Bedienen mit Abstand: Im Restaurant "Zille-Stube" freuten sich die Gäste, dass das Lokal im Nikolaiviertel wieder geöffnet hat.  Foto: camcop-media/Andreas Klug

Die fast zweimonatige Corona-Zwangspause ist vorbei. Endlich dürfen seit Freitag wieder Cafés und Restaurants in Berlin öffnen. Dank des schönen Wetters waren die Gastro-Betriebe am Wochenende auch gut besucht. Und die Wirte freuen sich, dass sie ihre Läden wieder öffnen können. So richtig jubeln will dennoch keiner. Nicht bei allen fällt die  Bilanz nach den ersten drei Tagen der Wiedereröffnung  rosig aus.

Die Gäste sind wieder da. Auch im „Weihenstephaner Berlin“, dem bayerischen Restaurant am Hackeschen Markt, sitzen sie, sonnen sich an den Tischen im Außenbereich, lassen sich zum Essen ein frisch gezapftes Weizen schmecken. Das Geschäft scheint wieder zu laufen.

Auch wenn am Sonntagmittag auf der Terrasse von den 200 Plätzen nur jeder zweite wegen der Corona-Abstandsregelung besetzt ist, zeigt sich Geschäftsführer Sascha Beilke (29) zufrieden. „Der Start ist gut angelaufen“, sagt er. „Es ist wichtig, dass wir nun unseren Gästen  zeigen können, dass wir wieder für sie da sind.“ Der Wermutstropfen: „Doch die Touristen, mit denen wir am Platz das Hauptgeschäft machen, fehlen durch die Corona-Krise.“

Die Touristen fehlen

Die Touristen fehlen definitiv, erklärt auch Claudius Schmidt (32), der Chef vom „Gorki Park“ und dem „100 Gramm“ am Weinbergsweg in Mitte. „An den ersten zwei Tagen kamen vor allem die Stammgäste.“ Dass die Lokalität am Wochenende gut besucht war, „täuscht extrem“, sagt er. Voll wäre, wenn alle Plätze auf der Terrasse wie in Vor-Corona-Zeiten besetzt wären. Doch jeder zweite Platz fiel weg – durch die Auflagen, dass zwischen den Tischen 1,50 Meter Abstand eingehalten werden müssen.

„Trotzdem bin ich froh, dass es wieder mit dem Betrieb losgeht“, sagt Wirt Schmidt. Doch mit der Abstandspflicht zwischen den Gästen und dass die Kellner Masken tragen müssen, fehle die alte Atmosphäre in den Restaurants.

„Die Vorschriften und Hygienemaßnahmen akzeptieren aber die Besucher“, sagt Betty Armbruster-Haak (57), Wirtin des Cafés Fleury, das sich in der selben Straße befindet. „Denn die Leute, die kommen, sind froh, dass wir öffnen dürfen. Gleich am Freitag waren sie wieder da.“ Dass nun in den Lokalen  aufgrund der Auflagen über die Hälfte der Gäste weniger platziert werden dürfen, wird sich in der wirtschaftlichen Bilanzen der Wirte negativ auswirken. „Dazu kommt, dass auch wir unser Geschäft zu 60 Prozent mit den Touristen machen, die ausbleiben. Dieses Jahr wird für uns kein gutes werden“, sagt Wirtin Armbruster-Haak.

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Die Angst vor einer Corona-Ansteckung ist noch groß"

Die meisten Berliner reagieren eher zögerlich darauf, ins Lokal zu gehen, meint Max Schell, Chef der „Zille-Stube“ im Nikolaiviertel. Von den je 200 Plätzen innen und draußen sind nur 60 bis 70 besetzt – und da sitzen meist Stammgäste, so Schell. „Andere lassen sich lieber die Rouladen nach Hause liefern, als sie bei uns zu essen. Die Angst vor einer Corona-Ansteckung im Lokal ist bei den Berlinern noch groß.“

Es fehlen den Berliner Gastronomen nicht nur die Touristen. „Auch Familienfeiern wie Geburtstage können wegen Corona weiterhin nicht stattfinden“, sagt der Zille-Wirt. „Dazu kommt, dass bei den Berlinern, die in dieser Krise auch um ihre Jobs fürchten, das Geld für einen Restaurant-Besuch nicht mehr so locker sitzt.“

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Zwar wird durch die Öffnung der Lokale wieder etwas mehr Geld in die Kassen gespült.  Den Wirten hilft es aber nicht wirklich weiter. „Wir müssen trotzdem jeden Monat unsere hohen Mieten zahlen. Die Einnahmeverluste durch die Krise, die wir weiter haben werden, interessiert niemanden“, sagt Schell.

Ähnlich sieht es Björn Schwarz, Chef vom Hofbräu am Alex. Über 2000 Gästen konnten dort einst Platz nehmen, nun dürfen nur etwa 400 rein. Doch zum Start am Freitag kamen nur 100 Besucher. Auch Schwarz sagt, dass die Angst vor Corona so manchen Berliner vom Lokal-Besuch abhält. Auch das Fehlen der Touristen mache sich für das Hofbräu am Alex bemerkbar. „So schnell werden sie auch nicht wiederkommen“, sagt Schwarz. Für die Berliner Gastronomen stehen weiter harte Zeiten bevor.