Die Bühne ist leer, der Saal verlassen, doch sie halten im Kriminal-Theater die Stellung: Regisseur Wolfgang Rumpf (71, r.), Dramaturg Wolfgang Seppelt (65, M.) und Marketing-Chef Dennis Schönwetter (47). Foto: Berliner KURIER/Sabine Gudath

Im Kriminal-Theater in Friedrichshain kommen jeden Abend Mord und Totschlag auf die Bühne – doch nun geht es hier ums Überleben! Eigentlich sollte das Haus mit 200 Plätzen im Frühjahr 20-jähriges Bestehen feiern, doch Corona machte der Planung einen Strich durch die Rechnung.  Im KURIER erzählen die Gründer Wolfgang Rumpf, Wolfgang Seppelt und Dennis Schönwetter, wann es endlich wieder Tote gibt.

Eigentlich ist das Haus in der Palisadenstraße das Mekka der Krimi-Fans – doch nun herrscht Stille. Auf den 200 Stühlen durfte seit März kein Gast Platz nehmen. „Wir haben in all den Jahren, die wir das machen, einige Krisen erlebt“, sagt Dramaturg und Geschäftsführer Wolfgang Seppelt (65), der das Haus mit Regisseur und Intendant Wolfgang Rumpf (71) und Pressesprecher Dennis Schönwetter (47) leitet. „Aber so eine schwere Zeit hatten wir noch nicht. Und dieses Mal ist es anders. Bis wir wieder vor ausverkauftem Haus spielen können, wird es dauern.“

Eröffnung schwieriger als Schließung

Wie alle anderen Bühnen der Stadt musste auch das Theater im März schließen. Zu dem Zeitpunkt waren viele Vorstellungen ausverkauft, Gastspiele von Sylt bis Zürich geplant. „Wir merkten schon in den Tagen vor der Schließung Unsicherheit bei den Zuschauern. Die staatlichen Bühnen waren zu, wir warteten auf die Anordnung“, sagt Wolfgang Rumpf. „Sie kam während der Vorstellung am 14. März. Da wussten wir: Das war es jetzt erstmal.“

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Auch die Jubiläumsfeier, die eine Woche später anstand, fiel ins Wasser. Eigentlich sollte mit der Premiere von „Die acht Millionäre“ gefeiert werden – dem Stück, mit dem vor 20 Jahren die Geschichte des Theaters begann. „Das ist traurig“, sagt Seppelt. Wann die Feier nachgeholt werden kann, steht in den Sternen. 

Im Theater habe man die Zeit für Renovierungen genutzt. Und sich darüber Gedanken gemacht, wie und wann es weitergehen kann. Am 1. August soll der Spielbetrieb aufgenommen werden. Eigentlich hätte man früher beginnen können, sagt Seppelt. „Aber viele unserer Schauspieler haben sich andere Jobs gesucht, um die Zeit zu überbrücken. Geschlossen ist ein Theater schnell, aber bis es wieder läuft, vergehen Monate.“

Dankbares Stück: In „Der Tatortreiniger“ sind nicht viele Schauspieler auf der Bühne – und die Hauptfigur (r.) trägt Maske. Foto: Berliner KURIER/Bernd Friedel

Beim Start müssen auch hier Sicherheitsmaßnahmen greifen. „In den Saal dürfen nur noch 80 statt 200 Zuschauer“, sagt Rumpf. Im Foyer müssen die Besucher eine Maske tragen, die Bar bleibt zu. „Wir müssen sogar nachdenken, in der Pause per Durchsage die Toilettengänge zu organisieren.“ Vielleicht wird bald eine Saal-Reihe nach der anderen auf das Örtchen geschickt. „Es wird nicht das Theatererlebnis, wir es uns vorstellen“, sagt Rumpf. „Aber nichts ist schlimmer als ein leeres Theater.“

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Auch auf der Bühne wird sich einiges verändern: Manche Stücke können nicht aufgeführt werden, etwa „Die zwölf Geschworenen“– zu viele Menschen wären auf der Bühne. Zunächst soll ab August unter anderem „Die Mausefalle“ laufen. Allerdings müssen Szenen umgeschrieben werden, damit der Abstand eingehalten wird. Seppelt: „Das Publikum sieht nur den Zuschauerraum, aber die gleichen Probleme haben wir auf, hinter, neben und unter der Bühne.“

15.000 Euro Soforthilfe decken nicht die Kosten für einen Monat

Finanziell reißt die Krise ein Loch in die Kasse. Zwar habe das Haus 15.000 Euro Soforthilfe bekommen, „aber das ist ist der Betrag, den wir für einen Monat allein für Miete und Versicherungen brauchen“, sagt Seppelt. Das Problem: Mit 80 Plätzen pro Abend kann das Haus nur schwer überleben. „Wir haben immer wieder Anträge gestellt, aber bisher nie Subventionen bekommen, weil gesagt wurde, dass wir kein innovatives Theater sind“, kritisiert Seppelt. „In Zukunft und unter diesen Bedingungen wird es aber nur schwer ohne Unterstützung funktionieren.“

Sie hoffen nun vor allem auf die deutschen Touristen, vor allem auf jene aus Baden-Württemberg und Bayern, hier beginnen die Sommerferien erst spät. Und: Wichtig sind auch die Open-Air-Shows, die am 5. Juli beginnen: Das Ensemble zeigt dann im Amphitheater des „The Lakeside Burghotel“ in Strausberg die Stücke „Bonnie und Clyde“ und „Der Tatortreiniger“. Letzterer hat übrigens einen Vorteil: Die Schutzmaske gehört zum Kostüm.