Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr löschen in der Nacht zu Samstag zwölf brennende Fahrzeuge in der Zingster Straße in Lichtenberg.  Foto: Morris Pudwell

Eine ganze Straße, die in Flammen steht, dichter und beißender Qualm und dazwischen einige mutige Feuerwehrmänner, die unter Einsatz ihres Lebens mit aller Kraft versuchen, den verheerenden Brand zu löschen. Die Bilder erinnern auf den ersten Blick an die Bürgerkriegshölle  im syrischen Aleppo. Doch sie zeigen die Zingster Straße in Bezirk Neu-Hohenschönhausen.

Hier verglühten in der Nacht zu Samstag zwölf Fahrzeuge, die Polizei ermittelt und geht von einem gezielten Anschlag aus. Autobesitzer und Anwohner haben nun nicht nur Angst vor den irren Zündlern. Sie sind auch unglaublich wütend. Es ist gegen 0.15 Uhr, der 56-jährige René M. (alle Namen zum Schutz der Anwohner geändert) sitzt gemeinsam mit seiner Frau Jutta im Wohnzimmer vor dem Fernseher. Dann geht Jutta M. kurz in die Küche. Hier hört sie ein lautes Knallen von der Straße, blickt aus dem Fenster – und sieht  das Feuerinferno vor dem Haus.

Anwohner versuchen, ihre Fahrzeuge aus den Flammen zu retten

„Sie hat nur drei Worte geschrien: Die Autos brennen!“, so René M. am Tag nach den schlimmen Ereignissen zum KURIER. „Ich habe mir meine Autoschlüssel geschnappt und bin drei Etagen nach unten und dann zu unseren Fahrzeugen gerannt.“ Buchstäblich in letzter Sekunden kann er sowohl seinen als auch den Wagen seiner Frau aus der Gefahrenzone bringen, während um ihn herum Panik und ein wahres Feuerinferno ausbricht. „Das war richtig unheimlich, da waren ja noch mehr Nachbarn die rausgerannt kamen und ihre Autos retten wollten“, so M. weiter.

Zwölf Menschen sei das gelungen, andere hätten hingegen nur noch zusehen können, wie ihre Klein- und Mittelklassefahrzeuge von den Flammen zerstört wurden. Obwohl die von Anwohnern alarmierten Feuerwehrkräfte nach wenigen Minuten vor Ort waren und das Feuer unter Einsatz des eigenen Lebens löschten, wurden nach Polizeiangaben zwölf Fahrzeuge zerstört. Für René M. und die anderen Anwohner stellt sich die Frage nach dem Warum. In jedem Fall, so M., seien „Leute, die sowas machen, einfach nur Verbrecher mit purer Lust am Zerstören von Eigentum fremder Menschen“. Er hofft nun, dass die Polizei die feigen Täter schnappt. Tatsächlich ermitteln die Fahnder des Landeskriminalamtes mit Hochdruck.

Nach KURIER-Informationen gibt es bereits eine erste Spur: So wurden von Zeugen vier vermummte Personen beim Anzünden der Autos beobachtet. Sie sollen von Fahrzeug zu Fahrzeug gegangen sein, eine Flüssigkeit auf der jeweiligen Motorhaube verspritzt und diese dann angezündet haben. Bereits wenige Stunden nach dem Feuerinferno, bei dem nur durch viel Glück keine Menschen verletzt wurden, verteilte die Polizei in der und rum um die Zingster Straße Zettel mit einem Zeugenaufruf.

Polizei bittet Zeugen, sich dringend zu melden

Darin bitten die Ermittler die Bevölkerung um Mithilfe um haben folgende Fragen: Wer kann sachdienliche Hinweise geben? Wer hat in der Nacht zu Samstag Personen bemerkt, die sich zwischen den parkenden Fahrzeugen aufhielten? Wer hat die Brandentstehung beobachtet und kann Angaben dazu machen, welche Fahrzeug zuerst gebrannt haben? Zudem appellieren die Fahnder an die Berliner: „Wenn Sie selbst Hinweise oder Zeugen benennen können, melden Sie sich bitte unter der Telefonnummer 4664 661 701 beim Abschnitt 61“.