Petra Pischke mit ihrem neuen Lebensgefährten Rolf, der sie während ihrer Erkrankung sehr unterstützte.
Foto: Thomas Oberländer/Helios-Klinikum

Als sich Petra Pischke (64) und Rolf Schneevoigt (66) vor fünf Jahren begegneten, spürten sie sofort eine tiefe Verbundenheit. Denn sie teilen das gleiche schwere Schicksal: Ihre Ehepartner starben kurz zuvor an Krebs. Gerade als sie sich gemeinsam ein neues Leben aufbauen wollten, drückte das Leben abermals die Return-Taste und sie mussten das gleiche Drama noch einmal erleben. Diesmal erkrankte Petra an Brustkrebs. 

Erschreckende Parallelen: Beide verloren ihre Partner nach einer Krebs-Erkrankung

„Es tat mir so leid, dass mein Lebensgefährte das alles noch mal erleben musste“, sagt Petra Pischke. 2016 hatten sie gerade neuen Mut gefasst. Das Paar lernte sich über eine Zeitungsannonce kennen, die Petra wenige Monate nach dem Tod ihres Mannes aufgegeben hatte. „Ich hatte ihm noch am Sterbebett versprochen, dass ich wieder in ein neues Leben starten werde. Das wollte ich einhalten.“ Sie lebte damals noch in Wandlitz, Rolf in Pankow. 

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Schon beim ersten Treffen stellten sie erschreckende Parallelen fest. Beide waren 40 Jahre verheiratet und wurden durch den Tod geschieden. Petras Ehemann war im Herbst 2015 an einem irreparablen Hirntumor gestorben, Rolfs Ehefrau an Darmkrebs. Beide liegen nur unweit voneinander in demselben Friedwald begraben. „Wir stellen uns oft vor, dass unsere verstorbenen Partner im Himmel wie zwei Engel Kuppler gespielt haben, damit wir nicht länger allein sind und trauern“, so Pischke. Bereits ein Jahr später gaben Petra und Rolf ihre beiden Häuser in Berlin auf und zogen gemeinsam nach Waren an der Müritz (Mecklenburg Vorpommern), um dort noch einmal neu anzufangen.

Thomas Oberländer/Helios-Klinikum
Petra Pischkes Arzt Dr. Oliver Thamm aus dem Helios-Klinikum in Berlin-Buch. Der Experte rettete ihre Brust.

Doch das Glück wurde schon zweieinhalb Jahre später überschattet. Petra Piscke spürte eine „kleine Delle“ an ihrer Brust. „Sobald ich den Arm hob, war sie wieder verschwunden, als ich ihn senkte, war sie wieder da“, erinnert sie sich. Beunruhigt suchte sie damit ihre Gynäkologin auf, die sie sofort ans Brustzentrum überwies. Dort erhielt sie nach einer Biopsie die niederschmetternde Diagnose: Brustkrebs. „Ich fühlte mich wie gelähmt. Ich hatte doch gerade erst wieder begonnen zu leben“, sagt sie. Auch für ihren neuen Partner war es ein großer Schock: „Ich habe nur gedacht, warum immer wir. Ich hatte geglaubt, wir sind durch damit“, erzählt Rolf. 

Aber es gab Hoffnung: Petra Pischke brauchte keine Chemotherapie und auch keine Bestrahlung. Allerdings musste ihre Brust abgenommen werden und durch ein Implantat ersetzt werden. „Das hörte sich nach einer für mich annehmbaren Lösung an“, so die berentete Berliner Justizbeamtin. Und auch der neue Mann an ihrer Seite sprach ihr Mut zu: „Wir stehen das zusammen durch“, sagte er. Doch kurz nach der Operation gab es Komplikationen. „Das neue Implantat sah zwar optisch gut aus, aber es fühlte sich nicht richtig an“, erklärt Pischke. 

Die Brust schwoll immer mehr an und verformte sich

Es habe sie jede Minute gestört und tat weh. Anfangs habe sie noch versucht, sich damit zu arrangieren und das Gefühl zu ignorieren, doch dann reagierte auch ihr Körper. „Meine Brust schwoll immer mehr an und verformte sich sogar.“ Es hatte sich eine Kapselfibrose, eine Fremdkörperreaktion auf das Implantat gebildet. Petra Pischke hatte große Sorge, auch noch ihre Brustwarze zu verlieren, die der Chirurg bei der Implantation erhalten konnte. Eine Spezialistin in Oranienburg versuchte ihr zu helfen, aber es kam zu einer weiteren Entzündung.

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In ihrer Not traf sie auf Dr. Oliver Thamm, Chefarzt der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie im Helios-Klinikum Berlin-Buch. Er rettete den Rest ihrer Brust durch einen Wiederaufbau mit Eigengewebe. Bei dem mikrochirurgischen Verfahren wurde ihr aus ihrem Bauch Fettgewebe entfernt und in die Brust eingesetzt. „Es war meine allerletzte Chance, meine Brust zu behalten“, so Pischke. 

Der Eingriff brachte den erhofften Erfolg: „Mit dieser Behandlung konnte nicht nur der Prozess des Brustaufbaus zügig angegangen werden, sondern auch die Brustwarze gerettet werden“, erklärt Dr. Thamm. Wichtig bei diesem Verfahren sei, dass das transplantierte und verpflanzte Gewebe als neue Brust ausreichend durchblutet werde. Dafür werde eine neue Blutgefäßverbindung geschaffen und die Patientin wird nach der Operation auf einer Überwachungsstation versorgt. Thamm: „Ein Brustaufbau mit Eigengewebe hat verschiedene Vorteile. Das Ergebnis fühlt sich natürlicher an und ist nachhaltig.“ Außerdem entfalle der oft notwendige Implantatwechsel.

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Petra Pischke ist froh und dankbar, dass der Experte ihre Brust erhalten konnte. „Sie fühlt sich viel weicher und wärmer an“, schwärmt sie. Ihre persönliche schicksalhafte Geschichte erzählt sie deshalb, weil sie ihre Erfahrungen an andere Betroffene weitergeben möchte. „Es ist wichtig in solch einer Situation seine positive Einstellung nicht zu verlieren, aber auch von enormen Vorteil, sich vor einem Eingriff nicht nur ausreichend medizinisch beraten zu lassen, sondern sich auch mit ehemaligen Patientinnen auszutauschen.“ Petra Pischke kann jetzt endlich ihr neues Leben genießen. Sie sagt: „Mein Lebensgefährte hat mich sehr unterstützt. Es macht viel aus, in der Not so einen tollen Menschen an seiner Seite zu haben.“