KURIER-Fotograf Thomas Uhlemann beim Test am BER. Foto: Berliner KURIER/Thomas Uhlemann

Berlin - Bevor im Oktober der BER eröffnet, wird der Betrieb des „Fluchhafens“ mit Komparsen erprobt (KURIER berichtete). In den vergangenen Tagen waren erneut Hunderte Menschen auf dem Gelände unterwegs, testeten die Abläufe, checkten ein und aus. Auch KURIER-Fotograf Thomas Uhlemann war dabei. 

Schon immer bin ich gerne geflogen und um die Welt gereist – doch bedingt durch die Corona-Pandemie blieb auch ich in diesem Jahr zu Hause. Schade, denn ich verbinde schon den Aufenthalt an Flughäfen immer mit der großen, weiten Welt. Vor allem der BER hat mich immer gereizt: Wenn ein Ort einen so besonderen Ruf hat, ist man neugierig. Während der Bauarbeiten war ich oft hier, um zu schauen, wie die Arbeiten vorwärts gehen. Von außen sah der Flughafen immer aus, als könne es sofort losgehen – und doch stand man vor verschlossenen Türen.

Wer vom BER fliegen will, muss mit langen Laufwegen rechnen. Foto: Berliner KURIER/Thomas Uhlemann

Umso größer war die Freude, als ich im August die Bestätigung erhielt, dass ich als Komparse bei einem der BER-Tests teilnehmen darf. Am Donnerstag war der große Tag gekommen. Schon bei der Anreise der erste Aha-Moment: Die Fahrt vom Ostkreuz mit dem Flughafen-Express war mit zwölf Minuten überraschend kurz. Vom S-Bahnhof Schönefeld ging es dann mit dem Shuttle-Bus zum BER. Vor dem Hauptterminal sind die Straßenbauarbeiten derzeit noch in vollem Gange. Die Straße ist aufgerissen, Kabel werden verlegt.

Das Einchecken am BER verläuft reibungslos

Das Einchecken als Komparse läuft reibunglos und mit Abstand. Für jeden gibt’s ein Lunchpaket, eine Warnweste, einen Ausweis, eine BER-Trinkflasche, einen Einkaufschip und eine Mund-Nasen-Maske. 400 Komparsen nehmen insgesamt teil. Schon bei der Einweisung wird darauf hingewiesen, dass der Flughafen „scharf“ sei. Das heißt: Alle Bereiche funktionieren so, als sei der BER am Netz. Auch deshalb sollen die Komparsen keine Erkundungen unternehmen, sondern sich an die Abläufe halten.

Schlange stehen am Check-in: Viele Komparsen warten auf den großen Moment. Foto: Berliner KURIER/Thomas Uhlemann

Meine erste Aufgabe für den großen Flughafen-Test: Ich soll nach England fliegen. Plötzlich heiße ich nicht mehr Thomas Uhlemann, sondern Maithi Deuser, soll den Easyjet-Flug EZY9142 um 13.25 Uhr nach Southampton kriegen – nur, um 20 Minuten später, um 13.45 Uhr, schon wieder am BER anzukommen. Die schnellste Reise meines Lebens. Am Gepäckband bekomme ich einen Koffer. Ab zum Check-in!

Ich checke am Schalter ein, bekomme Bordkarte und Gepäckaufkleber – alles wie immer. Dann geht es zum Sicherheitscheck auf der anderen Seite des Gebäudes, etwa fünf Minuten zu Fuß. Im Flughafen-Trubel und durch die für meine Begriffe noch dürftige Ausschilderung scheinen die Laufwege immer länger zu werden. Im Kontrollbereich sind die Schlangen dann recht lang. Einige Passagiere werden unruhig, hatten Angst, ihre Flüge zu verpassen, dürfen deshalb die Schlange überholen. Der Sicherheits-Check verläuft reibungslos.

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Danach: Passkontrolle. Der Ausweis muss auf ein Lesegerät gelegt werden, dann wird das Gesicht von einem Scanner erfasst und mit dem Ausweis-Bild abgeglichen. Auch diese neue Technik funktionierte – allerdings nicht immer. Denn: Einige Passagiere vergessen, vor dem Nutzen des Scanners die Mund-Nasen-Maske abzusetzen. Auf dem Weg zum Gate geht es, wie in anderen Flughäfen, vorbei an diversen Geschäften – hier wird überall noch fleißig gebaut und gewerkelt. Mein Flug nach England soll von Gate C17 gehen. Das bedeutet für mich: Erneut lange, zeitintensive Laufwege. Eine Mitarbeiterin klärt mich auf. „Wer billig fliegen will, muss dafür viel laufen.“

An den Kofferbändern gibt es Test-Koffer für die Teilnehmer. Foto: Berliner KURIER/Thomas Uhlemann

Am Gate dann das übliche Prozedere: Bordkarte zeigen und rein in den Flieger – das Flugzeug ist in unserem Fall aber ein Bus. 30 Minuten kutschiert uns der Fahrer über das Gelände, erklärte uns dabei die Besonderheiten des BER. So gibt es etwa gleich drei Feuerwehr-Stationen, damit die Rettungskräfte schnell überall sein können. Und: Es gibt keine langen Schläuche mehr, um die Flugzeuge mit Kerosin zu betanken. Der Treibstoff wird unterirdisch zu den Parkpositionen geleitet, kommt dann auf kürzestem Weg in den Tank.

Beim zweiten Flug: Alarm an der Sicherheitskontrolle

Nach der Busfahrt geht es dann wieder wie bei jeder Ankunft durch die Passkontrolle zum Gepäckband und ab nach Hause. Zumindest für die meisten Komparsen – denn auf mich wartete ein zweiter Flug! Um 15.15 Uhr sollte es mit Easyjet nach Bournemouth gehen. Hier erwarten mich zwei Besonderheiten: Beim Check-in ist plötzlich die automatische Gepäckbeförderung kaputt, ich muss mich bei der Abgabestelle für Großgepäck erneut anstellen. Laut Drehbuchanweisung soll ich dann bei der Sicherheitskontrolle einen Alarm generieren – indem ich bei Durchlaufen des Körperscanners absichtlich den Schlüssel in der Hosentasche vergesse. Die Schusseligkeit fällt auf, das Sicherheitspersonal besteht den Test. Dafür verpasse ich beinahe meinen Flug: Weil ich mich unterwegs noch einmal verlaufen habe, bin ich der letzte Passagier an Bord, der Flieger muss auf mich warten.

Vielerorts wird am Flughafen noch gebaut. Foto: Berliner KURIER/Thomas Uhlemann

Die Bilanz meines ersten Tages am BER: Es gibt viele fleißige und motivierte Mitarbeiter, die mir auf der Suche nach den richtigen Wegen gern und freundlich helfen. Ich finde die Ausschilderung bisher schwach und unzureichend: Es fehlen leuchtende große Hinweisschilder oder auch mal eine größere Uhr. Der Fußboden in der großen Abfertigungshalle ist für den Test im Laufbereich zur Schonung mit einem Schutzbelag ausgelegt – wenn man abseits darauf läuft, ist es glatt. Und: Der BER ist ein Flughafen der langen Wege, das sollte man bei der Planung bedenken. (mit FTH)