Der Angeklagte Maik Z. (38) vor Gericht.


Pressefoto Wagner

Der Rudertrainer musste vor Gericht anlegen: Maik Z. (38) soll über Jahre hinweg jugendliche Schützlinge dazu gebracht haben, ihm Nackt-Fotos zu schicken.

Um 33 mutmaßliche Taten geht es nun vor Gericht. Betroffen sind laut Anklage 28 Jungen – damals 13 bis 17 Jahre alt. In 26 Fällen soll sich der Sozialpädagoge unter dem Deckmantel einer erfundenen Studie jugendpornografische Fotos und Videos von Teenagern verschafft haben, die ihm anvertraut waren. In einigen Fällen lautet die Anklage zudem auf sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen.

Für junge Ruderer war er wohl ein Idol: Maik Z. war in einem Neuköllner Verein als Rudertrainer im Leistungssport für Jugendliche tätig. Laut Anklage arbeitete er im Tatzeitraum außerdem an einer Schule in Lichtenberg als Sozialpädagoge in der Nachmittagsbetreuung. Und er habe zeitweise an einer Schule in Köpenick im Rahmen des Sportunterrichts Ruderkurse gegeben.

Immer wieder soll er Teenager dazu gebracht haben, sich mit dem Handy in „geschlechtsbetonten Körperhaltungen“ zu fotografieren und ihm solche Aufnahmen zu schicken. Im Gegenzug habe er als „Aufwandsentschädigung“ Bargeld, Kondompackungen oder die Nutzung hochwertiger Trainingsausrüstung in Aussicht gestellt.

Es habe Anweisungen für sexuelle Handlungen gegeben

Mit List und Täuschung soll er agiert haben. Die Anklage: „Er gab gegenüber den von ihm trainierten oder betreuten Jugendlichen an, dass eine Freundin von ihm ein Forschungsprojekt zum Thema Medienkonsum und Sexualität im Rahmen der Pubertät betreibe.“

An Jugendliche, die Interesse zeigten, soll er Fragebögen verteilt haben – „im zweiten Teil Fragen zu ersten sexuellen Erfahrungen, Penislänge und ähnlichen persönlichen und sexualisierten Themen“. Es habe Anweisungen für sexuelle Handlungen gegeben. Zur „Kontrolle“ und als Beleg habe Z. über WhatsApp Fotos verlangt.

Von Juni 2015 bis Juni 2020 soll sich Z. mit der Studien-Masche eine Vielzahl von Intim-Aufnahmen verschafft haben. Laut Anklage gab es im Gegenzug z. B. für einen 15-Jährigen besseres Trainingsequipment. Ein anderer anfangs 15-Jähriger habe dreimal an der „Studie“ teilgenommen und insgesamt 450 Euro erhalten. Drei Teenager hätten Z. abblitzen lassen, nichts geschickt. In einigen Fällen habe er intime Videos mit Schützlingen in seiner Wohnung selbst hergestellt.

Hinter verschlossenen Türen sagte Z. aus. Ihm drohen bis zu fünf Jahre Knast

Sommer 2020. Vorwürfe wurden laut, führten zu Konsequenzen. Man sehe sich gezwungen, den Chef-Trainer nach einer Beurlaubung zu entlassen, hieß es vom Vorstand des Vereins. Es seien Umstände bekannt geworden, die keine andere Wahl ließen. Und: „Wir müssen uns der Tatsche stellen, dass über längere Zeit Grenzverletzungen stattgefunden haben.“

Z. blieb trotz der Ermittlungen in Freiheit. Vor dem Richter sprach zunächst sein Verteidiger. Der Anwalt kündigte eine Aussage des Trainers an, verlangte für die Dauer der Vernehmung des Sozialpädagogen allerdings den Ausschluss der Öffentlichkeit.

Ein kurzes Hin und Her, dann gab das Gericht dem Antrag statt. Hinter verschlossenen Türen sagte Z. aus. Ihm drohen bis zu fünf Jahre Knast. Fortsetzung: Heute.