Nicht nur Schwule, Bisexuelle und Transgender, sondern auch Lesbierinnen werden in Berlin überfallen (Symbolfoto). imago/Strand Releasing/Courtesy Everett

Die Gesellschaft wird nur vordergründig toleranter. Zahlen sprechen eine andere Wahrheit. Besonders Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind weiter ein Problem. Nicht nur in Kleinstädten, auch in Berlin. Die Opfer sind regelmäßig Schwule, Lesben, Bisexuelle oder Transgender.

Das Projekt Maneo hat sich mit Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung eingehend beschäftigt. So wurden im vergangenen Jahr 731 schwulenfeindliche Taten in Berlin registriert. Das sind zwar weniger Fälle als im Jahr 2020 mit 905 entsprechenden Hinweisen, erklärte das schwule Anti-Gewalt-Projekt am Montag in Berlin. Dies lasse aber keine Rückschlüsse auf einen objektiven Anstieg oder Rückgang von Übergriffen zu.

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Nach wie vor werde der Anteil nicht angezeigter Delikte auf 80 bis 90 Prozent geschätzt. Maneo wies zudem darauf hin, dass nur ein Bruchteil der Hinweise ausgewertet werden konnte. In 413 Fällen fehlten Informationen hinsichtlich Tatzeiten, Tatorten und Anzeigen. Warum viele der Opfer schweigen und keine Anzeige erstatten, ist offenbar noch nicht restlos geklärt.

Ein Abgleich mit Polizeidaten sei wegen datenschutzrechtlicher Bedenken erstmals seit 25 Jahren nicht mehr möglich, beklagte der Verein. In der Vergangenheit habe die Zusammenarbeit mit der Polizei dazu beigetragen, dass Fälle aus dem Dunkelfeld ins Hellfeld geführt werden konnten.

Gewalt auch in Kreuzberg und Neukölln gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender

Ausgewertet wurden von Maneo letztlich 321 Fälle nach 596 Fällen im vorangegangenen Jahr 2020. Darunter waren 220 Gewaltfälle, die sich gegen Schwule, Lesben, Bisexuelle oder Transgender richteten.

Zu den dominierenden Deliktformen zählten Nötigung und Bedrohung (36 Prozent), Körperverletzungen (30 Prozent) und Beleidigungen (28 Prozent). Die meisten Fälle wurden aus Schöneberg gemeldet, gefolgt von Kreuzberg und Neukölln.

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Maneo erfasst nach eigenen Angaben Gewalttaten und Hinweise darauf, die sich in Berlin und seinem Einzugsgebiet gegen Schwule und männliche Bisexuelle und gegen Menschen richten, die für schwul gehalten wurden oder durch einen schwulenfeindlichen Übergriff betroffen waren.

Berlins Innensenatorin Iris Spranger will Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender schützen

Innensenatorin Iris Spranger (SPD) versicherte am Montag: Berlin sei führend im Umgang mit dem Thema homophobe Gewalt und Vorbild für andere Bundesländer. Seit 30 Jahren gebe es bei der Polizei hauptamtliche Ansprechpartner für Schwule und Lesben als Opfer von Kriminalität.

Maneo nannte im Jahresbericht auch Beispiele von Taten:

- Eine transsexuelle Frau wurde im Januar 2021 in Treptow in einem Bus von einer Frau mehrfach beleidigt, dann wurde ihr ins Gesicht gespuckt.

- Ein schwuler Mann wurde im Juni 2021 in Kreuzberg an einer Tankstelle mehrfach beleidigt und mit einer Kopf-ab-Geste bedroht.

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- Ein junger Tourist mit einer Regenbogenfahne wurde nach dem Berliner Christopher Street Day von einem Mann von hinten angegriffen, getreten und mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Er erlitt einen dreifachen Kieferbruch und kam in ein Krankenhaus.