So wie hier in Norfolk (GB) wird jetzt Lavendel in der Lausitz angebaut. Foto: Imago Images/Marriott

Lausitzer Savanne, Lausitzer Seenland, und bald auch eine kleine Provence zwischen Forst und Hoyerswerda? Nicht erst seitdem der Kohlausstieg in Deutschland besiegelt ist, geht die Bergbauregion Lausitz neue Wege in Sachen Renaturierung der bereits stillgelegten Tagebaue. Am Rande des Abbaugebietes Nochten etwa, kurz hinter der Brandenburgischen Grenze wird der Anbau für die Region bisher untypischer Pflanzen erprobt. Schon in diesem Sommer riecht es hier verführerisch nach Lavendel – wie in Frankreich. Im April wurden die ersten Pflanzen gesetzt.

Für die Rekultivierung alter Tagebauflächen gibt es die unterschiedlichsten Ansätze: Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) setzt in seinen Gebieten im „Naturparadies Grünhaus“ bei Lauchhammer auf Selbstheilung: die Flächen sollen zuwachsen, was kommt, kommt und alles darf bleiben – bis hin zu einem wilden Mischwald.

Auch die Lausitzer Energie Bergbau AG/LausitzEnergie Kraftwerke AG (LEAG) nimmt ihre Pflicht zur Renaturierung ernst: vor allem durch das Aufforsten von Mischwäldern. Teile der Lausitzer Tagebaue sind bereits oder werden geflutet und lassen so das Lausitzer Seenland entstehen. Bis Ende des Jahrzehnts entsteht Europas größte künstliche Wasserlandschaft und Deutschlands viertgrößtes Seengebiet. Neben dem Senftenberger See ist der Geierswalder See an der Grenze von Brandenburg und Sachsen einer der ersten Seen der Lausitzer Seenkette, der touristisch genutzt wird.  Wieder andere Bereiche sollen offene Savannenlandschaft mit Heide und Moor bleiben, die in unseren Breiten selten geworden sind.

Alles auf Neustart heißt es in der Lausitz also an vielen Orten, und warum nicht auch Außergewöhnliches ausprobieren? Mit neuen Kulturen erproben die LEAG und Lausitzer Landwirtschaftsbetriebe auf rekultivierten Tagebauflächen auch die Entwicklung neuer Geschäftsfelder. Im April wurden auf acht Hektar Land am Rande der Tagebaue Reichwalde in Sachsen (3,8 Hektar) und Jänschwalde in Brandenburg (4 Hektar) drei verschiedene Sorten Nutzhanf ausgesät. Aus diesem lässt sich Hanföl gewinnen. Pflanzenfasern können zu Textilien verarbeitet oder als Dämmstoff eingesetzt werden.

Einen weiteren Feldversuch startet die Niederschlesische Agrargenossenschaft am Rande des Tagebaus Nochten in Sachsen. Wissenschaftlich begleitet wächst hier auf einem Hektar Lavendel und Szechuan-Pfeffer.

In der Gastronomie sind die kleinen kugeligen Früchte des Strauches, der nicht mit der Pfefferpflanze verwand ist begehrt. Ihr zitronig scharfes Aroma passt zu asiatischen Currygerichten. Und wer schon einmal die Lavendelfelder in der Provence gesehen und gerochen hat, hat eine Ahnung davon, dass der Lausitz eine blühende Zukunft bevorstehen könnte.