Schauspieler Lars Eidinger während der Fotoprobe zum Salzburger „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal. Barbara Gindl/APA/dpa

Gerade wurde der Berliner Schauspiel-Star Lars Eidinger als neuer Salzburger „Jedermann“ gefeiert, jetzt meldet er sich mit einem Film, der in der DDR spielt zurück - „Nahschuss“ (Kinostart: 12. August).

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Schauspieler Lars Eidinger (45) hat keine guten Erinnerungen an seine ersten DDR-Erkundungen nach der Maueröffnung. „Mein Vater hatte einen BMW-Geschäftswagen, mit dem sind wir im Schritttempo durch die Dörfer gefahren. Mein Bruder und ich saßen hinten drin und wurden immer kleiner. Ich fühlte mich furchtbar – wie ein Besatzer“, sagte Eidinger dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Die ehemaligen DDR-Bürger standen in ihren Vorgärten und sahen in die dicken Autos hinein. Nach meinem Empfinden rühren aus solchen Begegnungen die immer noch existierenden Komplexe zwischen Ost und West.“

Lars Eidinger: „Der Westen hat dem Osten das vermeintlich bessere System übergestülpt“

Viele Konflikte rührten daher, dass der Westen den Osten okkupiert habe, sagte Eidinger. „Der Westen hat dem Osten das vermeintlich bessere System übergestülpt.“ So sei die Chance verpasst worden, das Beste aus beiden Systemen zusammenzuführen. „Die Idee des Sozialismus hätten wir nicht aus den Augen verlieren sollen. Wie wir heute wissen, ist der Kapitalismus auch nicht der Weisheit letzter Schluss.“

Devid Striesow, Luise Heyer und Lars Eidinger bei der Premiere des Kinofilms „Nahschuss“ auf dem Filmfest in München Imago/Adam

Er könne westliche Überlegenheitsgefühle schwer nachvollziehen – „so nach dem Motto: „Was, der war in der Stasi?““, sagte Eidinger. „Die Menschen in der DDR sind in diesem System sozialisiert worden. Dagegen aufzubegehren oder Widerstand zu leisten, stellt sich aus einem Abstand heraus immer leichter dar.“

In seinem neuen Film spielt Lars Eidinger einen Stasi-Mitarbeiter

In seinem neuen Film „Nahschuss“ spielt Eidinger einen Stasi-Mitarbeiter, der wegen Spionage zum Tod verurteilt wird. Der Film orientiert sich am wahren Fall von Werner Teske, der 1981 hingerichtet wurde. Es handelte sich um die letzte Vollstreckung eines Todesurteils in der DDR.  Für ihr Drehbuch zum Polit-Drama „Nahschuss“ mit Lars Eidinger und Luise Heyer hat die Filmemacherin Franziska Stünkel gerade den Förderpreis Neues Deutsches Kino erhalten. Er ist mit einem Preisgeld von 10.000 Euro verbunden.