuhren am Morgen mit 90 Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffes an Bord vor. Die damalige Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) war gekommen, erinnert sich Rombach. Um 9 Uhr ging das Impfen von 90 Heimbewohnern im großen Aufenthaltsraum los.

„Meine Nachbarin Gertrud Haase bekam als Erste den Piks“, sagt Rombach. „Sie ist heute 102 Jahre alt, ihr geht es sehr gut, sie hat auch alle folgenden Impfungen gut überstanden. Ich war dann als Dritte an der Reihe.“ Aufgeregt sei sie nicht gewesen, so die gebürtige Rheinländerin. „Ich habe das Impfen quasi im Vorbeigehen mitgenommen.“

Es gab keine Probleme. Auch bei den nachfolgenden Impfungen nicht. „Nur bei der dritten, der Booster-Impfung, die ich vor Wochen bekam, verspürte ich eine leichte Müdigkeit. Da habe ich mich an dem Tag einfach etwas länger ausgeruht“, sagt sie. „Ansonsten fühle ich mich gesund, mir geht es sehr gut.“

Der Impfstart gegen Corona in Berlin: Für Maria Rombach war der 27. Dezember 2020 einer der wichtigsten Tage in ihrem Leben. Anja Müller/Agaplesion-Bethanien-Diakonie

Maria Rombach, die sich sehr für Geschichte interessiert, hat vieles in ihrem Leben durchgemacht. Da war der Zweite Weltkrieg, den sie als junges Mädchen erlebte. „Ich wollte nach dem Abitur Jura studieren. Doch die Nazis ordneten an, dass wir Mädchen erst eine Art Kriegsdienst beim Reichsarbeitsdienst ableisten sollten. Ich bin heute noch entsetzt, dass ich diesen Verbrechern dienen musste“, sagt sie. Aus dem Jura-Studium wurde nichts. Der Krieg war aus, Deutschland lag in Trümmern. „Und dann kamen nach den Hungerjahren die Aufbaujahre, ich arbeitete in einer Bank, es ging mit dem Leben wieder vorwärts.“

Jede Chance nutzen, um die Pandemie zu beenden

Und jetzt erlebt die Seniorin die Corona-Pandemie, die nun die Welt drastisch verändert. „Wir sollten jede Chance nutzen, um diesen Virus in den Griff zu bekommen. Dazu gehört das Impfen. Wir wollen doch alle wieder ein normales Leben führen“, lautet ihre Botschaft.

Rombach erzählt, wie sie sich vor einem Jahr, wie viele ältere Menschen in der Stadt, von der Außenwelt abgeschnitten fühlte. „Es war schlimm, als wir wegen der drohenden hohen Ansteckungsgefahr im Heim keinen Besuch mehr empfangen konnten, keine Vorstellungen oder Musikvorführungen für uns Heimbewohner stattfanden“, sagt sie. Und dann kam der Impfstoff gegen Corona. „Als meine Hausärztin mit mir darüber sprach, gab es für mich keinen Grund, lange zu zögen.“ Rombach stimmte der Impfung sofort zu, die damals nur hochbetagte Berliner bekamen, weil es noch nicht genug Impfstoff für alle gab.

Die 101-jährige Gertrud Haase war die erste Berlinerin, die gegen Corona geimpft wurde. Auch ihr geht es heute sehr gut. „Ich habe den Piks gar nicht gemerkt“, sagte sie damals. dpa

„Es ging ja nicht nur um meinen Schutz“, sagt Rombach. „Ich habe mich impfen lassen, weil für mich die Gesundheit und der Schutz aller wichtig sind, wie die der Menschen, die uns betreuen und pflegen. Ich habe es nie verstanden, warum man vor einem Jahr sie in den Heimen nicht gleich mit uns geimpft hat.“ Stattdessen mussten Berliner Pflegeheimmitarbeiter sich Termine besorgen und quer durch die Stadt in das damals einzige existierende Impfzentrum nach Treptow fahren. „Das war einer dieser Fehler, den die Politik in der Corona-Krise gemacht hat“, sagt die Seniorin.

Ihr Appell an die Impfgegner

Kritisch sieht Rombach daher die jetzige Diskussion um das Impfen, wo nun alle einen Schutz gegen Corona bekommen könnten, doch einige auf ihre Grundrechte pochen und es nicht wollen. „Auch für mich ist die Freiheit das höchste Gut“, sagt sie. „Ich hatte die Freiheit, auch die Impfung ablehnen zu können. Aber ich habe meine Freiheit nicht missbraucht, um anderen Schaden zuzufügen. Das wäre so gewesen, wenn ich im Falle einer schweren Corona-Infektion für einen Jüngeren, der damals die Impfung noch nicht bekommen konnte, das wichtige Krankenhausbett blockiere, nur weil ich mich dieser Schutzimpfung verweigert habe.“

Maria Rombach vor dem festlich geschmückten Weihnachtsbaum Agaplesion-Bethanien-Sophienhaus in Steglitz: „Ich vertraue der Wissenschaft und den Medizinern.“  Anja Müller/Agaplesion-Bethanien-Diakonie

Man sehe, wie heute immer mehr der Virus gefährlich mutiere. Doch Rombach vertraut der Wissenschaft, auch wenn „die Forscher nicht von heute auf morgen den absoluten Schutz liefern können“. „Es wird Zeit brauchen“, sagt Rombach. Und mit den jetzigen Impfstoffen hätte man ein erstes wichtiges Schutzinstrument. Dass so ein Piks nicht frei von Risiken ist, weiß auch die Seniorin.

„So erkrankte ich nach einer Grippeschutzimpfung. Der Grund war meine Eiweißallergie, und das Serum wird auf Eiweißbasis hergestellt.“ Dennoch sei sie nach diesem Erlebnis nicht zu einer Impfgegnerin geworden. Im Gegenteil: „Für mich ist das Impfen ein Segen für die Menschheit“, sagt Rombach. „Sonst hätten wir uns von schrecklichen und todbringenden Krankheiten wie Pocken oder Kinderlähmung nie befreien können.“