Newsenselab-Chef Markus Dahlem mit den beiden M-Markenzeichen, die sich verblüffend ähnlich sehen: Das linke entwickelte 2020 das Kreuzberger Unternehmen für ihre Medizin-App, das rechte ist das neue Facebook-Logo. Gerd Engelsmann

Ein kleines Berliner Unternehmen tritt jetzt gegen einen mächtigen US-Internet-Riesen an. Es könnte ein Kampf zwischen David und Goliath werden. Denn die Start-up-Firma Newsenselab GmbH aus Kreuzberg prüft gerade, Facebook abzumahnen. Der Grund ist das neue Logo des kalifornischen Social-Media-Konzerns, der sich künftig Meta nennen will. Ein in sich verschlungenes M, das ziemlich genau dem Zeichen ähnelt, das die Berliner schon lange für eines ihrer digitalen Produkte verwendet.

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Bei Newsenselab in der Blücherstraße Ende fiel man aus allen Wolken, als Ende vergangener Woche Facebook-Chef Mark Zuckerberg stolz seine Umstellungspläne verkündete und das Meta-Logo des künftigen gleichnamigen Konzerns präsentierte. „Das Logo entspricht im Grunde unserem, dass wir für unsere Migräne-App ,M-sense‘ nutzen, die seit Ende 2020 auf dem Markt ist – nur das es grün statt blau ist“, sagt Newsenslab-Chef Markus Dahlem (53).

Das M-Logo der Berliner gibt es schon seit über einem Jahr

Das in sich verschlungene M – die Ähnlichkeit der beiden Zeichen ist in der Tat verblüffend. Bei Facebook steht der Buchstabe für Meta, bei den Berlinern für Migräne. Die verschlungene Form soll den Verlauf der heftigen Kopfschmerz-Krankheit symbolisieren. Von Diebstahl will Start-up-Chef Dahlem nicht sprechen. „Aber es ist erstaunlich, dass die Designer, die für Facebook arbeiteten, auf ein Logo kamen, das unser Marketing-Team Mitte 2020 für die Migräne-App entwickelt hat“, sagt er. „Offenbar fiel es bei Facebook nicht auf, dass diese M-Form schon irgendwo in der Welt existiert.“

Start-up-Gründer Markus Dahlem in seiner Kreuzberger Firma: Er lässt gerade prüfen, Facebook abzumahnen. Gerd Engelsmann

Nun wollen die Kreuzberger handeln. Zwar hat das Start-up das Logo nicht schützen lassen. „Dennoch werden wir jetzt prüfen, Facebook wegen der Verwendung des M-Logos abzumahnen“, sagt Dahlem. Auch wenn die Aussichten auf Erfolg gering erscheinen, viele Fragen, etwa nach dem Gerichtsstandort (Deutschland oder USA), noch geklärt werden müssen, will das Start-up diese Option nutzen. „Experten haben erklärt, dass wir einen gewissen Urheberrechteschutz haben“, sagt Dahlem. „Und wir können nachweisen, dass es unser M-Logo schon vor Facebook gab.“

Aber es geht der Kreuzberger Firma nicht nur um die Urheberrechte. „Wir wollen verhindern, dass unser Produkt mit dem M-Logo mit Facebook in Verbindung gebracht wird“, sagt Dahlem. Der Start-up-Gründer befürchtet auf Grund der Ähnlichkeiten der beiden Markenzeichen eine drohende Verwechslungsgefahr, die vor allem der Kreuzberger Firma schaden könnte, wenn der Internet-Konzern mit seinem M-Logo auf dem Markt operiert.

Logo-Streit: Berliner Firma will nicht mit Facebook verwechselt werden 

Zwar sind Facebook und die Migräne-Therapie-App aus Berlin zwei unterschiedliche Welten. Aber es gibt eine Gemeinsamkeit: Die Nutzer geben bei beiden ihre Daten ein.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei der Online-Vorstellung des neuen Firmen-Logo. Er plant die Umgestaltung des Internet-Riesen, der künftig Meta heißen soll.   AP

Die von dem Start-up entwickelte  Migräne-APP  gibt es auf Rezept, soll quasi als digitale Therapie-Hilfe die Behandlung von Kopfschmerz-Patienten unterstützen. Daher ist es notwendig, dass die Nutzer auch Daten, etwa, wann, wie und wo es zu Migräneattacken kam, in die App eingeben.

Berliner Firma verwendet M-Logo für eine Medizin-App

„Wie bekannt, gibt es weltweit ernsthafte Bedenken darüber, wie Facebook mit den Daten seiner Nutzer umgeht“, sagt Dahlem. „Wegen der Ähnlichkeit unseres Logos mit dem Meta-Logo könnten Nutzer und Kunden der Migräne-App künftig glauben, dass auch dahinter Facebook steckt und sie das Vertrauen zu dem Produkt verlieren, weil sie befürchten, das ein Internet-Konzern nun auch Zugriff auf ihre Patientendaten haben könnte.“

Für die Start-up-Firma sei die Datensicherheit aber ein hohes Gut. „Und unsere Kunden vertrauen darauf, dass ihre Daten auf der App sicher vor einem Zugriff Dritter sind“, sagt Dahlem.

Sein Start-up, das unter anderem mehrere Unternehmerpreise erhielt, wurde 2016 aus einer Studentengruppe von vier Leuten der HU Berlin heraus gegründet, hat heute 24 Mitarbeiter. Fünf Jahre haben sie an der Migräne-App gearbeitet, viel Geld investiert. Sie ist vom Bundesamt für Medizinprodukte zugelassen. Das Programm nimmt an zwei Studien mehrerer Kliniken teil. Eine davon wird vom Bund mit 3,5 Millionen Euro gefördert. Laut Dahlem haben Ärzte die Migräne-App schon an Tausende von Betroffen in Deutschland verschrieben.

Für die Kreuzberger steht viel auf dem Spiel. Sollte sich bei der Prüfung herausstellen, dass eine Abmahnung keinen Erfolg hat, müsste die Firma ihr M-Logo für die App ändern, damit sie nicht mit dem Internet-Riesen in Verbindung gebracht wird. Doch daran mag Chef Dahlem noch gar nicht denken.