2019 zog eine Demo des Bündnisses Schule in Not durch Neukölln und forderte saubere Schulen. Imago/Ditsch

Ab dem Schuljahr 2023/24 soll die Schulreinigung laut Koalitionsvertrag in Berlin wieder in der Verantwortung der Kommunen liegen. Höchste Zeit also, Konzepte und Verfahren zu entwickeln. Die Initiative Schule und Not und die Gewerkschaften fordern mehr Tempo beim Umstieg aufs Selberputzen. Am 15. Juni 2021, dem Internationalen Tag der Gebäudereinigung, tauschten sich in Berlin Experten zum Thema aus.

Das Problem dreckiger Toiletten und Klassenräumen ist ein Dauerbrenner in Berlin. Und es hat eine lange Geschichte. Besonders in den 90er Jahren wurde die Unterhaltsreinigung öffentlicher Gebäude und damit auch der Schulen immer mehr ausgelagert. Aus dem Putzmann oder der Putzfrau in der Schule wurde eine  Fremdreinigungskraft.  In 90 Sekunden sollte die ein Klassenzimmer putzen, so der Auftrag. Mission impossible.

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Arbeit der Reinigungskräfte muss sichtbar werden

Sahen Schüler früher noch, wie in der Schule sauber gemacht wird, verlagerten sich die Reinigungsarbeiten unter Hochdruck  außerdem in die Randzeiten des Tages. Aus den Augen, aus dem Sinn, kann man sagen. Was man nicht sieht, wird auch nicht wertgeschätzt.

Knappe öffentliche Mittel und ein Niedrigpreiswettbewerb bei den Ausschreibungen sorgten dann in den letzten Jahren für  Dreck-Schlagzeilen und erboste Eltern, die auf die Barrikaden gingen oder gleich selber putzten.

Auf der anderen Seite litten und leiden Fachkräfte unter ungünstigen Arbeitszeiten, Mini-Teilzeitjobs und dem ständig steigenden Zeitdruck und der Tatsache, dass sie immer mehr Fläche in immer weniger Zeit säubern müssen.

Hauptsache billig bei der Schulreinigung ist am Ende teuer

„In den letzten Jahren konnten wir sehen, wozu das Prinzip ‚Hauptsache billig‘ bei der Vergabe der Schulreinigung führt“, erklärt Katja Karger, Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg. Schmutzige Tische, Flure und Toiletten seien Ausweis der miesen Lohn- und Arbeitsbedingungen infolge der Vergabe an den billigsten Anbieter. Karger stellt klar: „Billig wird unterm Strich von dieser Gesellschaft sehr teuer bezahlt. Wir Gewerkschaften wollen freundliche und saubere Schulen, die aber auch ein Ort der Guten Arbeit sind. Die Tagesreinigung war ein erster Schritt, jetzt muss der zweite, die Rekommunalisierung, konsequent folgen.“

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Das Prinzip der Tagesreinigung soll nicht nur die Arbeitsbedingungen für Putzkräfte verbessern. Sie hat auch Vorteile für die Schulen selber. Wer seine Putzleute kennt, kann besser kommunizieren, wo es klebt. Normalerweise hetzen Putzkräfte von privaten Firmen von einem Objekt zum nächsten und verlieren Zeit auf den Wegen durch die Stadt. Feste Putzfrauen und Männer an Schulen haben Zeit für bessere Qualität. Das hat ein Modellprojekt bewiesen. In einigen Berliner Bezirken werden solche Versuchs-Projekte seit 2018 durchgeführt.

dpa
Schulklo an einer Berliner Schule.

2018 startete Treptow-Köpenick als erster Bezirk mit einem ein Modellprojekt zur Tagesreinigung in vier Bürogebäuden des Bezirks. Der Erfolg des Modellprojektes war so groß, dass daran anschließend die Tagesreinigung in weiteren Bürodienstgebäuden und in den Schulen ausprobiert wurde. In weiteren Bezirken, etwa in Marzahn-Hellersdorf und in Tempelhof-Schöneberg, wurde ab 2019 Tagesreinigung zusätzlich zur normalen Reinigung nach Betrieb in den Schulen eingeführt.

Kann Reinigung am Tage die Lösung sein

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg wird sogar seit 2019 ausschließlich am Tag gereinigt. Dadurch entstanden mehr vollzeitnahe Teilzeitstellen, in einigen Fällen wurden sogar Vollzeitstellen, geschaffen.

Auch während der Pandemie wurden Gelder für zusätzliche Reinigung am Tag bereitgestellt.

An den Schulen wurde etwa die Reinigung von Türklinken und Handläufen verstärkt und eine zweite WC-Reinigung eingeführt. Das alles fand während des laufenden Schulbetriebs statt. Und es zeigte sich, dass plötzlich möglich war, was vorher vergessen war: die Reinigung in Schulen in Anwesenheit von Schülern und Schulpersonal ist möglich. In Skandinavien ist die sogar Gang und Gäbe, in Hamburg machen die Schüler an Reinigungstagen mit und kehren und stellen die Stühle hoch. In Berlin ist hier noch viel Luft nach oben.

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Bei der  Diskussion am heutigen Tag der Gebäudereinigung stellte Heiko Glawe vom DGB Berlin die Forderungen der Gewerkschaften zur Rekommunalisierung dar und problematisierte die geringe Tarifbindung sowie Mitbestimmung in der Branche. Von den etwa 30 Firmen, die in Berlin die Schulreinigung übernehmen, ist nur die Hälfte Innungs-Mitglied und nur jeder sechste Betrieb hat einen Betriebsrat.

Konzepte für kommunale Schulreinigung müssen jetzt her

Noch fehlen griffige Konzepte vonseiten der Bezirke und der Landesregierung, damit ab dem übernächsten Schuljahr die Reinigung in den Schulen reibungslos funktioniert. Bisher haben sich lediglich drei Bezirke - Pankow, Neukölln und Tempelhof-Schöneberg - gemeldet, in einem Modellprojekt auf die Eigenreinigung umsteigen zu wollen.

Der Berliner Landeselternausschuss reagierte zuletzt skeptisch auf die Pläne, die Schulreinigung wieder in kommunale Hand zu geben. Der Vorsitzende des Gremiums, Norman Heise, sagte, es müsse erst noch bewiesen werden, dass die Schulen dadurch sauberer würden. Durch die Einführung einer zusätzlichen Reinigung am Tag seien viele Schulen sauberer geworden, dies gelte es fortzuführen. Wenn das mal kein Auftrag für die Bezirke ist.