Kurt Krömer präsentiert sechs neue Folgen seiner Kult-Talkshow.  Foto: RBB/Daniel Porsdorf

Kurt Krömer (46) ist wieder da. Mit neuen Folgen der TV-Show „Chez Krömer“, in denen der Berliner Comedian normalerweise mit bösem Witz gepflegt seine Studiogäste auseinandernimmt. Doch in der ersten Sendung, die am 22. März vorab in der ARD-Mediathek und am Folgetag im RBB-Fernsehen (22.30 Uhr) zu sehen ist, wird es bitterernst. Denn plötzlich gesteht Krömer: „Im Herbst war ich wegen Depressionen acht Wochen in der Klinik!“

Zunächst denkt der Zuschauer, das ist wieder einer dieser typischen Krömer-Scherze. Schließlich hat der Comedian in der ersten Folge der neuen „Chez Krömer“-Staffel, die der KURIER schon sehen durfte, den Star-Comedian Torsten Sträter (54) zu Gast. Dieser hatte in der Vergangenheit seine Depressionen öffentlich gemacht, ist seit 2018 Schirmherr der Deutschen Depressions-Liga. „Es ist wie ein schlechter Witz: Zwei Komiker treffen sich und sind depressiv“, sagt Krömer – und das klingt gar nicht mehr nach Spaß.

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Der Komiker mit der Berliner Kodderschnauze („Hallo, ihr Kackbratzen“), der in den vergangenen Jahren schon Auftritte wegen Erschöpfung absagen musste, spricht nun erstmals öffentlich darüber, dass er an Depressionen litt. Drei Jahre lang sei er „von Arzt zu Arzt gerannt“. „Ich dachte, du hast ein diffuses Gefühl. So wie verliebt sein, aber mit bekloppten bösen Schmetterlingen“, erklärt Krömer. „Ich dachte, vielleicht bin ich ein Hypochonder, weil ich irgendwann glaubte, ich hätte einen Tumor, ein Blutgerinnsel. Ich bin durch die ganzen Röhren und jeder Arzt sagte mir, wir finden nichts. Bis mich im vergangenem Jahr einer ansprach und sagte, vielleicht bist du depressiv.“

Krömer gibt als Symptome Schlaf- und Konzentrationsschwierigkeiten an. „Ich wurde vergesslich, musste mir wie ein Demenzkranker schon Zettel hinlegen. Ich war zum Schluss 15 Stunden lang am Tag damit beschäftigt, für Probleme eine Lösung zu finden, die ich nicht fand. Am nächsten Tag ging alles wieder von vorne los“, sagt Krömer. Er bezeichnet seine Depression als eine „alte fette Hexe, die auf dem Brustkorb steht und dich bewegungslos macht“.

Im sogenannten Verhörraum der Talkshow spricht Krömer mit seinem Comedian-Kollegen Torsten Sträter über das Thema Depressionen. Foto: RBB/Daniel Porsdorf

Im vergangenen Herbst sei es zum Höhepunkt gekommen. „Als ich morgens um 8 Uhr aufstand, dachte ich, heute Abend willst du für die Kinder kochen, also musst du einkaufen gehen.“ Das Erstellen der Einkaufsliste habe Ewigkeiten gedauert, so Krömer. „Ich bin vier Stunden durch die Küche gegangen, bis ich wusste, was ich noch da habe und was ich noch bräuchte. Dann waren fünf Dinge auf der Liste drauf, bin dann in den Supermarkt, habe angefangen zu weinen, weil ich dachte, dass ich nicht mehr weiß, wie das hier alles geht.“ Krömer verließ weinend das Geschäft. „Habe mich geschämt, nach Hause zu gehen, weil ich meinen Kindern sagen musste, dass ich nicht mehr weiß, wie das Einkaufen geht.“

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Anfang September 2020 stand Krömer an vier aufeinanderfolgenden Abenden mit seinem Programm „Stresssituation“ auf der Parkbühne in der Wuhlheide. „Das war die beste Zeit in meinem Leben“, sagt Krömer. Aber: „Die Stunden vor und nach dem Auftritt waren scheiße. Aber die zwei Stunden auf der Bühne waren geil.“ Am Tag nach seinem letzten Auftritt ging Krömer in die Klinik.

Die acht Wochen, die er dort verbrachte, hätten ihm geholfen. „Ich habe die Sau aus dem Haus getrieben“, so Krömer. Es sei schon komisch: „Meine Depressionen wurden in der Scheiß-Corona-Zeit geheilt“, sagt er. Der Comedian habe die Sendung mit seinem Kollegen Torsten Sträter bewusst genutzt, um erstmals über seine Depressionen zu sprechen, um anderen Betroffenen Mut zu machen, sich helfen zu lassen. Da Sträter selbst die Krankheit hatte, sei es Krömer leichtgefallen, mit ihm öffentlich über das Thema zu reden.