Trauerkundgebung für Lisa-Maria Kellermayr: Teilnehmer richten schwere Anschuldigungen an die Behörden.
Trauerkundgebung für Lisa-Maria Kellermayr: Teilnehmer richten schwere Anschuldigungen an die Behörden. www.imago-images.de

Der Tod der österreichischen Ärztin Lisa-Marie Kellermayr hat Wellen weit über die Grenzen des Landes hinaus geschlagen. Bis heute ist der Verdacht nicht entkräftet, dass die Behörden es mit den Ermittlungen nicht besonders eilig hatten. Eine Hackerin fand innerhalb von Stunden heraus, was österreichische Behörden innerhalb von Monaten nicht in Erfahrung brachten: Hass-Mails gegen die Medizinerin wurden offenbar von Berlin aus verschickt. Nun hat die Berliner Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen offenbar rechtextreme Hater eingestellt – die Hinweise seien falsch gewesen.

Bedrohte Ärztin in Österreich von der Polizei als Wichtigtuerin verspottet

In Österreich wuchs der Fall Kellermayr im Jahre 2022 zur Staatsaffäre aus: Ein Polizeisprecher hatte die Ärztin als Wichtigtuerin verspottet, nachdem diese die Behörden verzweifelt um Hilfe gebeten hatte. In Hass-Mails wurde sie und ihr Praxis-Personal mit dem Tode bedroht. Die Behörden im österreichischen Wels sollen die Drohungen nicht sonderlich ernst genommen haben. Ende Juni 2022 schaltete sich die als „Nella“ bekannte Hackerin Ornella Al-Lami ein, entdeckte, dass eine Spur der Drahtzieher nach Berlin führte. Demnach soll ein einschlägig bekannter Rechtsextremist darin verwickelt sein.

Die zuständige Staatsanwalt im österreichischen Wels hatte Anfang August 2022 die Ermittlungen gegen zwei Beschuldigte übernommen, erklärte sich jedoch für nicht zuständig. Laut Medienberichten soll die Polizei die Recherchen von „Nella“ nicht ernst genommen haben.

Hinweise der Hackerin „Nella“ sollen laut Staatsanwaltschaft nicht korrekt gewesen sein

Die Hinweise zu zwei möglichen Hinterleuten wurden den Berliner Behörden übermittelt, die diese eingehend überprüft haben und sich nun äußern. So sollen bei beiden laut Staatsanwaltschaft die Personalien von Beginn an nicht korrekt gewesen sein: Ein Beschuldigter war nicht in Berlin gemeldet, bei dem anderen schien zunächst eine Verwechslung mit einem anderen Berliner gleichen Namens vorgelegen zu haben.

Es sei ihnen nicht gelungen, die beiden genannten Berliner zu identifizieren: „Trotz mehrere Monate dauernder, intensiver Ermittlungen“ habe das Verfahren in der vergangenen Woche eingestellt werden müssen, teilte die Berliner Staatsanwaltschaft am Freitag mit.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft konzentrierten sich vor allem darauf, die tatsächlichen Personalien der Tatverdächtigen zu ermitteln. Hauptanhaltspunkte waren den Angaben zufolge hierfür bei Versendung der Mails verwendeten E-Mail-Adressen sowie Erkenntnisse der Hackerin „Nella“, die sich aber nicht erhärtet haben sollen.

Beschuldigter bestreitet, Has-Mail versandt zu haben – Staatsanwaltschaft schließt Personalien-Missbrauch nicht aus

Eine Verifizierung habe also nicht stattgefunden, erklärte die Anklagebehörde. Jeder hätte die Möglichkeit gehabt, mit Falschpersonalien oder unter Verwendung des Namens einer anderen Person diese Mailaccounts einzurichten. Der in Berlin tatsächlich auch gemeldete zweite Beschuldigte bestritt zudem, die Mails versandt zu haben.

Dies könne ihm nicht widerlegt werden, weil eine missbräuchliche Verwendung der Personalien nicht ausgeschlossen werden könne. Möglichkeiten, den tatsächlichen Verwender der Personalien zu ermitteln, bestehen laut Staatsanwaltschaft nicht.

Lisa-Marie Kellermayr erhielt Morddrohungen aus der Covid-Maßnahmen- und Impfgegnerszene

Kellermayr war Ende Juli tot in ihrer Praxis im österreichischen Vöcklabruck aufgefunden worden. Eine Obduktion bestätigte später, dass sie Suizid begangen hatte.

Die Ärztin hatte zuvor von monatelangen Einschüchterungen bis hin zu Morddrohungen „aus der Covid-Maßnahmen- und Impfgegnerszene“ wegen ihres Einsatzes für Impfungen berichtet – und schließlich unter Berufung darauf ihre Praxis geschlossen. Berichten zufolge stand sie über längere Zeit unter Polizeischutz.