Brandenburg an der Havel

Leitstelle schickt keinen Rettungswagen: dreijähriger Junge tot

In einer Leitstelle werden oft schwere Entscheidungen getroffen, Mitarbeiter sind damit vertraut. Doch nun kam es in Brandenburg vielleicht zu einem folgenschweren Fehler. 

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Der Schriftzug 112 für die Notrufnummer steht auf einem Rettungswagen (Symbolbild). 
Der Schriftzug 112 für die Notrufnummer steht auf einem Rettungswagen (Symbolbild). Jens Kalaene/dpa/Symbolbild

Leitstelle schickt keinen Rettungswagen: Dreijähriger Junge tot

War es eine Fehleinschätzung mit schlimmen Folgen oder ein Unglück, das nicht zu verhindern war? In Brandenburg an der Havel starb kurz vor Heiligabend ein Kind, offenbar hatte die Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst dort nach einem Notruf keinen Rettungswagen geschickt, berichtet die Märkische Allgemeine Zeitung.

Ein Skandal belaste derzeit die Leitstelle von Feuerwehr und Rettungsdienst in Brandenburg an der Havel, so die Zeitung. Es wird derzeit noch genau untersucht, ob der Tod eines kleinen Jungen zu verhindern gewesen wäre.

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Nach ersten Erkenntnissen war in der Nacht zum 22. Dezember ein Notruf in der Leitstelle eingegangen. Einem dreijährigen Jungen, der herzkrank gewesen sein soll, gehe es sehr schlecht, berichtet die MAZ. Der zuständige Mitarbeiter habe während des Anrufs einige Details abgefragt, dann soll sich während des Gesprächs ein Familienmitglied eingemischt haben. Es gehe dem Jungen schon wieder besser, so der Zeitungs-Bericht.

Der Mitarbeiter der Leitstelle entschied daraufhin, keinen Rettungswagen zu schicken, man solle aber unbedingt wieder anrufen, wenn es dem Kind schlechter gehe, informierte er die Angehörigen. 

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Am nächsten Morgen war der Junge tot

Am nächsten Morgen riefen die Eltern erneut den Notruf, die Retter rückten aus, doch es war zu spät. Sie fanden den Jungen leblos vor. Nun soll laut MAZ ein offizielles Todesursachen-Ermittlungsverfahren klären, wie der Junge starb und ob er womöglich hätte gerettet werden können. Hierbei spielen auch mögliche Vorerkrankungen oder eine Infektion eine Rolle.

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Auch in der Lokalpolitik schlägt der Vorfall hohe Wellen. Der zuständige  Beigeordnete Thomas Barz (CDU) bestätigt gegenüber der MAZ das Geschehen: „Es ist nur furchtbar. Es gab eine Indikation, also Schlagwörter, auf die ein Disponent zu reagieren hat. Warum er sich am Ende anders entschieden hat, können wir noch nicht nachvollziehen. Es ist allerdings eine ganz sensible Arbeit in der Leitstelle. Ich hätte wohl aus dem Bauch heraus die Rettung rausgeschickt, auch wenn sie womöglich vergeblich gefahren wäre“ sagte er der Zeitung.

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Der Disponent sei ein sehr erfahrener Mann mit tadellosem Leumund gewesen. Das mache ein Nachvollziehen noch schwieriger. Es gebe allerdings keine generelle Dienstanweisung, dass beispielsweise zu möglichen Notfällen bei Kindern in jedem Falle Hilfe zu schicken sei. Auch habe sich der Disponent nicht zwingend zum Sachverhalt mit seinem Schichtleiter verständigen müssen. Die Kollegen seien darauf ausgebildet, allein entscheiden zu können. Der betroffene Leitstellendisponent ist derzeit vom Dienst freigestellt.