Der großen Kaufhof-Niederlassung im Linden-Center droht das Aus.  Foto: Imago Images

Der Kampf um die Kaufhof-Filialen in Lichtenberg geht in die nächste Runde. Nach der verkündeten Rettung des Kaufhofs im Ring-Center droht weiterhin die Schließung der Filiale im Linden-Center. Der Bezirk will die Abwicklung der Niederlassung unbedingt aufhalten. Doch fraglich ist, ob der angeschlagene Konzern mitspielt.

Wirtschaftsstadtrat Kevin Hönicke (SPD) gibt sich kampfeslustig. „Für uns gilt: Ausruhen ist nicht“, sagt er. Aus seiner Sicht macht es für den Warenhaus-Konzern keinen Sinn, ausgerechnet die Filiale im Linden-Center aufzugeben. „Lichtenberg boomt und diese Potenziale sollte Galeria Kaufhof nutzen“, so der Stadtrat. Der Konzern müsse nun ein Zukunftskonzept vorlegen und die Arbeitsplätze sichern. „Das erwarte ich ganz klar“, sagt er. 

Corona-Krise traf Kaufhof hart

Hintergrund: Galeria Karstadt Kaufhof ist in der Corona-Krise durch die Zwangsschließung aller deutschen Filialen in wirtschaftliche Not geraten. Ein Sanierungsplan sah zunächst die Abwicklung von 62 der 172 Niederlassungen vor. Doch die Streichliste ist nach Verhandlungen mit Politik und Betriebsrat bereits auf 50 Filialen geschrumpft. Am Freitag wurde bekannt, dass der Kaufhof im Ring-Center erhalten bleibt. Der Vermieter ECE will die Miete senken.

Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke) nennt die Rettung des Kaufhofs im Ring-Center einen „wichtigen Zwischenerfolg“. Nun gehe es darum, weitere Filialen zu erhalten. Grunst hatte sich bereits im Juni besorgt über mögliche Folgen einer Kaufhof-Schließung im Linden-Center gezeigt. Das Warenhaus sei ein „identitätsprägender Bestandteil“ des Einkaufszentrums. Dessen „verlässlicher Beitrag für einen attraktiven und lebendigen Stadtteil“ sei ihm wichtig. Im Klartext: Ohne Kaufhof könnte Neu-Hohenschönhausen vorerst zur Shopping-Wüste werden. 

Senat will weitere Verhandlungen

Der Regierende Michael Müller (SPD) und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) wollen ihre Verhandlungen mit Galeria Karstadt Kaufhof nun fortsetzen. Gemeinsam mit den Bezirksbürgermeistern machen sie seit Wochen Druck für den Erhalt der Berliner Standorte. Erst vor einigen Tagen führten Bürgermeister Grunst und Stadtrat Hönicke erneut Gespräche mit der Gewerkschaft. Bedroht sind neben dem Warenhaus im Linden-Center weiterhin die Filialen am Tempelhofer Damm, am Leopoldplatz, an der Wilmersdorfer Straße und in den Gropius-Passagen. 

Der Vorsitzende der Galeria-Geschäftsführung, Miguel Müllenbach, macht seinen Angestellten allerdings wenig Hoffnung auf weitere Einigungen im letzten Augenblick. „Ich weiß, dass die Enttäuschung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Filialen, für die die Schließungsbeschlüsse jetzt umgesetzt werden müssen, groß ist“, schreibt er in einem Brief. Der Betriebsratsvorsitzende Jürgen Ettl will jedoch weiterkämpfen. Aufgeben sei „keine Option“.