Tausende Ferienwohnungen stehen in der Corona-Krise leer. Foto: imago images / Schöning

Die Corona-Krise führt dazu, dass Touristen Berlin fernbleiben. Nicht nur in den Hotels, sondern auch in den Ferienwohnungen werden deswegen Übernachtungen storniert. Erste Politiker überlegen, wie darauf zu reagieren ist.

„Wir haben in Berlin tausende Wohnungen, die bisher an Feriengäste vermietet werden, jetzt in der Corona-Krise aber leer stehen“, sagt die Grünen-Abgeordnete Katrin Schmidberger. „Ich fände es richtig, wenn wir darüber diskutieren, wie diese Wohnungen sinnvoll genutzt werden können“, sagt sie. „Denkbar wäre, dort Menschen unterzubringen, die in Quarantäne müssen, aber sinnvollerweise nicht zu Hause bleiben sollten, weil sie dort ihre Familie anstecken könnten, falls sie infiziert sind.“ Die Räume könnten aber auch zur Betreuung von Kindern eingesetzt werden. So ließe sich aus der „Not eine Tugend machen“, sagt Schmidberger.

Unterkünfte für Obdachlose benötigt

„Sicherlich könnte das Land Berlin nicht die Miete zahlen, die für eine Ferienwohnung genommen wird, aber in der Frage könnte man sich sicher einigen“, sagt die Abgeordnete. „Wir brauchen zudem Lösungen, um Obdachlose von der Straße zu holen. Spätestens, falls es auch bei uns eine Ausgangssperre gibt, müssen wir Unterbringungsmöglichkeiten für die Obdachlosen gefunden haben.“

Airbnb, der größte Vermittler von Ferienwohnungen, hat als Reaktion auf die Corona-Krise seine Stornierungsrichtlinien weltweit geändert. Gastgeber und Gäste haben danach die Möglichkeit, Buchungen kostenlos zu stornieren. Voraussetzung ist, dass die Buchungen bis zum 14. März getätigt wurden und die Ankunft zwischen 14. März und 14. April geplant ist. „Wir werden in den kommenden Tagen und Wochen nach Möglichkeiten suchen, wie wir Gastgeber in dieser schwierigen Zit am besten unterstützen können“, heißt es in einer Airbnb-Mitteilung.

Fast 28.000 Verfahren eingeleitet

Wie viele Mietwohnungen in Berlin als Ferienwohnungen genutzt werden, ist unklar.   Genaue Zahlen gibt es nicht. Nur einen Anhaltspunkt: Bis Ende vergangenen Jahres haben die Bezirke insgesamt 2 951 Registriernummern vergeben, die für die legale Vermietung von Wohnungen an Feriengäste benötigt werden. Noch immer werden Wohnungen im Internet ohne Registriernummer angeboten. Berlin fordert Plattformbetreiber immer wieder auf, Angaben zu den Anbietern weiterzugeben – aber ohne Erfolg. Anderen Städten geht es genauso. Erst vor kurzem haben sich deswegen mehr als 20 europäische Städte für eine strengere Regulierung   der Kurzzeitvermietung ausgesprochen.

In Berlin sind bis Ende vergangenen Jahres bei den Behörden 27.936 Verfahren gegen die zweckfremde Nutzung von Wohnraum eingeleitet worden. 11.691 zweckfremd genutzte Wohnungen wurden nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wieder Wohnzwecken zugeführt.