Unterricht in der Schule ist während der Pandemie längst nicht mehr selbstverständlich.  dpa

Angesichts der erwarteten neuen Corona-Welle wächst der Druck auf die Kultusministerkonferenz, bald in einer Sondersitzung Lösungen für eine mögliche Belastungssituation in den Schulen zu erarbeiten. Bildungsexperten fordern dafür dringend Konzepte.

Doof nur, dass „Konzept“ dabei für die meisten Beteiligten den flächendeckenden Wechsel zu Distanzunterricht oder Wechselunterricht, oder die Aufhebung der Präsenzpflicht bedeutet. Der Instrumentenkasten hat sich seit Beginn der Pandemie nicht wesentlich verändert. Ja, es ist nötig und richtig, sich auf fehlende Lehrer und erkrankte Schüler einzustellen. Mit dem Kehrausbesen mit der Aufschrift „Schulschließung“ vorzugehen ist aber falsch.

Die Bundesregierung und das Bundesbildungsministerium haben ihr Ziel bekräftigt, Schulen und Kitas offen zu halten. Und das ist gut so. Der für Kinder und Jugendliche so wichtige Präsenzunterricht solle weiter stattfinden. Die psychischen und sozialen Herausforderungen und Folgen möglicher Schließungen sind gravierend. Ebenso die Bildungslücken, die sich schon jetzt auftun.

Schulen offen halten hat Priorität 

Auch die SPD-Vorsitzende Saskia Esken sprach sich gegen die Schließung von Schulen aus. „Es hat die allerhöchste Priorität, diese Orte der Bildung und der persönlichen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen offenzuhalten“, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Sonst fehle auch der Austausch untereinander. Als Mittel, um das zu sichern, nannte sie Tests sowie Impfungen von Schülern, Erzieherinnen und Lehrkräften.

Genau diese Tests in den Schulen ermöglichen es ja, endlich wieder ein differenzierteres Bild von der Pandemie-Lage zu erhalten. Keine andere Kohorte ist außerhalb der Ferien so durchgetestet wie Schulkinder. In Berlin werden sie in der ersten Wochen nach den Ferien jeden Tag die Stäbchen in den Nasen drehen. 

Omikron führt nach allem was wir wissen, zu milderen Verläufen. Lehrer sind, wenn sie wollen, längst geboostert, was einen Schutz vor schwerer Erkrankung bietet. Schüler sind, wenn sie es wollen, geimpft, was ebenfalls einen Schutz vor schweren Erkrankungen bietet.

Frankreich lässt auch mit doppelt und dreifach so hohen Inzidenzen wie in Deutschland seine Schulen offen. In Italien wird darüber debattiert, die Weihnachtsferien zu verlängern. Norwegen stellte es den Schule frei, in verlängerte Ferien zu gehen, Dänemark verlängerte die Weihnachtsferien. Wie also machen wir es? Bis nicht in jedem Klassenzimmer ein Luftfilter steht und jeder benachteiligte Schüler einen Zugang zu digitalem Unterricht hat, inklusive genug Personal um die aufzufangen, die durch das Netz fallen, sollten sich Verbände und Politik sehr genau überlegen, welchen Preis sie zahlen, wenn sie nach dem einfachsten Mittel – „Kinder, bleibt zu Hause“ – rufen. 

Vor dem ersten Schultag am Montag zu Hause einen Test durchführen kann nicht schaden. Dann aber muss es heißen, Schule und Kita first.