Uferhallen Die Uferhallen in der Uferstraße 8 in Berlin Wedding / Gesundbrunnen. Veranstaltungsort, Ateliers und Künstler haben sich hier niedergelassen. Imago 

Es gibt einzigartige Orte in Berlin, wo der gute Geist der Hauptstadt noch lebendig ist. Urban, vielseitig, manchmal rau, immer offen für Neues. Nicht glattsaniert und durch gentrifiziert. Die Uferhallen in Wedding sind so ein Ort. Der Einsatz für den Standort, der einst ein Straßenbahndepot beherbergte, und der seit Jahren ein gewachsener Kulturort mit Ateliers und Bühnen ist, hat sich gelohnt. Mit dem Eigentümer zusammen wollen die Künstler aus den Hallen nun ein Leuchtturmprojekt für die Stadt entwickeln. 

Seit 2018 ringen die Beteiligten um den Kulturstandort: die Künstler, Gewerbetreibende, der Grundstückseigentümer und die Stadt Berlin entwickeln ein Konzept für die zukünftige Nutzung des Areals. Nun haben sich die Parteien auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt und eine Vereinbarung unterzeichnet. 

„Eine Vereinbarung ermöglicht die langfristige Sicherung des Kulturstandorts und gewährleistet gleichzeitig die bauliche Weiterentwicklung des Areals“, heißt es dazu in einer Pressemittleilung.

Uferhallen in Wedding werden Sondergebiet 

Klartext: das Land Berlin  wird auf dem Gelände der Uferhallen ein Sondergebiet ausweisen, das kulturelle Nutzungen mit Ateliers und Ausstellungsflächen, Wohnen und Arbeiten miteinander vereinbart. Einen entsprechenden „Letter of lntent” (LOI) unterzeichnete das Land Berlin, vertreten durch das Bezirksamt Mitte, die Senatsverwaltung für Kultur und dem Landesdenkmalamt gemeinsam mit dem Eigentümer. Die Künstlerinnen und Künstler, die sich zu einer Interessenvertretung zusammengeschlossen  ahben- der Uferhallen e.V. - , waren in den Prozess eingebunden.

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Kunst und Kommerz, Wohnungsbau und bezahlbare Freiräume unter einen Hut zu bekommen, das ist in Berlin vielerorts Aufgabe.  Nun sei eine Vereinbarung gelungen, die es so in Berlin wohl noch nie gab, heißt es in der Mitteilung weiter. 

Umgang mit Uferhallen  kann Schule in Berlin machen 

Kulturseator Klaus Lederer kann sich das Vorgehen auch an anderen Orten in  Berlin vorstellen. „Die Uferhallen mit ihrer derzeitigen Mischung aus künstlerischen und kulturellen Nutzungen zu erhalten, hat eine große Bedeutung für unsere Berliner Kulturlandschaft.“, sagte er.

Wichtige Kulturflächen langfristig zu sichern und mit bezahlbaren Mieten für  Künstlerinnen und Künstler zu sicherm sollte Schule machen. „Mir würden zumindest noch einige Kulturorte in Berlin einfallen, bei denen ich sehr gern ähnlich vorgehen würde, mir ähnliche Lösungen vorstellen kann“, so Lederer.

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Und so geht es jetzt weiter mit den Uferhallen: Der Eigentümer des denkmalgeschützten Areals, Unternehmer Alexander Samwer, einer der drei Samwer-Brüder, die einst den Onlineversand Zalando gründeten, verlängert in einem ersten Schritt die Mietverträge der Künstler bis Ende 2023.

Ateliers in den Uferhallen bleiben 

Ab 2024 sollen die Atelierflächen auf dem Areal dann langfristig an die ansässigen Künstlerinnen und Künstler vermietet werden. Es gibt keine Kündigungen von Mietverträgen mit Künstlern. In einem Bebauungsplanverfahren bis 31. Dezember 2023 legen Künstlerinnen und Eigentümer gemeinsam Atelierflächen fest. Die Bezahlbarkeit der Atelierflächen soll über einen städtebaulichen Vertrag gesichert werden.

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„Wir, als Vertreter der ansässigen NutzerInnen und Mitglieder des Uferhallen e.V., freuen uns, dass man sich mit der Unterzeichnung des LOI auf ein kooperatives Verfahren geeinigt hat, dessen Zweck der Erhalt des Kulturstandortes Uferhallen ist, sagte der Vertreter des Vereins Uferhallen e.V., Peter Dobroschke.
„Wir sehen dieses Ziel als erreicht an, wenn am Ende eine tatsächliche Langfristigkeit, Bezahlbarkeit und Selbstverwaltung der ansässigen Mieterschaft den Prozess abschließt.“ Ein bisschen Skepsis schwingt schon noch mit, wenn Dobroschke sagt, man hoffe, dass dieses Projekt einen stabilen Weg aufzeige, wie kulturelles Leben in einer sich immer stärker verdichtenden Stadt gesichert und auf eine lange Perspektive ausgebaut werden könne. 

Über die Uferhallen

Die Uferhallen sind ein denkmalgeschützter Gebäudekomplex in Berlin-Wedding (Uferstraße 8). Die erste Bebauung des Geländes als Transportbetriebshof erfolgte bereits 1873. Nach mehreren Um- und Zubauten erhielten die Uferhallen im Jahr 1931 ihre charakteristischen Klinkersteingebäude. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die Berliner Verkehrsbetriebe bis 2007 die Uferhallen für die Instandhaltung ihrer Omnibusse. Auf dem Areal befinden sich zahlreiche kulturelle und künstlerische Einrichtungen wie Ateliers, Werkstätten, Studios, Konzert-, Veranstaltungs- und Proberäume. Seit 2017 ist die UferHallen AG Eigentümer des Areals.