Kultauto mit Kulleraugen: Der Barkas B 1000 aus dem Jahr 1989 fährt an diesem Wochenende im Harz bei einer Rallye mit. Gerd Engelsmann

Gefühlt ist jeder der 13 Millionen DDR-Bürger schon einmal mit ihm gefahren: mit dem Barkas. Dabei waren die liebevoll „Bulli des Ostens“ genannten, 175.000 produzierten Barkas doch fast nie in Privatgebrauch. Viele Barkas gingen in den Export – nach Belgien oder in die Niederlande etwa. Als Krankenwagen, Polizei- und Feuerwehrwagen, NVA-Barkas oder als Barkas-Pritsche für Handwerker prägte der Transporter mit den runden Augen dennoch das Straßenbild in der DDR.

Rettungswagen vom Typ Barkas B 1000 – Einsatzfahrzeug der Schnellen Medizinischen Hilfe (SMH) des DRK der DDR. imago/Gueffroy

Barkas von 1989 auf großer Tour

Einer der letzten in der DDR produzierten Barkas’ von 1989 geht jetzt wieder auf große Tour. Winkende Menschen am Straßenrand und interessiert Schauende, die den knuffigen Wagen inspizieren und sich erinnern wollen, sind garantiert.

Wo er steht, zieht er neugierige Blicke auf sich. In der ehemaligen DDR schwelgt man in Erinnerungen, wer ihn noch nicht kannte, staunt. Gerd Engelsmann

Normalerweise steht der olivgrüne Barkas des DDR-Museums am Gendarmenmarkt und macht als Botschafter für die Ausstellung Werbung. Doch an diesem Wochenende ist das Liebhaberstück auf großer Ausfahrt.  Ausstellungsleiter Sören Marotz nimmt den Barkas B 1000 Kombi mit auf das Abenteuer einer Oldtimer-Rallye: der Sächsischen Meister Classic.

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„Unser Barkas verließ 1989 kurz vor Einführung des mit VW-Lizenz gefertigten Viertaktmotors die Werkhallen der Endmontage in Hainichen bei Karl-Marx-Stadt und wurde an die NVA ausgeliefert. Über verschiedene Stationen, unter anderem das Polizeipräsidium Eberswalde, gelangte der inzwischen technisch wie optisch teilrestaurierte Wagen an das DDR-Museum“, sagt Sören Marotz.

Auf der Sächsischen-Meister-Classic-Rallye sei er als Botschafter für das DDR-Museum im Erzgebirge sowie rund um Chemnitz unterwegs und komme so auch seinem ursprünglichen Herstellungsort noch einmal ganz nahe.

Barkas muss in die Werkstatt

Vor der Reise wurde der Barkas noch einmal auf Herz und Nieren, vor allem aber die Flüssigkeitsstände geprüft.

Kurz vor dem Start wurden die Bremsen noch einmal überprüft. Sören Marotz

Eine Chance auf den Sieg bei der Sächsischen-Meister-Classic-Rallye hat der Oldtimer aber nicht. „Ein Trabi fährt sich einfach, ein Barkas nicht“, weiß Sören Marotz. „Die Bremsen ziehen baubedingt immer in eine Richtung“, erklärt er. Duplex-Trommelbremsen heißen die Teile, die das Fahren außerordentlich speziell machen. Ebenso verrückt: der Motor befindet sich unter einen grauen Abdeckung zwischen Fahrer und Beifahrer. Nimmt man die Abdeckung ab, röhrt es gewaltig, wenn man Gas gibt.

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„Der Fahrer sitz quasi vor den Vorderrädern und hat so ein besonderes Raumgefühl“, sagt Sören Marotz. Er rechnet mit Muskelkater im Bizeps, angesichts vieler Kurven auf den kleinen Straßen im Erzgebirge und fehlender Servolenkung.

Der Ausstellungsleiter des DDR-Museums, Sören Marotz, liebt Oldtimer und geht zum dritten Mal mit dem Barkas an den Start. Gerd Engelsmann

Der Motor aber, der sei erste Klasse. „Vorkriegsware“, sagt Marotz, er basiere auf dem Vorgänger F9 aus dem Jahr 1938. Mit 46 PS und 100 Kilometer pro Stunde Spitzengeschwindigkeit hat der Berliner Barkas aber ordentlich zu tun, um bei den auch mitfahrenden Sportwagen mitzuhalten.

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Was nimmt man mit auf eine Oldtimer-Rallye?

Was nimmt man so mit auf eine Rallye? Einen Damenstrumpf als Keilriemenersatz auf jeden Fall hat Marotz nicht im Gepäck. Wichtig seien Beifahrer, Roadbook und Stoppuhr. Bei den Aufgaben, die zu bewältigen sind, kommt es auf Genauigkeit an. Und Wasser hat Sören Marotz kurz vor der Abfahrt noch eingepackt. Wenn es warm ist, hilft zwar die Dachluken-Kühlung, aber sicher ist sicher.

Barkas mit Pritsche – den Wagen fuhren in der DDR oft Handwerker. www.imago-images.de

Bei der 2. Sächsischen Meister Classic starten etwa 100 Oldtimer-Autos. Die erste Etappe am 21. Mai führt die Fahrer und Fahrerinnen von Chemnitz über das Erzgebirge durch das Vogtland sowie Westsachsen und schließlich wieder zum Startpunkt (ca. 200 km). Am zweiten Tag geht es von Chemnitz aus durch Mittelsachsen und zurück (ca. 100 km).

Sören Marotz auf der Spreebrücke im Nikolaiviertel. Der Barkas auf dem Weg nach Chemnitz. zvg