Die Aktivisten von der Letzten Generation kippten Kartoffelbrei auf das Gemälde in Potsdam.
Die Aktivisten von der Letzten Generation kippten Kartoffelbrei auf das Gemälde in Potsdam. Twitter

Eine Frau und ein Mann von der vor allem durch Straßenblockaden berüchtigten Klimaschutz-Protestbewegung „Letzte Generation“ haben am Sonntag bei einer Protestaktion Kartoffelbrei auf ein wertvolles Gemälde im Museum Barberini in Potsdam gekippt. Ein Video davon zirkulierte kurz danach in den sozialen Netzwerken. Anschließend klebten sich die beiden mit jeweils einer Hand an der Wand unterhalb des Bilds fest.

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Bei dem Bild handelt es sich um das Gemälde „Les Meules“ des französischen Impressionisten Claude Monet.  

Restauratorin begutachtet Schaden an Monet-Werk im Museum Barberini

Die Polizei habe zwei Personen festgenommen, so eine Sprecherin des Museum Barberini gegenüber dem BERLINER KURIER. Höchstwahrscheinlich waren aber bis zu sechs Menschen an der Aktion beteiligt.

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Eine Restauratorin sollte noch am Nachmittag herausfinden, ob das verglaste Bild Schaden genommen hat, indem möglicherweise Kartoffelbrei zwischen Glas und Rahmen auf das Gemälde geraten ist. Mittlerweile gibt es erste Erkenntnisse: „Da das Bild verglast ist, hat es der umgehenden konservatorischen Untersuchung zufolge keinerlei Schäden davongetragen“, hieß es in einer Mitteilung am Abend. Bereits am kommenden Mittwoch soll das Werk wieder in den Ausstellungsräumen zu sehen sein.

Die Polizei war schnell da, habe die Frau und den Mann deshalb noch recht unkompliziert von der Wand lösen können, sagte die Sprecherin.

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Der Museumsbetrieb mitsamt der neuen Surrealismus-Ausstellung sei bis auf den Raum mit dem Monet ungestört weitergegangen. Es ist noch nicht klar, wie die Täter mit ihren Eimern ins Haus gelangt sind. Dafür würden Videos ausgewertet, so die Museumssprecherin.

Letzte Generation bekennt sich zu Bilder-Anschlag in Potsdam

Vor einigen Tagen konnte bereits ein ähnlicher Angriff verhindert werden, teilte sie außerdem mit.

Die „Letzte Generation“ erklärte auf Twitter:„ Wir machen diesen Monet zur Bühne und die Öffentlichkeit zum Publikum.“ Die Klima-Apokalypse-Aktivisten rechtfertigen ihren Zerstör-Protest mit Selbstverteidigung, weil sie mit ihren Gaga-Aktionen ignoriert werden: „Wenn es ein Gemälde braucht – mit Kartoffelbrei beworfen – , damit die Gesellschaft sich wieder erinnert, dass der fossile Kurs uns alle umbringt: Dann geben wir euch Kartoffelbrei auf einem Gemälde!“

Mittlerweile veröffentlichte die Letzte Generation auch Fotos der beiden festgenommenen Aktivisten. Den Angaben zufolge heißen sie Mirjam und Benjamin. Beide sollen sich am Sonntagabend noch in Polizeigewahrsam befinden.

Massive Kritik am Protest: „Euer Ziel legitimiert nicht solche Mittel“

Unter dem Post hagelt es bereits massiv Kritik an der Aktion. „Auch Euer Ziel legitimiert nicht solche Mittel. Aber solche Mittel delegitimieren in den Augen vieler Euren Zweck“, meint einer der Kommentatoren unter dem Video auf Twitter. Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) sprach von „Kulturbarbarei“.

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Museumsdirektorin Ortrud Westheider sagte: „Bei allem Verständnis für das drängende Anliegen der Aktivisten angesichts der Klimakatastrophe bin ich erschüttert über die Mittel, mit denen sie ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen suchen. Gerade in den Werken der Impressionisten sehen wir die intensive künstlerische Auseinandersetzung mit der Natur.“ Solche Landschaftsgemälde könnten Besucherinnen und Besuchern auch dazu Anstoß geben, „ihre Beziehung zur Umwelt zu reflektieren und zu hinterfragen“.

Die Aktion erinnert an einen Protest, der vor rund zwei Wochen in London stattfand. Dort hatten Aktivisten der Gruppe „Just Stop Oil“ eine Dose Tomatensuppe auf das Gemälde Sonnenblumen von Vincent Van Gogh gekippt. Auch sie protestierten damit für mehr Klimaschutz. Das Gemälde war durch eine Glasscheibe geschützt, so dass nur ein geringer Schaden am Rahmen entstand.  

Hasso Plattner hat Gemälde 2019 für 110 Millionen US-Dollar gekauft

Das Gemälde „Les Meules“,  auf Deutsch „Heuschober“, stammt vom französischen Impressionisten Claude Monet, der eine ganze Serie mit diesem Sujet geschaffen hatte. Das jetzt angegriffene Gemälde war 2019 von Hasso Plattner für 110 Millionen Dollar ersteigert worden und hat damit wahrscheinlich den höchsten Preis für einen Monet jemals erreicht.

Der Mäzen und milliardenschwere Mitbegründer des IT-Konzerns SAP ist der Gründer des Museums, in dem über 100 impressionistische Gemälde aus seiner Sammlung gezeigt werden.

Das Werk von 1890 ist eines von zwei „Heuschober“-Gemälden im Barberini. Eines zeigt einen Heuschober im Winter und das angegriffene Gemälde im sommerlichen Abendlicht.