Betreiber Fred Schöner (60) blickt trotz Corona-Einschränkungen optimistisch in die Zukunft.
Foto: Bernd Friedel

Fred Schöner (60) hat schon viel mitgemacht mit der „Kiste“. Das Kino in Hellersdorf, das er leitet, kann einiges: Tanzschuppen, Konzertbühne, Café, Kino, Kindertheater, Seniorenbrunch. Für viele Hellersdorfer war der Laden emotionale Heimat – bis Corona sie vertrieb.  

Geblieben ist Fred Schöner, er lässt sich nicht unterkriegen, auch wenn die Rollläden noch unten sind. Zu viel hat er mit der „Kiste“ seit 1988 schon mitgemacht. Das hier ist nicht das erste Mal, dass das Aus droht. Warum er immer noch weitermacht? „Man will schon beweisen, dass es geht. Gerade hier in Hellersdorf, wo wir so etwas wie ein Nord-Süd-Gefälle haben. Hier ist Sizilien, in Biesdorf das reiche Norwegen.“ Dieser heiße Sommer wird alles entscheiden. Wieder einmal.

Liedermacher Gundermann eröffnete 1989 die „Kiste“

Im Kinosaal stehen die Stühle, die Fred Schöner aus dem Palast der Republik gerettet hat, schon in Reihe. Statt 50 Menschen werden ab dem 2. Juli nur noch 33 Zuschauer Platz nehmen können, aber immerhin, die Kiste wird wieder eine Flimmerkiste.  Eigentlich wollte Fred Schöner zuerst mit dem Open-Air-Kino auf der Parkbühne in Biesdorf starten. Ideen für das Programm hatte er schon lange. „Was spielt man, wenn die Leute solange keine Konzerte gehört haben? Musikfilme natürlich. „Ray“, „Bohemian Rhapsody“, „Rocket Man“, „Lindenberg“, „Gundermann“. Zu dem hat Schöner eine besondere Beziehung, der Liedermacher eröffnete 1989 die „Kiste“. Regisseur Andreas Dresen zeigte hier seine Studentenfilme.

Doch mit dem Kino draußen wird es erst mal nix. Die Notstromanlage streikte, genau in den Moment als die Behörden die Erlaubnis für Open Air-Vorstellungen gaben. Ein Moment, in dem auch einer wie Fred Schöner kurz ins Zweifeln gerät. Doch dann macht man eben weiter.

Turbulente Jahre in Hellersdorf 

„Der Osten ist immer zu kurz gekommen“, sagt Schöner auf die Frage, warum er noch immer hier sei. In der DDR hatte er hier am Stadtrand einen erfolgreichen Filmclub gegründet, mit einer Mark Eintritt wurde man Mitglied für den Abend. „Damals war Hellersdorf ein Bezirk voller kluger Leute“, sagt Schöner. Wer zum Studium nach Berlin kam, landete in einer der Plattenbauwohnungen, viele zogen später in die Innenstadt. Schöner zeigte Verbotenes, und immer wieder den Klassiker: „Blutige Erdbeeren“. Er lavierte sich clever durch, bis 1996 in der Nähe ein Multiplexkino öffnete – die Besucherzahlen brachen ein. Gut, dass Schöner schon damals verschiedene Standbeine hatte. Café, Kino, Konzerte, Nachbarschaftsarbeit.

Nach den turbulenten Jahren lief es seit drei Jahren besser für sein kommunales Kino, 100.000 Euro Finanzierung bekam er vom Bezirk. 200.000 erwirtschaftete er selbst. Doch dann kam die Pandemie. Bis Dezember kann er  noch durchhalten. Das Geld aus dem Kinoprogrammpreis des Medienboards Berlin-Brandenburg, den die Kiste in diesem Jahr gewonnen hat, hilft. Die Spenden der Gäste ebenfalls. Auch das Café hat seit einigen Tagen wieder geöffnet. „Wir werden den Eisverkauf ausweiten, mal schauen, was gut geht“, sagt Fred Schöner. Irgendwie ging es bis hierher doch immer.