Maria Degel (22) leitet die Mal-Kurse, macht damit auf die notwendige Vorsorge gegen Brustkrebs aufmerksam. Foto: Berliner KURIER / Volkmar Otto

Jeder hat schonmal ein Haus oder einen Baum gemalt. Aber im Oktober landen in Berlin andere Dinge auf der Leinwand! Bei Malkursen der Firma „ArtNight“ können die Berliner lernen, Brüste zu zeichnen. Es klingt schräg, hat aber einen ernsten Hintergrund: Die Workshops sollen auf das wichtige Thema Brustkrebsvorsorge aufmerksam machen. Eine der beteiligten Künstlerinnen ist die 22-jährige Maria Degel – sie verrät dem KURIER, wie sie zur Kunst kam, warum jeder malen kann und warum es so wichtig ist, mit Farbe und Pinsel gegen Brustkrebs zu kämpfen.

Maria Degel entdeckte ihre Leidenschaft für Kunst schon in der Kindheit. Die heute 22-Jährige wuchs in Greiz in Thüringen auf, sei lange Einzelkind gewesen, erst im Alter von acht Jahren habe sie ein Geschwisterchen bekommen. „Und was macht man, wenn man allein ist und sich beschäftigen will? Man malt“, sagt sie. Nach der Schule studierte sie Medizin. „Mir war der Kontakt zu den Patienten immer am wichtigsten, aber das wird einem schon in der Ausbildung regelrecht ausgetrieben, weil dafür kein Platz im medizinischen Alltag ist.“

Degel zeichnet - auch in ihrem Skizzenbuch - sehr gern den weiblichen Körper. Foto: Berliner KURIER / Volkmar Otto

Also brach sie das Studium ab – und besann sich auf ihre Leidenschaft, die Kunst.  Zufällig kam eine Anfrage der Berliner Firma „ArtNight“ – seit zwei Jahren ist Degel nun für das Unternehmen tätig. Die Idee: Bei Zeichen-Abenden überall in Deutschland können sich auch Nicht-Künstler mit Pinsel und Leinwand ausprobieren. „Viele trauen sich nicht, weil sie vielleicht im Kunstunterricht eine schlechte Zensur hatten und nie versucht haben, sich mal auszutoben“, sagt sie. „Sie kommen bei unseren Workshops und sagen: Guten Tag, ich bin talentfrei. Aber das ist meistens Quatsch, man sieht es oft schon bei den ersten Pinselstrichen.“

Im Oktober stehen die Veranstaltungen nun unter einem besonderen Thema: Bei den „ArtNights“ soll auf das Thema Brustkrebsvorsorge aufmerksam gemacht werden. Denn der Oktober ist der offizielle „Brustkrebsmonat“. Laut des Zentrums für Krebsregisterdaten des Robert-Koch-Institut ist Brustkrebs mit zuletzt rund 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr die am häufigsten auftretende Krebs-Art bei Frauen. „Aber auch Männer können daran erkranken, denn jeder Mensch hat Brustdrüsengewebe“, sagt Degel. „Es ist eine weit verbreitete Krankheit, über die viele Menschen allerdings noch zu wenig wissen – das Thema muss raus aus der Tabuzone.“

Eines der Brust-Motive, die die Besucher der ArtNight zeichnen dürfen. Foto: ArtNight

Das soll mit den Mal-Abenden gelingen: Die Teilnehmer wählen sich vorher eines von fünf Brust-Motiven aus, unter Anleitung bringen sie das Bild bei der „ArtNight“ unter dem Motto „Love your Boobs“ („Liebe deine Brüste“) auf die Leinwand. Vom Eintrittspreis (39 Euro) wird ein großer Teil an den Verein Brustkrebs Deutschland e.V. gespendet. Dazu gibt es begleitende Vorträge, Aufklärung, Infomaterial. „Und diese Abende sind auch eine Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen“, sagt Degel. „Denn laut Statistik hat jeder zweite Mensch Erfahrungen mit Krebs. Nicht zwingend, weil er selbst erkrankt ist, sondern auch, weil die Erkrankung bei Freunden oder Familienmitgliedern aufgetreten ist.“

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Auch sie selbst kam bereits mit dem Thema in Berührung, als Bekannte erkrankten. „Und ich selbst hatte als Jugendliche einen Knoten in der Brust. Er war gutartig – zum Glück.“ Aber das Wort „Tumor“ im Befund sei im Alter von 14 Jahren ein Schock gewesen. Auch deshalb sei es wichtig, für die richtige Vorsorge zu sensibilisieren. Bei den Abenden wird auch aufgeklärt, wie wichtig es ist, den eigenen Körper unter die Lupe zu nehmen. „Jede Frau und jeder Mann sollte sich einmal im Monat Zeit nehmen, um die eigene Brust abzutasten.“ Denn Krebs könne schnell entstehen.

Die Workshops gibt es noch am 21., 25. und 28. Oktober. Infos: www.artnight.com