Kai B. soll Frauen brutal angegriffen haben. Nun steht er in Berlin vor Gericht. Pressefoto Wagner

Eine Frau würgte er bewusstlos, einer anderen stach er einen Brieföffner in den Hals. Vor Gericht behauptet Kai B. (31): „Gewalt ist nicht mein Ding.“ Eigentlich sei Kai B. ein „intelligenter und geordneter Mensch“, sagte seine Verteidigerin. „Er muss neben sich gestanden haben.“ Die Taten würden „nicht zu dem Bild passen, das er von sich hat“.

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Einen Beruf hat der Mann aus Reinickendorf nicht erlernt, bezog zuletzt Hartz IV, hatte dennoch genug Geld für Drogen und lebte in den Tag hinein. Seit zehn Monaten sitzt er hinter Gittern. Ließ er Frust an Frauen aus? Horror wie im schlechten Film erlebten seine Opfer laut Anklage. Am 23. Juni 2021 traf es Marie K. (35, Name geändert), als sie in Wedding beim Umzug einer Freundin half. Sie war gut gestimmt, sang. Marie K.: „Er fühlte sich durch den Text wohl provoziert.“

Plötzlich kam es zum Angriff: „Sein Blick war böse und starr“

Plötzlich der Angriff. Die zierliche Marie K. zur Richterin: „Sein Blick war böse und starr. Er hatte die Absicht, mein Leben zu beenden.“ Für etwa 30 Sekunden soll er Marie K. massiv gewürgt haben. Sie wurde bewusstlos. Ihre Freundin, die gerade das Bett aufstellen wollte und mit einem Akku-Bohrer hantierte, wurde aufmerksam. „Was machst du da, hör auf“, rief sie und riss den Würger weg.

Marie K.: „Als ich zu mir kam und zitterte, meinte er nur: Stell dich nicht so an!" Bis heute leidet sie unter den psychischen Folgen des Angriffs – die Angst ist geblieben. Version des Würgers: „Ich hielt sie am Hals fest.“ Weil sie still sein sollte. Die Verteidigerin: „Er hatte Drogen genommen und möglicherweise seine Kräfte unterschätzt.“ Drei Wochen später in einer Laube in Tempelhof. Kai B. half einer Bekannten (33) beim Streichen der Wände. Am frühen Abend des 13. August soll er nach einem Brieföffner gegriffen, die Frau am Hals verletzt haben – ein 12 Zentimeter langer Schnitt.

Kai B. sagt, er habe keine gute Erinnerung an das, was laut Anklage geschah

Die Richterin: „Hielten Sie ihr dann den Mund zu?" Kai B.: „Weil sie schrie." Die Richterin: „Auch die Nase?‘“ Kai B.: „Kann sein.“ Er habe versucht, ihr zu helfen, die Wunde abzudrücken. Zu dem Schnitt sei es nur gekommen, weil er sich erschrocken habe – „ich machte eine Abwehrbewegung“.

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Warum rief er keinen Notarzt? B.: „Ich bin eingeschlafen. Als ich aufwachte, stand ein Mann mit Pistole am Fenster, ich lief weg.“ Es war der Ex-Freund (38) der Verletzten, der zufällig vorbeigekommen war. Er alarmierte Hilfe. Die Verteidigerin: „Kai B. stand bei allen Vorkommnissen unter Drogeneinfluss.“ Er habe keine gute Erinnerung an das, was laut Anklage geschah. Die Anwältin: „Er glaubt schon, dass es so gewesen sein kann, er kann es sich für sich selbst aber nicht vorstellen.“

Auf der Suche nach Kai B. kam es zu einem SEK-Einsatz

Auf der Suche nach Kai B. kam es zu einem SEK-Einsatz in einem Baumarkt in Neukölln. Schwerbewaffnet mit Maschinenpistolen durchsuchten die Beamten das Gelände nach dem Mann, ein Hubschrauber und Suchhunde waren im Einsatz. Gefasst wurde B. dann Stunden später auf einem an die Kleingartenkolonie angrenzenden Bahngelände. Der Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen geht Montag weiter.