Leere Tische und Bänke stehen in einem Biergarten vor dem Bundeskanzleramt. Ein Bild, wie es in den vergangenen Wochen vielerorts zu sehen war. Nun sollen neue Lockerungen kommen - die Corona-Diät in Kneipen und Restaurants könnte also bald vorbei sein. Foto: dpa

Mittwoch ist der große Tag, an dem neue Lockerungen verkündet werden sollen. Ein hoffnungsvoller Tag, auch für die Gastronomie Berlins: Ist Schluss mit der Corona-Diät? Können Restaurants wieder öffnen – und unter welchen Bedingungen?

Berlins Regierender Michael Müller (SPD) stellte erst gestern eine Wiederöffnung von Restaurants in Aussicht. Das müsse nicht gleich der 11. Mai sein, aber: „Es zeichnet sich ab, dass dort im Laufe oder Ende der nächsten Woche sehr schnell etwas passieren kann.“ Müller sprach von einer Öffnung in mehreren Phasen. „Wir sind vorbereitet. Es gibt Überlegungen, es gibt Konzepte, die auf dem Tisch liegen.“

Lesen Sie alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in unserem Coronavirus-Newsblog >>

Die Berliner Dehoga gab an die Wirte bereits Empfehlungen heraus. In der Checkliste wird unter anderem vorgeschlagen, Tische so zu platzieren, dass ein Abstand von 1,50 Metern gewährleistet ist, und auf Buffets zu verzichten. Zudem sollen Speisekarten digitalisiert, Salzstreuer weggeräumt und Teller beim Servieren mit Hauben abgedeckt werden. Hinzu kommen die Desinfektion von Tischen und EC-Geräten, Masken und der Verzicht auf Stoffservietten.

Diese Maßnahmen, sofern umsetzbar, schlug die Dehoga Berlins Gastronomen vor (Auszug)

  • Keine Annahme von Garderobe
  • Tische so platzieren, dass Gäste stets einen Mindestabstand von 1,5m zueinander haben
  • Tischgrößen verkleinern (nur noch Einzelpersonen, Paare und Familien)
  • Stammtische für Senioren und Vereine untersagen
  • Trockene Luft vermeiden, Luftbefeuchter nutzen (in Wasserteilchen sinken Viren in der Luft auf den Boden
  • Gläser und Tassen nie am Trinkbereich, sondern weit unten anfassen
  • Getränketablett auf den Tisch stellen, Gäste ihr eigenes Getränk selbst  nehmen lassen
  • Nach dem Abräumen von Tellern und Gläsern Hände waschen, bevor wieder sauberes Geschirr angefasst wird
  • Verzicht auf Salz- und Pfefferstreuer auf den Tischen
  • Verzicht auf Speisekarten zum Blättern, stattdessen digitale Speisekarte anbieten
  • Beim Servieren die Speisen mit Hauben abdecken
  • Besteck und Gläser mit Servierhandschuhen eindecken
  • Papier- statt Stoffservietten anbieten, mit Servierhandschuhen falten
  • Mund- und Nasenschutz für Thekenmitarbeiter und das Service-Personal
  • Dem Gast Reinigungstücher oder Handdesinfektion bei Begrüßung reichen
  • Kontaktlos bezahlen mit digitaler EC-Karte auf dem Smartphone
  • Kassenoberfläche und EC-Geräte regelmäßig und bei Schichtwechsel desinfizieren

Welche Maßnahmen tatsächlich kommen, ist schwammig – die Rede ist von einem „Vier-Phasen-Plan“. Wirtschaftsstaatssekretärin Barbro Dreher sagte, am Donnerstag werde man das Konzept vorstellen. Mit einer Öffnung der Außenbereiche sei zu rechnen, an einem Tisch dürften aber nur Menschen aus einem Haushalt sitzen. Für die Kontrolle der Einhaltung der Maßnahmen seien die Ordnungsämter zuständig, sagt Thomas Lengfelder, Berlin-Chef der Dehoga, dem KURIER. Fraglich sei eher, ob Kontrollen nötig sind. Denn Hygiene sei bereits oberstes Gebot. Zudem sei die Bereitschaft, Regeln zu akzeptieren, groß – solange man wieder öffnen kann. „Die Leute in der Branche stehen in vielen Fällen mit dem Rücken zur Wand.“

Die größte Problematik sehe ich in dem Punkt, nur 50 Prozent des Geschäfts machen zu können. Muss ich dann 50 Prozent meiner Mitarbeiter entlassen? Wenn ich nur 50 Quadratmeter Gastfläche habe und nur sechs Personen setzen kann, dann kann ich schließen.

Billy Wagner, ‚Nobelhart & Schmutzig‘

Allerdings üben Berlins Wirte auch Kritik. „Für die Hygiene-Pläne finde ich mehr Fragen als Antworten. Sind Servierhandschuhe Gummihandschuhe? Ist es nicht besser, sich regelmäßig die Hände zu waschen? Wenn man am Herd steht, dann muss man diese alle zehn Minuten wechseln, weil ein Großteil der Köche darunter schwitzt?“, fragt Billy Wagner vom Sterne-Lokal „Nobelhart & Schmutzig“. „Hauben über den Speisen halte ich bei bis zu 400 Tellern am Tag für völlig unpraktikabel. Ganz zu schweigen von unterschiedlichen Tellerformen und -größen.“ Das größte Problem sehe er allerdings in dem Punkt, nur 50 Prozent des Geschäfts machen zu können. „Muss ich dann 50 Prozent meiner Mitarbeiter entlassen? Wenn ich nur 50 Quadratmeter Gastfläche habe und nur sechs Personen setzen kann, dann kann ich schließen.“

Lesen Sie auch: Verhalten ist entscheidend: Amtsarzt: Biergarten oder Strand bei guten Konzepten machbar >>

Flavio Lucciola ist der Inhaber des italienischen Restaurants „La Buca“ in Steglitz: „Ich weiß nicht, wie ich die Maßnahmen umsetzen soll. Dazu benötige ich zusätzliches Personal“, sagt er. „Wer bezahlt mir die ganzen Mitarbeiter, wenn ich aufgrund des Sicherheitskonzepts schon weniger Einnahmen erziele? Mir wäre es lieber, wenn wir es unter solchen Umständen bei einem Take-Away-Verkauf in der Gastronomie belassen würden.“